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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Vertheilung der Winde am Schwarzen und Azow’schen Meere, 
Wenngleich die Anwendung für dieses Gebiet ganz passend sein mag, da der 
Schlufs von Wesselowski auf Beobachtungen in St, Petersburg basirt, wo die 
Abweichungen der Windrichtungen zu den verschiedenen Tageszeiten von der 
mittleren 49° nicht überschreiten, so läfst sie sich auf die Region des Schwarzen 
und Azow’schen Meeres nicht ohne Bedenken ausdehnen, da hier die Wind- 
richtungen um 7* a. m. und 9" p.m. derjenigen um 1* Mittags oft gerade ent- 
yegengesetzt sind. So beträgt z. B. in Sotscha und Suchum, wo die Winde 
einen ziemlich beständigen regelmäfsigen Charakter haben, die Abweichung des 
Windes um 7* a.m. und 9% p.m. von derjenigen um 1* p.m. im Mittel von 
April bis September: 
in Sotscha . . . 
in Suchum . 
72 a. m, 9 p.m. 
152° 147° 
174° 169° 
Für die einzelnen Sommermonate sind diese Abweichungen auch be- 
deutend; so beträgt sie im Juli: 
7 a. m. 9 p.m. 
in Sotscha . . . 158° 168° 
in Suchum . . . 148° 170° 
Die Gröfse der Windresultante um 7" a. m. (Sotscha 61,4, Suchum 46,5), 
um 1° p. m, (Sotscha 55,1, Suchum 54,0) und um 9* p. m. (Sotscha 62,0, Suchum 
410,7) beweist, dafs diese Unterschiede nicht zufällige, sondern ständige sind. 
Auf diese Weise giebt das einfache Mittel aus den Beobachtungen der 
drei angeführten Zeiten nahezu die Windrichtung um 7% a. m. und 9 p.m,, 
während vielleicht die wirkliche Tages-Windrichtung derjenigen um 1® näher 
kommt. So mufs z.B. in Suchum im Sommer die mittlere tägliche Windrichtung 
nahezu SW sein, d. bh. Seewind herrschen, da zu dieser Zeit über dem Meere 
ein Minimum der Temperatur liegt; das Mittel aus den Beobachtungen von 7*, 
1 und 9* ergiebt aber eine NEliche Richtung. Wenn man dagegen 1® p. m. 
nur mit 7° p.m. oder nur mit 9* p. m. verbindet, so resultirt die Windrichtung 
SW, welche mit der derzeitigen Temperaturvertheilung im Einklang steht. Für 
die Stationen, wo regelmäfsige Winde vorherrschen, erhält man hiernach der 
Wirklichkeit entsprechende Resultate, wenn ınan die Beobachtungen um 1 p. m. 
mit denen einer der Nachtbriese nahe liegenden Zeit verbindet. Da bei den 
meisten Stationen am Schwarzen Meere 7° a.m. und 9* p. m. der Nachtbriese 
durchschnittlich gleich nahe liegen, so ist das Mittel aus den Beobachtungen 
dieser beiden Zeiten mit derjenigen um 1%* Mittags kombinirt. Dies Verfahren 
vechtfertigt sich schon durch die Thatsache, dafs der Wind um 1* viel kräftiger 
ist, als um 7" a, m. und 9 p.m.; deshalb mufs den Beobachtungen um 1* ein 
größserer Werth beigelegt werden, als den Beobachtungen Morgens und Abends. 
Die Resultate sind demnach gewonnen aus der Kombination 
Ta. 
m. + 2> ”p.m. + 
‚+ 9 p.m. 
Die nach 16 oder 32 Kompafsstrichen angegebenen Windrichtungen 
wurden nach den 8 Hauptstrichen geordnet. Die Zahl der Winde ist in Pro- 
centen ausgedrückt, 
Zur Berechnung der mittleren Windrichtung und der Gröfse der Resultante 
wurde die Lambert’sche Formel angewandt und angenommen, dafs im Mittel 
jer Wind aus jeder Richtung mit einer mittleren Stärke geweht hat. Die nach 
den 8 Hauptstrichen geordneten Zahlen, welche (in Procenten) die Häufigkeit 
der einzelnen Winde angeben, sind in die Hauptkomponenten nach Nord und 
Ost zerlegt, die Summe aller Nord-Komponenten giebt die Gesammtkomponente 
A, die Summe aller Ost-Komponenten die Gesammtkomponente B; aus diesen 
beiden ist die Resultante R und der die mittlere Windrichtung repräsentirende 
Winkel @ berechnet. Hiernach ist die Tabelle II, welche diese Angaben für 
die vier Jahreszeiten und für das Jahr enthält, verständlich. Tabelle III giebt 
die Abweichung der Windrichtung im Sommer und Winter von der mittleren 
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Jahres-Windrichtung; dieselbe ist berechnet nach der Formel tang # = ET
	        
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