Küstenaufnahme im Vorbeifahren. Neue Methode.
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oben nach unten erfolgt. Das sehr starke Phosphoresciren des Meeres hielt
bis zum Morgen an. Der massige eiserne Schiffskörper, seine hohen eisernen
Masten und der Blitzableiter hatten auf die Blitze keine besondere Attraktion
geübt, aber die gesammte Schiffsmasse scheint die in und auf dem Meere auf-
gespeicherte Elektricität begierig aufgesaugt und nach aufwärts geleitet zu
haben; in den metallischen Spitzen verdichtete sich die Elektricität bis zu dem
die Lichterscheinung hervorrufenden Grade. Einige meteorologische Daten des
Beobachtungstages giebt folgende Tabelle.
Zeit Lufttemperatur Wassertemperatur
°C. °C.
Januar 15
{V*
NWA4
NNW 4
3
X
$
Januar 16
Y
Januar 17 4
1:
168
Ig
IL
30
30
29
IR
)
23
.
25
95
9
17
17
LS
7
”
NW3
W5
SW, S, SE 11—12
E, NE, E, SE, S, SW 10-9
N. NEG
»
NE 4
N, NE
NE
2
N
Küstenaufnahme im Vorbeifahren. Neue Methode.
Auf dem V. St. Coast Surv. Schiff „Hassler“ ist im Jahre 1883 bei der
sogenannten „fliegenden Küstenvermessung“ mit vielem Erfolg eine Methode
angewandt, welche von dem Schätzen der Distanzen, von dem Einzeichnen der
Küstenlinien lediglich nach dem Augenmafs und von Kompafspeilungen ent-
bindet, und welche um so mehr Beachtung verdient, weil sie sehr einfach er-
scheint und man sich das dazu nöthige Instrument leicht an Bord selbst her-
stellen kann. Von Seiten des Hydrographischen Amtes ist durch J. H, Fillmore
eine eingehendere Beschreibung der Methode, durch Zeichnungen erläutert, in
„Proceedings of the United States Naval Institute“, Vol. XI..No. 2, 1885 ver-
öffentlicht worden.
Das für die Aufnahme nötbige Instrument besteht aus einem einfachen
Mefßtisch und zwei Linealen. Das eine Lineal ist so an den Tisch befestigt,
dafs es sich in dessen Längsrichtung verschieben läfst, und das Zeichenpapier
anter demselben angebracht werden kann; es ist mit einer Eintheilung versehen,
die an dem inneren zugespitzten Ende des Lineals beginnt. Das zweite ist ein
gvewöhnliches Lineal mit zwei an den Enden befestigten Dioptern zum Visiren.
Beim Gebrauch wird der Apparat auf Deck an einem günstigen, eine
gute Uebersicht gestattenden Platze so aufgestellt, dafs das eingetheilte Lineal
parallel dem Schiffskurse, also in der Regel parallel der Kiellinie, liegt. Eine
mit demselben auf dem Zeichenpapier gezogene Linie entspricht dann dem Wege
des Schiffes, und unter der Voraussetzung einer gleichmäfsigen Fahrt, welche
die Hauptbedingung der richtigen Aufnahme bildet, repräsentiren die durch die
Theilstriche des Lineals gekennzeichneten Punkte der Linie die Position des
Schiffes nach einer bestimmten Zeit. Es wird nun die Spitze des Kurslineales auf
den dem Schiffsorte zu der betreffenden Zeit entsprechenden Punkt gerückt, und