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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Regenmenge in der Helgoländer Bucht. 
Hofe steht, die Häuser und Bäume den Regenmesser bei starkem Winde allzu- 
sehr beschirmt haben dürften. 
Viel seltener, als zu geringe, werden fehlerhaft grofse Regenmengen 
gewonnen; denn es gehört schon ein bedeutendes Mafs von Unaufmerksamkeit 
dazu, um den Regenmesser wirklich unter die Traufe zu stellen, und zufällige 
Skalenfehler oder mifsverständliche Notirung, welche auch bei den zu geringen 
Resultaten nicht selten die Schuld haben, sind hier gewöhnlich die Ursache. 
Diejenige unter den genannten Fehlerquellen, welche am leichtesten auch 
bei sorgfältig verwalteten Stationen sich einstellt und deren richtige Auffassung 
erst sehr neuen Datums ist, ist die Verkleinerung der zur Sammlung gelaugenden 
Niederschlagsmenge durch den Wind. Von den verschiedenen Untersuchungs- 
reihen über diese Frage wollen wir hier nur eine kürzlich auf der Normal-Beob- 
achtungs-Station der Seewarte in Kiel begonnene anführen, deren erste Resultate 
uns soeben von deren Leiter, Herrn Dr. E. Lamp, mitgetheilt werden. Um 
zu prüfen, ob die stets geringere Regenmenge, welche die Station gegenüber 
jener des Physikalischen Instituts in der Stadt ergiebt, von der freien und 
hohen Lage der Sternwarte herrührt, stellte derselbe den zweiten (nach Gröfßse 
and Form völlig gleichen) Regenmesser der Station noch freier, oben auf dem 
Anemometerthurm, auf und erhielt dabei folgende Resultate für zwei tägliche 
Ablesungen um 8 Uhr Morgens und Abends: 
Station (Sternwarte) 
47 m über der See, 
Mai 1885 2m über dem Boden 
SEE —_—“ AO 
. 8% a.m. 8% p.m. Summe 
ij. Dekade . . . 113 21,9 33,2 
2, Dekade . , : 17 13,6 15,3 
3. Dekade , . . 1837 15,6 29,3 
Monatssummen, . 26,7 511 778 
Anemometerthurm 
62 m über der See, 
17m über dem Boden 
8h a.m. 8b p.m. Summe 
10,8 15,7 26,5 
05 8,0 8,5 
10,4 10,4 20,8 
21,7 34,1 55,8 
Der Regenmesser auf dem Thurm gab also kaum 72° 0 von jenem in 
der Nähe des Erdbodens; was aber besonders interessant dabei ist, dafs der 
Unterschied bei Nacht, der geringeren Windstärke entsprechend, viel geringer 
ist (81: 100), als am Tage (66: 100). Zur Aufhebung dieser störenden Wirkung 
des Windes hat der Amerikaner Nipher vorgeschlagen, den Regenmesser, wenn 
man genöthigt ist, ihn an sehr exponirten Orten (z. B. auf dem Dach) aufzu- 
stellen, mit einem Schutztrichter zu umgeben, und Herr Prof, Börnstein hat 
kürzlich (Meteor, Zeitschr. 1884 Okt.) gezeigt, dafs ein solcher Schutztrichter 
sehr gute Dienste thut; dafs derselbe jedoch die störende Wirkung einer solchen 
Aufstellung nicht aufheben kann, ist klar, wenn man beachtet, wie bei starkem 
Winde Schneeflocken und selbst Regentropfen an Gebäuden aufwärts getrieben 
werden; und in der That zeigt auch der auf dem Dache des Seewartegebäudes 
in Hamburg aufgestellte . selbstregistrirende Regenmesser, der mit solchem 
Schutztrichter versehen ist, trotzdem durchschnittlich nur 70 Procent von der 
Regenmenge, welche der im Garten 1'/zm über dem Boden befindliche angiebt, 
obwohl er im Winter durch einen Mantel wärmerer Luft über dem Gefrierpunkt 
gehalten wird und also der hineinfallende Schnee klebt und schmilzt. 
Dafs die Höhe des Regenmessers nur von. mittelbarer Wirkung ist, zeigt 
sich daraus, dafs es nach den Versuchen in England ziemlich gleichgültig ist, 
ob der Regenmesser 60’ oder 260‘ über dem Boden aufgestellt ist. An sechs 
Stationen, wo der obere Regenmesser 150‘ bis 260‘ über dem unteren aufgestellt 
war, ergab er durchschnittlich 65% der Regenmenge am Grunde, an sieben 
Stationen, wo er 67‘ bis 112‘ über dem unteren sich befand, durchschnittlich 
61 %, in beiden Fällen schwanken die Zahlen, je nach der Exposition, zwischen 
40 und 90 %90. 
Die ungeheuren Regenmengen, welche von Helgoland die gemeinsame 
Station der Kieler Ministerialkommission zur Erforschung der Deutschen Meere 
and des Preufsischen Meteorologischen Instituts fortdauernd lieferte, und welche 
die Seewarte aus den Publikationen der ersteren auch in ihre monatlichen 
Uebersichten der Witterung übernahm, veranlafsten die Direktion zunächst, im 
August 1879 einen Beamten der Seewarte zur Prüfung der auf der Station und
	        
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