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Regenmenge in der Helgoländer Bucht,
Während unseres Aufenthalts in Corinto, der vom 16. Juli bis zum
9. August dauerte, hatten wir Nachts meistens leichte Landbriese. Von 6 Uhr
Morgens bis Mittag war es gewöhnlich fast windstill. Alsdann folgte leichte
Briese aus S bis SW, die aber nur bis 5 Uhr Nachmittags anhielt, worauf von
Neuem die Landbriese einsetzte. Obschon unser Aufenthalt in die Regenzeit
fiel, waren Regenschauer doch nur selten. Von Krankheiten blieben wir ziem-
lich verschont. Es kamen zwar Fieberfälle vor, auch unter meiner Mannschaft,
doch gingen dieselben bei gehöriger Achtsamkeit immer rasch vorüber, ohne
dafs ich nöthig hatte, einen Arzt zu gebrauchen, noch einen Mann ins Hospital
zu schicken.
Am 9. August traten wir, mit Gelbholz beladen, unsere Rückreise nach
Europa an.
Ueber die Regenmenge in der Helgoländer Bucht und deren
jahreszeitliche Vertheilung nach den Beobachtungen der Stationen
der Deutschen Seewarte.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,
Die vorhandenen Angaben über die mittlere jährliche Regenmenge von
Stationen der Deutschen Nordseeküste und Helgoland gehen aufserordentlich
weit auseinander. So finden wir in der „Preufs. Statistik XXXXIV“ (Mon.
Mittel von 1876) für Weser-Leuchtthurm als fünfjähriges Mittel 11,559 par. Zoll
(313mm) und für Helgoland im Mittel zweier Jahre 62,095 par. Zoll (1681 mm),
also mehr als das Fünffache. Solche Gegensätze auf kleinem Raume kommen
wohl im Hochgebirge unserer Breiten oder auch zwischen der Luv- und Lee-
seite mäfsiger Höhen im Passat vor; bei so geringen Erhebungen, wie das hier
betrachtete Gebiet sie aufweist, wären dieselben indessen sogar in den Tropen
unmöglich, noch viel mehr in unserem Klima mit der unendlichen Veränderlich-
keit seiner Windrichtungen. Hat doch auch der Felsen von Helgoland nur eine
Erhebung von etwa 50m, so dafs Luft, die an demselben vom Meeresspiegel
aufsteigt, bis zum oberen Rande nur um einen halben Grad durch Ausdehnung
sich abkühlt.
In der That sind aber auch die Unterschiede zwischen den übrigen
Stationen des Gebiets weit geringer, und zeigen in derselben Publikation neun
derselben Jahresmengen zwischen 24 und 27 par. Zoll (65—73 cm), während
allerdings Altona mit 23,5 (636 mm), Westerland auf Sylt mit 21,4 (579 mm)
und Wilhelmshaven mit 19,6 Zoll (530 mm) weiter darunter zurückbleiben.
Bekanntlich werden bei einer Aufstellung des Regenmessers in bedeutender
Höhe über dem Boden zu geringe Mengen erhalten, und ist es aufßser Zweifel
gesetzt, dafs der Grund hiervon im stärkeren Winde zu suchen ist, welcher den
Regen — und noch mehr den Schnee — verhindert, in den Regenmesser zu
fallen; zuweilen, aber seltener, ist der entgegengesetzte Uebelstand da, und
steht der Regenmesser so geschützt, dafs schräg fallender Regen von demselben
abgehalten wird. Obwohl uns die Aufstellung der Regenmesser an den frag-
lichen älteren Stationen — mit Ausnahme von Helgoland und Hamburg —
unbekannt ist, so ist sicher, dafs eine dieser Ursachen oder beide auf dem
Weser-Leuchtthurm vorliegen mufsten, weil bei dem isolirt aus dem Meere auf-
steigenden Thurm kein passender Platz für die Aufstellung eines Regenmessers
zu finden ist. Bei der so sehr exponirten Lage von Westerland und Wilhelms-
haven mag ebenfalls das Hinauswehen durch Wind das zu geringe Ergebnifs
jener Jahre bedingt haben, während in Altona, wo der Rerenmesser in einem