Witterungs- und Strömungsverhältnisse auf der Rhede von Takao. 567
Richtung zwischen N und W. Aufserdem waren südöstliche und südliche Winde
ziemlich häufig, dahingegen südwestliche in Anbetracht der Jahreszeit nur selten.
Die Windstärke war meistens nur gering. Leichte westliche bis nördliche Winde
wehten fast ausschliefslich während der Zeit vor dem Taifun, vom 1. bis zum
10. Juni. Am 11. und 12. Juni fand die Unterbrechung durch den Taifun statt.
Nach demselben gewannen Winde aus dem südlichen Halbkreise die Oberhand.
Der mittlere Luftdruck ergiebt sich zu 755,1 mm. Um zuverlässige
Mittelwerthe ableiten zu können, ist indessen die Anzahl der Beobachtungen zu
klein, Dasselbe gilt hinsichtlich der Bestimmung des täglichen Ganges des
Luftdrucks. Für letzteren Zweck sind auch die gewählten Beobachtungsstunden
nicht wohl geeignet. Der höchste Luftdruck, welcher 760,8mm betrug, wurde
am 17. Juni bei leichtem Südwinde und schönem Wetter beobachtet, während
der niodrigste Barometerstand am 12. Juni, in dem Taifun, beobachtet wurde
und eine Höhe von 736,1mm hatte.
Die mittlere Temperatur der Luft betrug 28,0° C. Die Schwankungen
derselben waren entsprechend der oceanischen Lage des Beobachtungsortes
nur gering. Der Unterschied zwischen der mittleren Temperatur für 8 a, m,
and der für Mittag betrug nur 1,6°. Die höchsten Temperaturen wurden mit
30,4° C. am 1., 9. und 10., sämmtlich also in der Zeit vor dem Taifun, beob-
achtet, die niedrigsten mit 24,9° C. am 4. und 15,
Das Wetter hatte einen vorwiegend unfreundlichen Charakter bei ge-
wöhnlich stark bewölktem Himmel. Von den 20 Tagen waren indessen nur 9
mit Regen. An 4 Tagen war das Wetter trübe, an 7 Tagen heiter,
Fast fortwährend wurde auf der Rhede von Takao, welche vollständig
offen ist, eine mehr oder weniger hohe Dünung aus S bis W beobachtet. Die
Strömung setzte vorwiegend nach N bis NNW. Ein regelmäßiger Wechsel von
Fluth- und Ebbestrom wurde nur selten beobachtet; dagegen traten ver-
schiedentlich auch anhaltende südliche Strömungen auf, Letztere zeigten sich
nur bei nördlichen Winden. Auch der nördliche Strom, der nicht selten gegen
den Wind setzte, zeigte sich doch insofern von letzterem abhängig, als er bei
einer südlichen Richtung desselben stets eine gröfsere Stärke hatte. In mehreren
Fällen erreichte der nördliche Strom eine Geschwindigkeit von 3, in einem
Falle eine von 4 Kn.
Der Verlauf des Taifuns, der, wie schon bemerkt, am 11, und 12, Juni
auftrat, war ungefähr der folgende:
Nachdem das Wetter am 10. Juni bei leichten westlichen Winden heiter
gewesen war, kam gegen Abend bei leichtem Nordwinde eine Bank im Süden
auf, In der Nacht war das Wetter böig mit südlichen Winden. Um 9* am.
den 11. wehte es stürmisch aus SSE, bei fallendem Barometer, das eine Höhe
von 754mm hatte. Auf der Rhede stand eine hohe Dünung aus SSW, Stärke 7.
Um 10/2 a. m. wurde die Ankerkette geschlippt und nach See gegangen. Die
Luft sah schmierig aus, der Wind nahm zu, und es lief eine hohe brechende
See. Um 4" p.m. hatte der Wind von SE die Stärke 8 erreicht; alle Segel,
bis auf die Untermarssegel, Stagsegel und Sturmbesan, waren festgemacht.
Der Luftdruck war bis 752,2mm heruntergegangen. Seit 10'/2* p. m. trieb das
Schiff vor Topp und Takel. Das Barometer fiel rasch, die Luft war dick von
Regen, vom Himmel zuckten grelle Blitze, und orkanartige Böen brausten über
das Schiff hinweg. Der Wind holte allmählich östlicher und wehte um 12 Uhr
Nachts bei einem Luftdruck von 743,3mm mit der Stärke 10 von ENE.
Um 4* a. m. den 12, Juni, als das Barometer mit 736,1 mm seinen tiefsten
Stand erreicht hatte, war der Wind NE11. Anfangs wehte es mit steigendem
Barometer noch schwer, dann, gegen 6* a.m., ließ die Stärke des Windes
nach, und der Regen wurde geringer. Um 8* a.m. war der Wind bei der
Stärke 7 bis NW herumgeholt, und der Luftdruck hatte wieder eine Höhe von
747,1 mm erreicht. Es wurden jetzt Segel gesetzt. Bei rasch steigendem
Barometer und abklarendem Wetter nahm der Wind aus der letztgenannten
Richtung zu einer leichten Briese ab. Um 4* p.m. den 12. peilte Ape Hill
NOzO, etwa 25 Sm entfernt. Es wurde Kurs darauf gesetzt. Der Himmel war
zwar bewölkt, aber das Wetter sichtig. In der Nacht lag man ab und an von
der Küste, und um 6% a, m. gelangte „Ferdinand“ in der Nähe seiner Anker-
boje wieder zu Anker, Die Ankerkette, auf welche ebenfalls eine Boje gesteckt