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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Ann, d. Hydr. ete., Jahrg. XII. (1885), Heft X. 
54' 
7, 
Die Vertheilung der Winde am Schwarzen und Azow’schen Meere. 
; (Hierzu Tafel 15.) 
Ueber die Luftströmungen und die Windvertheilung am Schwarzen und 
Azow’schen Meere ist bisher noch wenig bekannt geworden; der Grund, daß 
diese für die Schiffahrt und Klimatologie gleich wichtige Frage noch keiner 
eingehenderen Erörterung unterworfen worden, ist wohl hauptsächlich in dem 
Mangel an  Beobachtungsmaterial zu suchen. Die kurzen, in dem Werke 
Wesselowski's „Ueber das Klima Russlands“ enthaltenen Angaben stützen 
sich nur auf die Beobachtungen an 4 bis 5 Punkten und sind daher wenig 
zuverlässig. Eine Arbeit von Herrn W. Köppen, jetzigem Meteorologen der 
Seewarte in Hamburg, „Ueber die Wind- und Regenverhältnisse Tauriens“, 
behandelt nur die Winde in der Krim, also nur eines kleinen Theiles der Küste 
des Schwarzen Meeres. Nachdem in den letzten Jahren die Beobachtungs- 
stationen an jenen Küsten bedeutend vermehrt sind, ist von der Abtheilung 
für maritime Meteorologie des dortigen Haupt-Observatoriums das gesammte vor- 
liegende Material, wie es in den Archiven und den Annalen des Observatoriums 
enthalten und durch die auf den Leuchtthürmen angestellten und von dem 
Hydrographischen Observatorium zur Verfügung gestellten Beobachtungen ver- 
mehrt ist, bearbeitet worden. Die. Resultate theilt Herr J. Schpindler, unter 
dessen Leitung diese Arbeiten ausgeführt wurden, in dem Russischen „Morskoi 
Sbornik“ mit, und sollen sie hier in der Hauptsache zur Wiedergabe gelangen. 
Der Arbeit liegen die Beobachtungen von 37 Stationen zu Grunde, für welche 
allerdings die Beobachtungsjahre und die Anzahl der Beobachtungstage ver- 
schieden sind. An allen Stationen, mit Ausnahme von Constantinopel und Varna, 
wurden täglich dreimalige Beobachtungen angestellt, und zwar um 7" a, m,, 1* 
and 9" p.m.; wenngleich an einzelnen Punkten etwas andere Zeiten gewählt 
waren, so lagen dieselben doch den angeführten nahe, so dafs diese durch- 
yehends als die täglichen Beobachtungszeiten angesehen werden konnten. Für 
Varna und Constantinopel lagen nur einmalige Beobachtungen um 8* a. m. vor; 
für Trapezunt standen die Originalbeobachtungen nicht zur Verfügung, und 
mufsten die Daten für die.drei angeführten Zeiten aus einer allgemeinen Wind- 
tabelle entnommen werden. Zur besseren Beurtheilung des Beobachtungs- 
materials der einzelnen Stationen sind dieselben in nachfolgender Tabelle I mit 
den nöthigen Angaben zusammengestellt. 
Aus den Windtabellen der einzelnen Stationen wurde die mittlere Wind- 
richtung für den Tag, für die einzelnen Monate, die Jahreszeiten und das Jahr 
ermittelt. Um die mittlere Tages-Windrichtung zu erhalten, bedurfte es einer 
besonderen Erwägung, wie die drei täglichen Beobachtungen am zweckmäfsigsten 
zu kombiniren seien, um ein der Wirklichkeit möglichst nahe liegendes Resultat, 
d. h. ein solches, welches sich aus stündlichen Beobachtungen ergeben haben 
würde, zu erhalten. Wesselowski kommt zu dem Schlufs, dafs ein solches 
Resultat am besten. aus denjenigen Zeiten abgeleitet wird, welche auch die 
mittlere Tagestemperatur ergeben. Diesem Satzo würden die angenommenen 
drei Zeiten, 7* a. m., 1* und 9* p.m., gut entsprechen. Rykatschew verfuhr 
bei seiner Bearbeitung der Winde im Baltischen und Weifsen Meere hiernach.
	        
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