Reiseberichte S. M. Freg. „Niobe“.
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N22°W 1 Sm p. h, was mit den Angaben des „Segelhandbuchs für die Nord-
aee“, Heft I, Seite 2, übereinstimmt. >
2. Strömung an der Norwegischen Süd- und SO-Küste.
Ueber die Strömung an der Küste Norwegens wurde von dem Deutschen
Konsul Eyde in Arendal, dem eine langjährige praktische Erfahrung zur Seite
steht, in theilweiser Uebereinstimmung mit dem „Segelhandbuch für die Nordsee“
Folgendes in Erfahrung gebracht: .
Bei anhaltendem südwest- und westlichem Winde staut sich das Wasser
an der Norwegischen Süd- und SO-Küste an; es entsteht Hochwasser, welches
gegen den Wind in westlicher Richtung Abflufs findet. Zwischen Langören und
Christiansand setzt die Strömung unter einem Winkel von ca 45° gegen die
Küste; dies ist namentlich bei unsichtigem Wetter sehr gefährlich, da man sich
unter solchen Umständen stets näher dem Lande befindet, als man schätzt.
Der Strom erreicht eine Geschwindigkeit bis zu 3 Kn und ist in einer Ent-
fernung von 4 bis 16 Sm von der Küste am stärksten, näher unter Land
schwächer. Wenn lango Zeit östliche Winde wehen, wird der Strom schwächer,
ebenso bei südlichen Stürmen. Schiffe, die mit östlichem Wind von der Nordsee
kommen, sollten stets unter der Jütischen Küste aufkreuzen, nie aber nordwest-
lich von Lindesnaes Land machen, um ‚unter der Norwegischen Küste auf-
zukreuzen. ;
Beim Aufkreuzen längs der Norwegischen Küste von Kjeholmen bis Lister
Fjord fand S. M. Freg. „Niobe“ folgende Stromverhältnisse:
Kieholmen— Torungen W!S, 2 Kn
Torungen— Ryvingen .S42° W, 1,0 ,
Ryvingen— Lister N48° W, 0,4 „
Die Dünung unter der Küste war meist sehr beträchtlich; aus ihrer
Richtung gegen den Westwind konnte man das Laufen der Strömung erkennen,
3. Strom in der Nordsee und dem Firth of Forth,
Zwischen 57° 52‘ N-Br, 2° 21‘ O-Lg und 56° 16‘ N-Br, ‚2° 17‘ W-Lg
wurde ein nach SSW und SW setzender Strom mit 0,4—0,9 Kn Geschwindig-
keit beobachtet.
Beim Einsegeln in den Firth of Forth war in Leith um 7* 30” a. m.
Hochwasser und um 1* 45” p. m. Niedrigwasser.
Es wurde beobachtet
gb May Island W*/4S, 17 Sm
10% 45” > W548, 13 }
12% % W*/8S, 95 } l
ah 5m ” N, 01
Nach dem Passiren von May Island setzte der Fluthstrom bis zur Rhede
stündlich 1,2 Sm. Beim Auskreuzen wurde die Sırömung in der ganzen Breite
des Firth of Forth gleichmäfsig gefunden, nördlich und südlich von Inch Keüh
in den Engen am stärksten. Die Fluth setzte 40 Minuten nach Niedrigwasser
zu Leith ein, als sich das Schiff 0'/2S 4 Sm von May Island befand.
Auf Leith-Rhede zeigte sich in der Zeit zwischen dem ersten Viertel und
Vollmond eine tägliche Zunahme der Gezeitengeschwindigkeit von 0,7—1,7 Kn.
Die Ebbe setzte öfter unregelmäfsig ein.
4. Einsegelung durch den South Channel.
Die im „North Sea Pilot“ für den South Channel gegebenen Segel-
anweisungen können den Eindruck hervorrufen, als sei die Einsegelung durch
diesen Kanal mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft. Dies ist thatsächlich
nicht der Fall, da das Fahrwasser genügend durch Seezeichen gekennzeichnet
ist. und der Strom in der Richtung desselben setzt, da ferner Inch Keith und
die weiter einwärts liegende Insel Mickry selbst bei unsichtigem Wetter eher
zu sehen sind, als die für das Passiren der Mittel-Bank gegebenen Marken in
Edinburgh und Leith. Durch Peilung von Mickry Island kann man sich frei
von der 3 Fad.- (5,5 m-) Stelle auf der Rhede halten. Zum Einkreuzen ist der
Südkanal allerdings zu eng.
Ann. d. Hydr. ete.. 1885. Haft X.