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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Vertheilung der Winde am Schwarzen und Azow’schen Meere, 555 
die Größe der Resultante (ungefähr 56) beweist, dafs man Winden aus anderen 
Richtungen sehr selten begegnet. 
Die oberen Luftströmungen über den Küsten des Schwarzen und 
Azow’schen Meeres zeigen an jedem Punkte eine gröflsere oder geringere 
Ablenkung, welche von den örtlichen Verhältnissen abhängig ist. An einzelnen 
Punkten wirken diese letzteren ebenso wie die Hauptkraft, und dann wird die 
Richtung des vorherrschenden Windes gelten gestört, an anderen Plätzen wirken 
dagegen die lokalen Verhältnisse der Hauptursache der atmosphärischen Strömung 
mehr oder weniger entgegen, und dann kann die Richtung des vorherrschenden 
Windes, welche aus zwei unter einem Winkel oder gerade entgegengesetzt 
wirkenden Kräften resultirt, zuweilen bedeutend von der Hauptrichtung der 
atmosphärischen Strömung abweichen. Solche Abweichungen machen sich be- 
merkbar an den Stationen der südlichen Krim, besonders im Frühjahr, wahr- 
scheinlich infolge des nahe liegenden Gebirgskammes. Im Frühjahr erwärmt 
sich die Luft über dem Gebirge nicht so schnell, als unten an der Meeresküste, 
und deshalb entsteht über letzterer ein aufsteigender Luftstrom; die verhältnifs- 
mäfsig kalte Luft aber fliefst gleichzeitig sowohl von den Bergen als vom 
Meere her der Küste zu; durch das Zusammentreffen dieser beiden Strömungen 
entsteht an einzelnen Stellen der Küste Stille, an anderen nördlicher (vom 
Gebirge) oder südlicher (vom Meere) Wind, je nach der Höhe des Punktes 
über der Meeresoberfläche. Je höher der Ort über dem Meeresnivenu, desto 
wahrscheinlicher wird das Ueberwiegen des Nordwindes, weil mit der Ent- 
fernung von demselben die Seebriese abnimmt. So kommen in Jalta, das nicht 
sehr hoch liegt, am meisten Stillen vor (70 % 0), oder wenn Wind ist, so ist der 
Seewind der vorherrschende. In Aitodor, welches doppelt so hoch als Jalta 
liegt, überwiegen entschieden die Gebirgs- d. h. nördlichen Winde, obgleich 
auch Stillen nicht selten sind. 
Die Windrichtung zu den verschiedenen Tageszeiten. Gleich 
wie unter dem Einflufs der jährlichen Bewegung der Sonne die Winde an der 
Küste in der kalten und warmen Jahreszeit wechseln, so tritt auch infolge der 
täglichen Bewegung der Sonne ein täglicher Austausch der Luftmassen vom 
Festlande und dem Meere ein. In der Nacht weht wegen der verhältnifsmäfsig 
größeren Abkühlung des Laudes der Wind von der Küste, am Tage dagegen, 
wenn die Temperatur über dem Meere niedriger ist, als auf dem Lande, vom 
Meere her. Aehnliche Land- und Seewinde treten an der ganzen Küste der im 
Süden Russlands liegenden Meeresbecken auf; an vielen Orten der Krim und 
an der Kaukasischen Küste haben sie im Verlauf des ganzen Jahres einen 
regelmäfsigen Charakter (Karte II—V), an den übrigen Plätzen nur im Sommer 
und während eines Theils des Frühjahrs; an den SW- Küsten erscheinen sie im 
April und hören im September schon wieder auf, im Azow’schen Meere dagegen 
bleiben sie.von Mai bis August. In der Strafßse von Kertsch können die Winde 
infolge des Einflusses zweier‘ Meere, des Schwarzen und Azow’schen, keinen 
ausgeprägten Charakter tragen, aber doch beobachtet man auch hier im Sommer 
Morgens und Abends mehr Landwind (NW), um 1% Mittags Seewind (NE). 
Die Regelmäfsigkeit der Winde hängt augenscheinlich an jedem . einzelnen 
Punkte von der topographischen Eigenthümlichkeit desselben ab. . Die durch 
die lokalen Einflüsse hervorgerufene Veränderung der Winde ist hauptsächlich 
in Aitodor bemerkbar. Die Abweichung des Morgen- und Abendwindes von 
der Tagesrichtung beträgt hier im Sommer nicht mehr ais 2 Strich; im Juli 
erreicht dieselbe allerdings 8 Strich, da aber die Windresultante um 1* Mittags 
sehr gering ist, mul diese Angabe als wenig zuverlässig gelten. Die Tabelle 
zeigt, dafs im Juli um 1" Mittags die Zahl der SW-Winde den NE-Winden 
gleich ist; da zu dieser Zeit in Aitodor nur NE-, SW-Winde und Stillen beob- 
achtet sind, so kann der mittleren, nach der Lambert’schen Formel berechneten 
Windrichtung keine: grofse Bedeutung beigelegt werden. Die gleiche Anzahl 
NE- und SW-Winde bei einer verhältnifsmäfsig grofsen Menge Stillen erklärt 
sich durch die Nähe des Gebirgsrückens in ähnlicher Weise, wie eben aus- 
einandergesetzt ist; es kommt noch hinzu, dafs um 1° im Juli die Seebriese 
wahrscheinlich eine größere Höhe erreicht, als zu einer anderen Jahreszeit, 
und zu derselben Zeit der Gebirgswind eine geringere Stärke hat und daher 
Jeichter durch den Seewind verdrängt wird.
	        
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