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Regenmenge in der Helgoländer Bucht.
dem Leouchtthurm verwendeten Instrumente und Methoden nach der Insel hinüber-
zusenden und später, nachdem es nicht gelungen war, auf diesem Wege die
Ursache der Anomalie zu entdecken, einen Regenmesser der Seewarte nebst
Mefsglas dem Beobachter, Herrn Lehrer Schmidt, zu liefern, welcher sich
erbot, für dessen regelmäfsige Ablesung Sorge zu tragen. Bei der erwähnten
Inspektion zeigte sich, dafs der alte Regenmesser in nicht unzweckmäfsiger
Weise in der Ortschaft zwischen niedrigen Gebäuden, die ihn nur um ca 20°
überragten, nicht ganz 2m über dem Boden aufgestellt war, und daß der
Beobachter die, allerdings kompliecirte, Umrechnung seiner Angaben instruktions-
gemäfs und richtig aus(führte. Die Oeffnung des Regenmessers war 1000 qem,
gemessen wurde mit einem in Kubikcentimeter getheilten Glase, aber die
erhaltenen Zahlen sofort umgesetzt in par, Kubikzoll auf einen Quadratfuls,
nach der Skala 1g = 0,054 Kubikzoll. KEinen zweiten Regenmesser gab es
auf der Insel nicht.
Ende 1881 wurde der Regenmesser der Seewarte auf dem grofsen sogen.
Schulplatz aufgestellt, wo er auch seitdem geblieben ist; der Regenmesser der
Station erhielt am 1. März 1882, da der Beobachter die Wohnung wechselte,
eine neue Stelle in der „Hamburg Street“ .und wurde am 1. November 1883
ebenfalls auf den Schulplatz versetzt, wo er 4m von jenem der Seewarte ent-
fernt aufgestellt wurde. Die Regenmenge in jedem der Regenmesser wurde
mit dem zu demselben gehörenden Moefsglase gemessen. Wie man aus der
folgenden Tabelle sehen kann, haben diese Ortsveränderungen keinen merkbaren
Einflufs auf das Resultat gehabt.
1882
1883
1884
1885
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. dahr
Station 114 72 121 125 62 146 139 396 251 178 313 12) 2046
Seewarte 57 32 54 53 27 62 59 175 111 78 14 45 897
{ Station 108 80 57 25 57 56 286 107 184 252 376 340 1928
\ Seewarte 48 40 29 10 24 23 122 49 75 126 156 138 840
f Station 268 165 76 23 172 63 220 107 148 312 83 87 —
\ Seewarte 103 58 30 11 76 27 101 46 54 126 8 83 715
f Station 51 6/ 13 36 9% 21 6
\ Seewarte 45 67 13 35 97 % 7
In dem Zeitraum Januar 1882 bis Oktober 1884 hat der Regenmesser
der Station durchschnittlich eine 2!/s Mal so grofse Regenhöhe ergeben, als
jener der Seewarte. Am 1. November 1884 wurde der Regenmesser der Station
ersetzt durch einen neuen, vom Meteorologischen Institut in Berlin erhaltenen,
und nun verschwindet der Unterschied nahezu vollständig; die Differenz im
Januar fällt fast ausschlieflslich dem 29. Januar zur Last, wo im Regenmesser
der Station 28,6, in jenem der Seewarte 23,2 mm gemessen wurden, und beruht
also vermuthlich auf einem Versehen; ergiebt sich, wie die Monate Dezember
und April erwarten lassen könnten, auch fernerhin eine Tendenz zu etwas
niedrigeren Angaben beim Regenmesser der Seewarte, so wird dieses wahr-
scheinlich an Unterschieden der Mefsgläser liegen, welche leider in den untersten,
am häufigsten in Gebrauch kommenden Theilen der Skala nicht immer mit der
erforderlichen Genauigkeit hergestellt werden und dadurch konstante kleine
Fehler in die Messungen einführen.
Um zu gehen, inwieweit sich die vorhandenen Beobachtungen der übrigen
mit Regenmessern versehenen Stationen in der Umgebung der Heigoländer
Bucht zu einem Gesammtbilde vereinigen lassen, stellen wir in der folgenden
Tabelle für das eine Jahr 1882 die Messungen von 4 Normal-Beobachtungs-
stationen der Seewarte (mit „D. S.“ bezeichnet), 11 Signalstellen derselben
(„Sign.“), dem Regenmesser der Seewarte auf Helgoland, 10 Stationen des
Preufsischen Instituts („Pr.I.“) und 1 forstlich-meteorologischen Station („F.5St.“)
aus diesem Gebiete zusammen.