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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Internationale Leuchtfeuer. 
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erklären, weshalb sich im Seerecht des Mittelalters keine Andeutung von 
Leuchtfeuern findet. Der Leuchtthurm des heutigen Tages ist die Schöpfung 
der modernen Wissenschaft. Es ist kaum glaublich, dafs das verhältnilsmäfsig 
schwache Licht eines Bündels Talglichter im Zddystone-Leuchtthurm am Eingang 
des Englischen Kanals noch im Jahre 1807 gebraucht wurde, zu welcher Zeit 
die Erfindung der Argand’schen Oellampen und die Verbindung derselben mit 
Metall- Reflektoren einen neuen Impuls zur Errichtung von Leuchtthürmen 
gab, um den Bedürfnissen des vermehrten Handels zu entsprechen. Ferner 
soll uns die Geschichte der Leuchtfeuer Winke geben; um mit Erfolg den 
Schwierigkeiten und Gefahren zu begegnen in der Wasserstrafse, die der 
Geist und die Energie von Lesseps der Handelswelt an Stelle des sicheren, 
von Vasco de Gama im 15, Jahrhundert entdeckten Weges um das Kap der 
guten Hoffnung aufgezwungen hat. Als Columbus von den Gestaden der alten 
Welt kühn in die geheimnifsvollen Gewässer des Atlantischen Oceangs stach, 
brauchte er keine Leuchtfeuer und Seemarken, um ihn bei seinem verwegenen 
Unternehmen, ein neues Land im fernen Westen zu entdecken, zu leiten, denn 
er hatte sich auf einem Wasser eingeschifft, wo weder Riff noch Klippe seine 
Ueberfahrt verhinderten, bis er das vermeintliche Ziel seiner Reise erreicht 
hatte. Anders verhält es sich mit den Gewässern, welchen seit Eröffnung des 
Suez-Kanals die Seefahrer den Vorzug geben. Seit 1879, wo zum ersten Male 
in der Konferenz der Gesellschaft die Frage von internationalen Leuchtfeuern 
erwähnt wurde, ist von der Britischen Regierung auf Minikoi, einer der 
Laccediven-Inseln, ein Leuchtthurm errichtet worden, welche Insel je nach dem 
Monsun an der Nord- oder Südseite durch alle Dampfschiffe, welche von dem 
Golf von Aden nach Ceylon oder der Bucht von Bengalen, China, Japan u. 8. W. 
bestimmt sind, passirt wird. Andere Regierungen sind in gleicher Weise auf 
die Unterstützung der Navigirung bedacht. Frankreich z. B. schlägt die Er- 
richtung eines Leuchtthurms an der Tunesischen Küste bei Kap Serrat vor. 
Ferner ist aber noch ein Feuer erwünscht auf einer Insel nördlich von dem 
Galita-Kanal oder auf den Sorelle-Felsen westlich von diesem Kanal, welcher 
auf dem direkten Kurs der Schiffe von der Gibraltar-Stralse nach Port Said 
liegt. Erst kürzlich, am 20. Juni, hat ein Britischer Dampfer von 1800 Tons, 
der „Radnorshire“, bei stillem Wetter Nachts auf diesem Felsen Schiffbruch 
erlitten. Im Interesse des Handels von Marseille mit dem Osten würde auch 
ein Feuer auf Keith-Riff, welches ungefähr gleich weit von Kap Bon und den 
Inseln an der Westspitze von Sicilien entfernt liegt, erwünscht sein. Sollte 
die Italienische Regierung hier ein Feuer etabliren, so würde vielleicht Frank- 
reich veranlafst werden, auf den Sorelle-Felsen dasselbe zu thun. 
Der Suez-Kanal selbst ist durch Leuchttonnen gekennzeichnet. Aufser- 
halb desselben hat die Aegyptische Regierung auf der nördlichen der Brother- 
Inseln einen Leuchtthurm errichtet, der seit Juni 1883 in Thätigkeit ist. Das 
Rothe Meer mag so bis zur Annäherung an den südlichen Ausgang gut genug 
beleuchtet sein. Hier ist ein Feuer nothwendig auf den Abul Ail-Inseln, welche 
bei Nacht schlecht zu sehen sind, und zwischen welchen und der größeren 
südwestlich davon gelegenen Insel Jebel Zukur eine bequeme Passage nach der 
Strafse von Bab-el-Mandeb gebildet wird. — Bezüglich der bisher erwähnten 
Feuer können keine internationalen Schwierigkeiten entstehen, da die Gebiete, 
auf welchen dieselben etablirt werden sollen, unter eivilisirten Regierungen 
stehen. Beim Verlassen des Rothen Meeres und beim Eintritt in den Golf von 
Aden sagen wir jedoch der Civilisation Adieu, nachdem die von Frankreich 
okkupirte Tajourra-Bai passirt ist. Schliefßlich gelangen wir zum Kap Gwuardafui, 
an welchem Südwest- und Nordost-Monsun in ihrer vollen Stärke herrschen 
und je nach dem Wechsel derselben auch die Strömungen in Richtung und 
Stärke variiren. Nach dem Afrika-Reisenden Bruce ist der richtige Arabische 
Name des Kaps nicht Gwardafui, sondern Gardafan, das bedeutet „Grabes- 
straße“, Weniger für die nach dem Osten gehenden, als die nach Europa 
zurückkehrenden Schiffe ist das Kap ein Gegenstand des Schreckens. Diese 
Schiffe nehmen zur Ansteuerung gewöhnlich einen Kurs auf die Afrikanische 
Küste zwischen Kap Guardafuz und Ras Hafun, einem ca 80 Sm südlich von 
ersterem liegenden Vorgebirge, welches durch eine schmale Sandzunge mit dem 
Hauptlande verbunden ist, an deren beiden Seiten eine tiefe Bucht liegt. Schiffe, 
Ann. 4, Hydr. ete., 1885, Heft X.
	        
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