Regenmenge in der Helgoländer Bucht.
Hofe steht, die Häuser und Bäume den Regenmesser bei starkem Winde allzu-
sehr beschirmt haben dürften.
Viel seltener, als zu geringe, werden fehlerhaft grofse Regenmengen
gewonnen; denn es gehört schon ein bedeutendes Mafs von Unaufmerksamkeit
dazu, um den Regenmesser wirklich unter die Traufe zu stellen, und zufällige
Skalenfehler oder mifsverständliche Notirung, welche auch bei den zu geringen
Resultaten nicht selten die Schuld haben, sind hier gewöhnlich die Ursache.
Diejenige unter den genannten Fehlerquellen, welche am leichtesten auch
bei sorgfältig verwalteten Stationen sich einstellt und deren richtige Auffassung
erst sehr neuen Datums ist, ist die Verkleinerung der zur Sammlung gelaugenden
Niederschlagsmenge durch den Wind. Von den verschiedenen Untersuchungs-
reihen über diese Frage wollen wir hier nur eine kürzlich auf der Normal-Beob-
achtungs-Station der Seewarte in Kiel begonnene anführen, deren erste Resultate
uns soeben von deren Leiter, Herrn Dr. E. Lamp, mitgetheilt werden. Um
zu prüfen, ob die stets geringere Regenmenge, welche die Station gegenüber
jener des Physikalischen Instituts in der Stadt ergiebt, von der freien und
hohen Lage der Sternwarte herrührt, stellte derselbe den zweiten (nach Gröfßse
and Form völlig gleichen) Regenmesser der Station noch freier, oben auf dem
Anemometerthurm, auf und erhielt dabei folgende Resultate für zwei tägliche
Ablesungen um 8 Uhr Morgens und Abends:
Station (Sternwarte)
47 m über der See,
Mai 1885 2m über dem Boden
SEE —_—“ AO
. 8% a.m. 8% p.m. Summe
ij. Dekade . . . 113 21,9 33,2
2, Dekade . , : 17 13,6 15,3
3. Dekade , . . 1837 15,6 29,3
Monatssummen, . 26,7 511 778
Anemometerthurm
62 m über der See,
17m über dem Boden
8h a.m. 8b p.m. Summe
10,8 15,7 26,5
05 8,0 8,5
10,4 10,4 20,8
21,7 34,1 55,8
Der Regenmesser auf dem Thurm gab also kaum 72° 0 von jenem in
der Nähe des Erdbodens; was aber besonders interessant dabei ist, dafs der
Unterschied bei Nacht, der geringeren Windstärke entsprechend, viel geringer
ist (81: 100), als am Tage (66: 100). Zur Aufhebung dieser störenden Wirkung
des Windes hat der Amerikaner Nipher vorgeschlagen, den Regenmesser, wenn
man genöthigt ist, ihn an sehr exponirten Orten (z. B. auf dem Dach) aufzu-
stellen, mit einem Schutztrichter zu umgeben, und Herr Prof, Börnstein hat
kürzlich (Meteor, Zeitschr. 1884 Okt.) gezeigt, dafs ein solcher Schutztrichter
sehr gute Dienste thut; dafs derselbe jedoch die störende Wirkung einer solchen
Aufstellung nicht aufheben kann, ist klar, wenn man beachtet, wie bei starkem
Winde Schneeflocken und selbst Regentropfen an Gebäuden aufwärts getrieben
werden; und in der That zeigt auch der auf dem Dache des Seewartegebäudes
in Hamburg aufgestellte . selbstregistrirende Regenmesser, der mit solchem
Schutztrichter versehen ist, trotzdem durchschnittlich nur 70 Procent von der
Regenmenge, welche der im Garten 1'/zm über dem Boden befindliche angiebt,
obwohl er im Winter durch einen Mantel wärmerer Luft über dem Gefrierpunkt
gehalten wird und also der hineinfallende Schnee klebt und schmilzt.
Dafs die Höhe des Regenmessers nur von. mittelbarer Wirkung ist, zeigt
sich daraus, dafs es nach den Versuchen in England ziemlich gleichgültig ist,
ob der Regenmesser 60’ oder 260‘ über dem Boden aufgestellt ist. An sechs
Stationen, wo der obere Regenmesser 150‘ bis 260‘ über dem unteren aufgestellt
war, ergab er durchschnittlich 65% der Regenmenge am Grunde, an sieben
Stationen, wo er 67‘ bis 112‘ über dem unteren sich befand, durchschnittlich
61 %, in beiden Fällen schwanken die Zahlen, je nach der Exposition, zwischen
40 und 90 %90.
Die ungeheuren Regenmengen, welche von Helgoland die gemeinsame
Station der Kieler Ministerialkommission zur Erforschung der Deutschen Meere
and des Preufsischen Meteorologischen Instituts fortdauernd lieferte, und welche
die Seewarte aus den Publikationen der ersteren auch in ihre monatlichen
Uebersichten der Witterung übernahm, veranlafsten die Direktion zunächst, im
August 1879 einen Beamten der Seewarte zur Prüfung der auf der Station und