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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Vertheilung der Winde am Schwarzen und Azow’schen Meere. 
Abweichungen der Windresultante für den Winter und den Sommer, also die- 
jenigen Jahreszeiten dargestellt sind, in welchen die Lufttemperatur über dem 
Wasser und dem Lande am verschiedensten sind; die Pfeile für den Winter 
sind vom Lande nach dem Meere gerichtet, die für den Sommer umgekehrt. 
Nach den monatlichen Isobarenkarten von Rykatschew stehen die nördlichen 
Küsten des Schwarzen und Azow’schen Meeres den gröfsten Theil des Jahres 
auch unter dem Einfluls von Anticeyklonen, welche in Mittel-Europa und an 
zerschiedenen Plätzen Russlands herrschen. So zeigt sich im Juni ein baro- 
metrisches Maximum über Deutschland, dessen Gebiet, sich allmählich nach 
Osten erstreckend, im August schon einen grofsen Theil Russlands einnimmt; 
von September an nähert sich dieses Maximum dem südöstlichen Russland, wo 
es den ganzen Winter bleibt, erst im April etwas abnehmend., Uebereinstimmend 
mit dieser Lage des barometrischen Maximums über den nördlichen Küsten des 
Schwarzen Meeres und zum Theil über dem Azow’schen Meere, entsteht im 
Sommer eine nordwestliche Luftströmung, welche unter dem Einflufs des Meeres 
an den östlich von diesen gelegenen Orten sich nach Westen neigt, an den 
westlich gelegenen Plätzen nach Norden. Von September bis März erregt das 
barometrische Maximum des südöstlichen Russland an den vorgenannten Küsten 
östliche Winde, welche unter dem Einflufs des Meeres an vielen Orten nach 
Norden neigen. Am stärksten wirkt dieses Maximum im Herbst und der Mitte 
des Winters, und wir sahen eben, dafs nur zu dieser Zeit die östlichen Winde 
ein bedeutendes Uebergewicht über die westlichen erlangen. Im Dezember wird 
das Gebiet des Maximums etwas kleiner, und die ganze Nordküste des Schwarzen 
Meeres geräth zwischen zwei Cyklonen, von denen das Centrum der einen in 
Nordrussland, das der anderen auf der Balkanhalbinsel liegt. Unter dem Ein- 
Aufs der ersteren herrschen an den Küsten des Schwarzen und Azow’schen 
Meeres nicht selten Westwinde, und daraus erhellt auch die bedeutende Ab- 
nahme der Ostwinde im Dezember, Im April und besonders im Mai hat der 
Zustand der Atmosphäre einen nicht so scharf ausgeprägten Charakter, wie in 
der übrigen Jahreszeit. Wenngleich das barometrische Maximum sich im April 
noch über das südöstliche Russland erstreckt, so ist es doch sehr schwach, 
and sein Einflufs auf das Schwarze Meer mufs, besonders im südwestlichen 
Theile, nach der grofsen Entfernung zwischen den Isobaren zu urtheilen, un- 
bedeutend sein; im Mai verschwindet das Maximum ganz. Indessen zeigen zu 
derselben Zeit die Isothermen ein Minimum der Temperatur, und deshalb 
oxistirt wahrscheinlich auch ein Maximum des Druckes, zuerst im nordwestlichen 
Theil des Meeres, dann über dem ganzen Schwarzen Meere. Unter diesem Ein- 
Ausse strömt die Luft vom Meere nach dem Lande, und deshalb entstehen an 
der ganzen Nordküste Südwinde. Im Azow’schen Meere macht sich im April 
schon der Einflufs des barometrischen Maximums des südöstlichen Russlands 
‘ühlbar, und die vorherrschenden Winde wehen dort mehr aus Osten; im Mai 
dagegen, wenn das Maximum verschwindet, herrschen auch im Azow’schen 
Meere Südwinde. 
An der Kaukasischen Küste resultiren die von September bis März vor- 
herrschenden östlichen Winde aus dem niedrigen Luftdruck über dem Meere, 
der Antieyklone im südöstlichen Russland und theilweise aus der Bildung 
lokaler barometrischer Maxima über dem Kaukasus. Endlich ist das Minimum 
der Temperatur über dem Meere von Mai bis August die Ursache der herr- 
schenden SW-Winde an der Küste des Kaukasus, der NW-Winde an derjenigen 
Anatoliens, 
In Constantinopel herrscht, wie aus der Tabelle zu ersehen, das ganze 
Jahr NE-Wind; diese Beständigkeit der Windrichtung ist dem Einflufs zweier 
Wasserbassins zuzuschreiben, dem Schwarzen und Mittelländischen Meere, von 
denen das letztere gröfsere und wärmere stets die Luft aus NE an sich zieht. 
{m Winter, wenn infolge des geringen Druckes über dem Schwarzen Meere die 
Luft von allen umliegenden Orten demselben zuströmt, sind auch die Winde 
bei Constantinopel dem Zug unterworfen, und, nach links neigend, haben sie 
vorzugsweise eine Nordrichtung; dann ist die Anzahl der NE-Winde fast gleich 
derjenigen der NW-Winde, so dafs die Resultante sehr klein wird. Im Sommer 
kommen die Winde in Constantinopel infolge des barometrischen Maximums 
über dem Schwarzen Meere hauptsächlich von diesem her, d. h. aus NE, und
	        
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