Eingänge von meteorologischen Journalen etc, Juni 1885,
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3. Reise der Elsflether Bark „Louise“, Kapt. J. Köhne.
Während einer Reise von Liverpool nach Buenos Aires überschritt die
Bark „Louise“ am 14. Mai 1884 den Parallel von 50° Nord. Dieselbe rückte
bei leichten westlichen Winden bis zum 18. Mai nach 44,8° N-Br in 9,2° W-Lg
vor. In geringer Entfernung von diesem Punkte drehte der zum ganz leisen
Zuge herabgesunkene Wind durch N nach NNE und bot, nachdem derselbe
aufgefrischt hatte, dem Schiffe eine erwünschte Gelegenheit zur Förderung der
Reise. Es schien, als ob dieser Wind ohne vorhergehende Störung zum Passat
werden wollte. Als „Louise“ sich aber am 23. Mai in der Nähe von 34° N-Br
und 18° W-Lg befand, drehte der ganz schwach gewordene Wind zurück durch
N nach W, um sich als leiser, von häufigen Stillen unterbrochener Zug für
längere Zeit im westlichen Halbkreise zu halten, Diese Verhältnisse dauerten
bis zum 27. Mai. Nach diesem Tage von 29,6° N-Br in 19° W-Lg an wehte
ein langsam auffrischender nordöstlicher Zug, der zum Passat wurde. Bei
diesem später nur in geringer Stärke wehenden Winde segelte die Bark bis
zum 7. Juni nach 8,5° N-Br in 25,7° W-Lg. Nachdem man diesen Punkt
erreicht hatte, vergingen bei leichter, von Stillen häufig unterbrochener Mallung
nahezu sechs Tage. Als „Lowise“ bei derselben bis zum 13. Juni nach 4,9° N-Br
in 25,1° W-Lg gesegelt hatte, stellte sich dort der SE-Passat ein. Derselbe
führte die Bark bis „dm 15. Juni zu der in 27,8° W-Lg überschrittenen Linie,
Das Schiff hatte die zwischen 50° N-Br und diesem Punkte liegende Strecke
in 32 Tagen zurückgelegt und auf derselben: 40° N-Br in 13,9° W.Lg am
20. Mai, 30° N-Br in 18,9° W-Lg am 26. Mai, 20° N-Br in 25° W-Lg am
2, Juni und 10° N-Br in 26,1° W-Lg am 6. Juni gekreuzt. Im Stillengürtel
war die Bark in vier Tagen zusammen 62 Sm nach Osten versetzt worden,
während man zwischen 2,5° N-Br und dem Aequator in einem Etmale eine
westliche Versetzung von 56 Sm beobachtete.
In südlicher Breite dehnte sich das Gebiet des erst südlich von
11° S-Br frisch und beständig auftretenden Passats bis nach 19,4° S-Br in
35,4° W-Lg aus. In geringer Entfernung von diesem Punkte veränderte
sich am 24. Juni der frische Wind, bei einem Barometerstande von 766,1 mm,
nach NE und bald darauf weiter durch N nach W. Nachdem der Wind dann
für einige Tage stürmisch aus W geweht hatte, kehrte er, schwach geworden,
durch S nach E zurück und gewährte dem Schiffe aufs Neue eine erwünschte
Gelegenheit zur Förderung der Reise. Man vollendete den noch vorliegenden
Reiseabschnitt bei fast nur aus nördlicher Richtung kommenden Winden und
erreichte schließlich am 11. Juli die Rhede von Buenos Aires. Um zu der-
selben von 50° N-Br her zu gelangen, waren 58 Tage erforderlich gewesen.
Während der 26 in südlicher Breite verbrachten Tage hatte „Lowise“: 10° S-Br
in 32,1° W-Lg am 21, Juni, 20° S-Br in 35,7° W-Lg am 24. Juni und 30° S-Br
in 40,8° W-Lg am 3. Juli gekreuzt.
Nachdem „Louise“ entlöscht worden war, nahm dieselbe Ballast ein, um
nach Batavia zu segeln, Man erreichte am 30. August die offene See, wo
anfänglich östliche Winde angetroffen wurden. Bei denselben konnte man, da
sie meistens aus nordöstlicher Richtung kamen, noch eine befriedigend rasche
Fahrt erzielen. Nachdem sich der zur Zeit stürmisch wehende Wind am
8. September, bei 42° S-Br in 30° W-Lg, von NNE durch N nach W verändert
hatte, blieb seine Richtung eine westliche. „Louise“ segelte dann bis zum
13. September zu dem in 43° S-Br erreichten Meridian von Greenwich. Der
13. September war der 14. bis dahin auf See zugebrachte Tag. Während dieser
Zeit hatte man: 50° W-Lg in 38,8° S-Br am 2. September, 40° W-Lg in 40,7°
S-Br am 5. September, 30° W-Lg in 42,2° S-Br am 8. September und 20° W-Lg
in 42,5° S-Br am 9. September überschritten.
In östlicher Länge versuchte „Louise“ zunächst, sich in der Nähe von
43° S-Br zu halten. Nachdem man aber bei den anfänglich stürmisch aus nörd-
licher und westlicher Richtung wehenden Winden bis zum 17. September nach
20° O-Lg vorgerückt war, wurden längere Zeit anhaltende, hoch südliche Winde
angetroffen, durch welche die Bark mehrere Breitengrade nach Norden zurück
verdrängt wurde. Der Luftdruck stieg dabei bis zu dem in der Nähe von
41° S-Br und 42,5° O-Lg abgelesenen höchsten Stande von 775,8 mm. Nachdem