Internationale Leuchtfeuer.
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Jahre
Schiffe der fünf letzten Staaten fehlen in dem Verzeichnifs für 1884, Im
1882 betrug. die Gesammtzahl dieser Schiffe 12 mit 12000 Tons.
Die Hauptschwierigkeit der angedeuteten Frage liegt in dem Faktum,
dafs die beiden Vorgebirge, auf denen ein Leuchtfeuer zu errichten nothwendig
ist, nämlich Kap Guardafui und Ras Hafun, nicht im Besitz einer civilisirten
Macht sind; während das erstere unter der Herrschaft des Sultans der Nord-
Somali’s steht, gehört Ras Hafun dem Mijjertheyn-Stamm. Die letzteren sind
freundschaftlicher gegen die Europäer gesinnt, als die Somali’s, Es liegt im
Bereich der Wahrscheinlichkeit, dafs beide Volksstämme, wenn sie mit der
nöthigen Vorsicht angefalst werden, den Gründen des Selbstinteresses willfährig
sind. Der erste Schritt müfste sein, sie von der Anschauung abzubringen,
schiffbrüchige Güter als ihnen von der Vorsehung zugedachte Beute anzusehen;
dann mag der zweite Schritt versucht werden, sio für die Errichtung eines
Leuchtthurms willfährig zu machen durch Anbieten von Vortheilen, welche ihre
Häuptlinge mehr als entschädigt für die Einbulse, die sie durch die Verminderung
der Schiffbrüche an ihrer Küste erleiden. Grofsbritannien ist in Erreichung
des ersten Schrittes erfolgreich gewesen; im Parlament sind Papiere vorgelegt,
welche eine Reihe von Verträgen mit den Häuptlingen der Mijjertheyn-Stämme
enthalten, nach welchen diese sich verpflichten, alle schiffbrüchigen Personen
an ihrer Küste zu beschützen und alle Schiffe vor Plünderung und vorsätzlichem
Schaden nach Möglichkeit zu bewahren; hierfür bekommen sie von der Britischen
Regierung jährlich eine feste Summe und einen Bergungslohn in jedem einzelnen
Falle, der ihnen von dem Britischen politischen Vertreter in Aden nach dem
Britischen Gesetz zuerkannt wird. Aus anderen Schriftstücken geht jedoch
hervor, dafs der dortige Sultan jede Konvention über Errichtung eines Leucht-
thurms abgelehnt hat. Diese Weigerung müfste Grofsbritannien entmuthigen,
wenn es nicht im Namen von ganz Europa handeln und sich in gewissem Grade
auf die Mitwirkung von Europa stützen kann. ,
Die Beleuchtung des Einganges und der Annäherung an den Golf von Aden
ist kein leichtes Unternehmen. Außer einem Ansegelungsfeuer bei Ras Hafıun
und einem Leitfeuer bei Kap Guardafui werden wahrscheinlich dazwischen
noch verschiedene Feuer nothwendig sein. Von Grofsbritannien, welches am
meisten bei dem Handel zwischen Europa und dem Osten interessirt ist, dürfte
man erwarten, dafs es die Verträge mit den Küstenbewohnern einleitet. Es
kann aber nicht ohne Mitwirkung anderer Staaten, welche ein ähnliches, wenn
auch nicht ganz gleiches Interesse für die Sicherheit der Schiffahrt im Golf von
Aden haben, die Leuchtfeuer errichten und unterhalten. Grofsbritannien würde
ohne Weiteres nicht berechtigt sein, von passirenden Schiffen Abgaben zu er-
heben für Feuer, welche nicht auf seinem eigenen Gebiet liegen; eine inter-
nationale Konvention könnte jedoch dies Recht verleiben, und die Abgaben
könnten ‚vielleicht in Port Said erhoben werden. Ein bereits bestehender Leucht-
feuer-Vertrag, bekannt unter dem Namen „Kap Spartel-Konvention“, verdient
ferner besondere Beachtung. Nach diesem Vertrag, welcher zwischen den Ver-
einigten Staaten und den Europäischen Seemächten einerseits und dem Sultan von
Marocco andererseits im Jahre 1865 geschlossen wurde, und dem das Deutsche
Reich 1878 beitrat, werden keine Abgaben von den passirenden Schiffen erhoben,
sondern die Regierungen unterhalten eine gemeinschaftliche Kasse, aus der die
Erhaltung und Verwaltung des Leuchtfeuers bestritten wird. Der Sultan von
Marocco hat es übernommen, den Leuchtthurm auf Kap Spartel im Fall eines
Krieges zu beschützen, und die anderen Mächte sind übereingekommen, seine
Neutralität stets zu respektiren. Eine ähnliche Mitwirkung der Seemächte wäre
bezüglich der Unterhaltung der Leuchtthürme bei Kap Guardafui möglich, wenn
in ihrem Interesse Grofsbritannien dieselben auf eigene Kosten nach Ueberein-
kunft mit den Eingeborenen errichtet hätte. Bis eine allgemeine Verständigung
erzielt wäre, könnte vielleicht ein Feuerschiff bei Kap Gwuardafut placirt werden,
um als Leitfeuer beim Umsegeln des Kaps zu dienen,
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