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Eingänge von meteorologischen Jonrnalen etc., Mai 1885.
später der Passat, ohne dafs von Mallung eine Spur angetroffen wurde. Die
Grenze desselben schien am 20. Mai in der Nähe von 27,2° S-Br und 159,2° O-Lg
zu liegen. Man beobachtete dort einen höchsten Barometerstand von 764,4mm.
Der anfänglich recht kräftig wehende Passat wurde unweit 18° S-Br in 156,8°
O-Lg für mehrere Tage durch Stille und leisen Zug unterbrochen, herrschte
später jedoch noch wieder frisch und beständig. Seine Stärke wurde abermals
aine geringe, nachdem 7° S-Br in 154,5° O-Lg erreicht worden war, so dafs
der von diesem Punkte ab noch vorliegende Theil der Reise bei schwacher
südöstlicher Briese vollendet werden mufste. Am 2. Juni, 18 Tage später, als
Sydney verlassen worden war, ankerte „Bessel“ auf der Rhede von Meoko. Auf
dem Wege dahin war: 30° S-Br in 160° O-Lg am 19. Mai, 25° S-Br in
158,6° O-Lg am 21. Mai, 20° S-Br in 157,1° O-Lg am 22, Mai, 15° S-Br in
157,3° O-Lg am 26. Mai und 10° S-Br in 156,4° O-Lg am 28, Mai gekreuzt
worden. Die im Passatgebiet angetroffene Strömung war fast stets eine west-
liche gewesen.
Nachdem „Bessel“ in Meoko etwa 300 Tonnen Kopra eingenommen
hatte, versuchte das Schiff, damit nach Apta zu versegeln, um dort die Ladung
zu kompletiren. Stürmische, bei stark regnerischem Wetter wehende SE-Winde
verhinderten die Abreise jedoch für solch lange Zeit, dafs noch 21 Tage im
Hafen wartend verbracht werden mufsten. Während dieser Zeit machte das
Deutsche Kanonenboot „Hydne“ zwei Mal den vergeblichen Versuch, die offene
See zu erreichen, „Bessel“ konnte erst am 9. August die Reise antreten, und
oegann man, als das Schiff sich am 12. August in 5° S-Br und 153° O-Lg be-
’and, wieder mit der Führung des meteorologischen Journals, Da Kapt. Janssen
in Meoko von mehreren Deutschen, den Südost-Pacific seit langer Zeit kennen-
den Schiffsführern der Rath ertheilt worden war, die erforderliche Länge nach
Osten im Stillengürtel nördlich vom Gebiete des SE-Passats gut zu machen,
segelte „Bessel“ bei dem zeitweise recht kräftig, meist aber nur recht schwach
vehenden SE-Passate zunächst fast stets mit St-B.-Halsen. Man gelangte dann,
nördlich von der Salomons-Gruppe entlang segelnd, bis zum 19. August in Sicht
der Lord Howe-Insel und rückte später bei dem von nun an durch häufige
Stillen unterbrochenen leichten Zuge bis zum 24. August nach 5,4° S-Br in
163,2° O-Lg vor. Von diesem Punkte ab segelte „Bessel“ meistens mit B-B.-
Halsen, konnte dabei indessen, da der SE-Wind frisch wehte und die Strö-
mung mit ziemlicher Stärke und Beständigkeit nach Westen lief, nur langsam
fortschreiten. Von 7,8° S-Br in 164° O-Lg an, wo zum letzten Malo gewendet
wurde, segelte „Bessel“ für längere Zeit ununterbrochen mit B-B.-Halsen. Der
dabei zunächst nur noch schwache Passat trat südlich von 11° S-Br recht
kräftig auf und führte die Bark bis zum 6. September nach 18,8° S-Br in
160,2° O-Lg. Von diesem Punkte aus versuchte Kapt. Janssen wieder nach
Osten zu kreuzen. Doch geschah dieses infolge des fast stürmisch wehenden
Passats mit solch gefingem Erfolge, dafs man in vier Tagen nur nach 18,7° S-Br
im 160,9° O-Lg vorrücken konnte. KEmpfehlenswerther möchte es hier wohl
gewesen sein, in einem Schlage nach Süden zu stehen und allein danach zu
streben, so bald als möglich die polare Passatgrenze zu erreichen, Da dieses
Verfahren nicht befolgt wurde, gelang es erst am 25. September, die in dor
Nähe von 26,5° S-Br und 169° O-Lg gelegene südliche Passatgrenze zu erreichen.
Als dort der Wind sich nach NE veränderte und bis zur Stille abnahm, zeigte
las Barometer auf 761,2mm, während man zwei Tage vorher einen bei 24° S-Br
und 169° O-Lg abgelesenen höchsten Stand von 768,8mm beobachtet hatte.
Bei den südlich vom Passatgebiet wehenden schwachen und unbeständigen
Westwinden verfolgte „Bessel“ einen etwas südlich von Ost gelegenen Kurs, bis
29,5° S-Br in 179° W-Lg am 30. September erreicht worden war. Als die
Bark sich am 1. Oktober in geringer Entfernung von 28,5° S-Br in 177° W-Lg
befand, wurde bei frischem SW-Winde ein nordöstlicher Kurs gesteuert. Nach-
dem man denselben einige Tage eingehalten hatte, wurde jener Wind schwach,
and schließlich nahm derselbe bis zum leisen Zuge ab, und indem dieser sich
langsam nach links weiter veränderte und auffrischte, entstand aus demselben
der SE-Passat. Bei diesem Winde wurde der letzte Theil der Reise vollendet.
Als die am 6. Oktober in der Nähe von 23° S-Br und 169,3° W-Lg liegende
polare Passatgrenze überschritten wurde, zeigte das Barometer auf einen Stand