Reiseberichte S. M. Freg. „Niobe“.
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Der Kurs von Lowestoft auf Feuerschiff „Kentish Knock“ war mit Rück-
sicht auf die in der Br. Adm.-Karte 1610 (III: 65) eingezeichneten Strompfeile
1/3 Strich südlicher gesetzt, und doch wurde beim Insichtkommen des Feuer-
schiffes „Shipwash“ eine westliche Strömung bemerkt. Obgleich der Kurs dem-
entsprechend ein Strich südlicher gesetzt war, kam Feuerschiff „Long Sand Head“
doch an B-B. in Sicht, .
Die Passage vor der Themse-Mündung ist in Hinsicht der Stromverhält-
nisse die gefährlichste, da hier Fluth wie Ebbe senkrecht zum Kurs setzen.
Auf Newarp Ridge steht eine sehr hohe, wild durcheinander laufende
Stromkabbelung, und sollte man nicht allein dieserhalb, sondern weil der Strom
hier stark nach den fachen Stellen zu setzt, die Passage über den nördlichen
Theil des Rückens vermeiden und westlich von sämmtlichen Seezeichen bleiben.
6. Strömung im Englischen Kanal.
Im Englischen Kanal wurden die Gezeitenströmungen in Uebereinstimmung
mit den Karten der Gezeiten-Tafeln für 1885 gefunden.
In zwei Seemeilen Entfernung von der Spitze St. Katherine wurden starke
Stromkabbelungen passirt.
7. Witterungsverhältnisse.
Während des Aufenthaltes S. M. Freg. „Niobe“ in Karlskrona war der
Wind vorherrschend östlich, in Stärke von 3—5, bei hohem (767 mm) Barometer-
stande und klarem schönem Wetter. In der Nacht vom 29. zum 30, Juni
waren starke Gewitter mit um 16 Strich umspringenden Winden. Das Baro-
meter, welches schon im Laufe des 29. Juni von 766,0 auf 760,4mm gefallen
war, fiel weiter bis 756,5mm; am 1. Juli setzte gegen Mitternacht WNW-Wind
ein, der im Laufe des Tages auf WSW, Abends jedoch wieder auf WNW
zurückging. Auf der Reise nach Arendal hatte S. M. Freg. „Niobe“. bei hohem
Barometerstand (770mm) schwache westliche Winde bei klarem oder leicht be-
wölktem Himmel. Nachdem Skagen passirt, fiel das Barometer allmählich auf
765,0mm, hielt sich jedoch in dieser Höhe während des Aufenthaltes des
Schiffes in Arendal bei klarem warmem Wetter und westlichen Winden. In
der Nacht vom 11. zum 12. Juni traten schwere Gewitter auf, mit heftigen
Regengüssen, welche auch am 12. Juni noch anhielten.
Auf der Reise nach Leith herrschte unter der Norwegischen Küste
WNW—WSW-Wind, in Stärke 4—5, bei meist bezogenem Himmel und steigen-
dem Barometer. Auf der Höhe von Lister ging der Wind am 15. Juni auf
SSW, Stärke 5, mit Regenböen bei stark, bis 765,5mm fallendem Barometer
und westsüdwestlicher Dünung. Am 17. ging der Wind auf WSW, dann, nach
Stille, auf NE und NNW, schliefslich bei immer fallendem Barometer (bis auf
753,0mm) auf E, Stärke 1, mit Regen, und wieder zurück auf NNW mit
Nebel, bis er endlich in der Nähe der Schottischen Küste bei steigendem Baro-
meter am 19. auf SE ging.
Während des Aufenthaltes S. M. S. „Niobe“ auf der Rhede von Leith
herrschte Nord- bis Ostwind, in Stärke 3, bei einem Barometerstande von
770,0mm vor; die Temperatur war wie vorher auf der Ueberreise eine niedrige.
Zeitweilig regnete es, meist herrschte Nebel und unsichtiges Wetter. Auf der
Reise von Leith nach Plymouth wurden bei hohem Barometerstande (775,0 mm)
Winde aus ENE-—ESE, in Stärke 1—3, und Stillen mit schönem, theilweise
warmem Wetter angetroffen, bis bei Flamborough Head hei fallendem Barometer
(765,0mm) NNE- und dann NE-Wind einsetzte. Das Wetter war klar und schön,
aber kühl. ;
Im Kanal war das Wetter aufserordentlich klar, bei E- und NE-Wind,
Stärke 5.