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Küstenaufnahme im Vorbeifahren. Neue Methode.
bei allen Peilungen durch das Visirlineal dieses mit seinem Rücken gegen die
Spitze gelegt. Von allen hervorragenden oder für den Verlauf der Küstenlinie
wichtigen Punkten werden so mit dem Visirlineale Peilungen genommen, und die-
selben auf dem Zeichenpapier fixirt. Der Schnittpunkt zweier oder mehrerer
verschiedener Peilungen desselben Objektes giebt die Position desselben auf
dem Papier an; durch eine entsprechende Auswahl der Peilungen, etwa wenn
ein Objekt vorlich, querab und achterlich in Sicht, ist für gute und scharfe
Schnittpunkte der Linien zu sorgen. Es empfiehlt sich, um Verwechselungen
zu vermeiden, die Linien nach dem Objekt zu bezeichnen, Zwischen den 8o
erhaltenen Punkten der Küstenlinie wird diese sofort eingezeichnet. Inseln
iassen sich durch mehrere an dieselben gelegte Tangenten festlegen. Wenn
der Kurs des Schiffes geändert wird, ist das Zeichenpapier um einen der Kurs-
änderung gleichen Winkel um die Spitze des Kurslineals, welche den Schiffsort
zur Zeit der Kursänderung darstellt, als Pivot zu drehen, und zwar nach der
antgegengesetzten Seite, nach welcher das Schiff sich wendet, d.h. nach rechts,
wenn das Schiff nach links dreht, und nach links, wenn das Schiff nach rechts
dreht; es entspricht dann die mit dem Lineal auf dem Papier gezogene Linie
wieder dem neuen Kurs. Der Winkel kann mittelst eines Transporteurs aufge-
tragen werden, oder wenn der neue Kurs auf ein bestimmtes sichtbares Objekt
los geht mit Hülfe des Visirlineals; man peilt mit demselben kurz vor der
Drehung dies Objekt und zieht die Peilungslinie auf dem Papier, dreht dann
das Papier, bis der Rücken des Kurslineals mit dieser Linie zusammenfällt,
Für eine gleichmäfsige Fahrt und eine korrekte Bestimmung derselben ist
zu sorgen; gutes Innehalten des Kurses und genaues Steuern ist erforderlich
and oft zu kontroliren. Die Kontrole läfst sich am besten nach einem voraus
befindlichen Objekt ausführen; Peilungen dürfen nur genommen werden, wenn
Kurs liegt.
Schneiden sich trotzdem die zusammengehörigen Peilungslinien nicht in
einem Punkte, so ist dies ein Zeichen, dafs das Kurslineal dem wirklichen
Schiffskurse nicht parallel liegt, und der Tisch oder das Papier sind entsprechend
zu drehen. Einen bekannten Strom kann man von vornherein auf diese Weise
in Rechnung bringen.
Strom oder Abtrifft machen sich übrigens bei der Arbeit selbst dadurch
bemerkbar, dafs sich die Peilungslinien nicht in einem Punkt schneiden, und
für die Gröfse desselben und das Stück, um welches das Papier gedreht werden
muf, giebt die Abweichung der Peilungslinie achteraus von dem Schnittpunkt
der Peilungen voraus und querab desselben Objektes einen guten Anhalt. Als
Anfangs- und Endpunkt sind womöglich bekannte Punkte zu wählen, oder die-
selben durch Winkelmessungen nach solchen festzulegen.
Setzt man hiernach einen oder mehrere zwischen diesen Punkten bestimmte
Kurse ab, gelangt aber in Wirklichkeit nicht nach dem abgesetzten Zielpunkt,
30 ist die Abweichung zu berücksichtigen und die Kurse zu berichtigen; bei
einem einzigen Kurse ist der Abgangspunkt mit dem wirklichen Endpunkt zu
verbinden; bei mehreren Kursen ist an den Punkten der Kursänderung eine der
Gesammtabweichung parallele Linie anzutragen, deren Länge sich zu der Ge-
sammtabweichung verhält wie die bis zu dem Punkto zurückgelegte Distanz
zu der Gesammtdistanz; durch Anfangspunkt und die Endpunkte dieser Linien
führt der wirkliche Kurs,
Mit einiger Aufmerksamkeit lassen sich daher die meisten Fehler fern
halten, und man erhält eine für den kurzen Zeitaufwand recht genaue Aufnahme.
Viele Unregelmäfsigkeiten der Küstenlinie, wie Buchten und Einschnitte, welche
dem Auge entgehen, werden durch die Methode entdeckt und fixirt. Das Ameri-
kanische Vermessungsfahrzeug „Hassler“ hat dieselbe sowohl vom Schiff aus
als auch auf Dampfbooten angewandt und gute Resultate erhalten.