Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Mai 1885.
Bemerkung über die von Maury so sehr gepriesenen Westwinde höherer süd-
licher Breiten, Für „Emil Julius“ hatte es wenigstens für lange Zeit hindurch
ganz den Anschein, als ob sie gar nicht vorhanden wären, KErst als man bis
zum 27. Dezember: nach 48° S-Br in 137° W-Lg vorgerückt war, stellten sich
jene lange vergeblich erwarteten, durchstehenden Westwinde ein. Die Reise
nahm dann endlich einen günstigen Verlauf. Am 11. Januar 1585, 50 Tage
nach der Abreise, überschritt die Bark die Länge des Kap Horn. Auf dem
Wege zu derselben hatte man: 40° S-Br in 157,7° O-Lg am 28. November,
50° S-Br in 170,2° O-Lg am 9. Dezember, 180° Länge in 52,1° S-Br am
13. Dezember, 150° W-Lg in 48,5° S-Br am 21. Dezember, 120° W-Lg in
51,5° S-Br am 1. Januar und 90° W-Lg in 54,6° S-Br am 7. Januar gekreuzt,
Am 3. Januar hatte die von Levuka kommende eiserne Hamburger Bark
„Levuka* die Länge des Kap Horn gekreuzt. Dieses am 12. November in See
yegangene Schiff hatte südlich von 43° S-Br nur noch für kurze Zeit wieder
Östwinde angetroffen und deshalb rascheren Fortgang erzielen können, Im
Atlantischen Ocean wurde „Zmil Julius“ von den zuletzt im Grofsen Ocean
herrschenden günstigen Westwinden nicht mehr begleitet. Man beobachtete
dort vielmehr umlaufende Winde, die oft nur schr schwach waren, und bei
denen sich kein rascher Fortschritt erzielen liefs. Erst nördlich von 48° S-Br
stellten sich wieder beständigere und frischere Westwinde ein, bei denen die
nächsten 10 Grade Breite in günstigerer Weise zurückgelegt werden konnten.
Die zwischen 35° S-Br in 31° W-Lg und 23° S-Br in 28,5° W-Lg liegende
Strecke wurde bei günstigem SE-Winde vollendet. Dagegen nahm, in Folge
der nördlich vom letzteren Punkte auftretenden schwachen, hoch nördlichen
Winde, die Reise dort wieder nur einen sehr langsamen Verlauf, Indem der
mäßige Wind sich am 7. Februar in der Nähe von 18,6° S-Br und 28° W-Lg
von NNE durch NE nach ENE veränderte, entstand aus demselben der Passat.
Als die Bark von ihm bis zum 16. Februar nach 0,7° S-Br in 28,8° W-Lg ge-
führt worden war, endete dersolbe in leichte, von Stille unterbrochene Mallung.
Bei flauem nordöstlichem Zuge ging „Zmil Julius“ am 17. Februar in 29,4°
W-Lg von südlicher in nördliche Breite über. Um die zwischen Kap Horn
und Linie liegende Strecke zu vollenden, waren 37 Tage erforderlich gewesen.
Während dieser Zeit hatte man: 50° S-Br in 49,7° W-Lg am 17. Januar, 40°
S-Br in 34,6° W-Lg am 24, Januar, 30° S-Br in 29,5° W-Lg am 30. Januar,
20° S-Br in 27° W-Lg am 6. Februar und 10° S-Br in 28,4° W-Lg am
11. Februar gekreuzt. Der Mitsegler „Levuka“ erreichte nördliche Breite in
26,8° W-Lg am 19. Februar, Die auf der Heimreise begriffene Hamburger
Bark „Panama“, welche sich beim Kap Horn am 13. Januar befunden hatte,
gelangte zum Aequator in 30,7 W-Lg am 15. Februar. Und noch ein anderer
Mitsegler, die von Puerto Oliva nach dem Kanal bestimmte eiserne Altonaer
Bark „Niagara“, die den Grofsen .Ocean am 2. Januar verlassen hatte, betrat
die nördliche Halbkugel in 28° W-Lg am 17. Februar. Am Mittage des
6. Februar, dem Tage, an welchem bei „Levuka“ und „Niagara“ der Passat
einsetzte, hatten sich: „Zmil Julius“ in 19,9° S-Br und 26,7° W-Lg, „Levuka“
in 21,1° S-Br und 15,1° W-Lg, „Panama“ in 18,2° S-Br und 31,7° W-Lg und
„Niagara“ in 18,5° S-Br und 21,9° W-Lg befunden.
Nachdem „£mil Julius“ die Linie passirt hatte, vergingen noch 2 Tage
bei leichter nordöstlicher Mallung und Stille, bevor es gelang, den am
19. Februar in 1,4° N-Br und 30,4° W-Lg einsetzenden NE-Passat wieder an-
zutreffen, Nachdem derselbe durchgekommen war, konnte das durch seinen
unreinen Boden zur langsamen Fahrt verurtheilte Schiff auch wieder etwas
rascheren Fortgang erzielen, Man traf den frischesten Wind auf der zwischen
4° und 22° N-Br liegonden Strecke an und erreichte am 4. März die in ctwa
295° N-Br und 41,8° W-Lg gelegene polare Passatgrenze. Der kurze Zeit
vorher schwach gewordene Wind ging dort, bei auf 772,0 mm gestiegenem
Barometerstande, in leisen von Stillen unterbrochenen Zug über, Später
wechselten leichte westliche Winde und Stillen für längere Zeit mit einander und
nördlich von 37° N-Br herrschten unbeständige Ostwinde vor. Diese Verhältnisse
dauerten bis zum 21. März. Als man sich an diesem Tage in der Nähe von
45° N-Br in 31° W-Lg befand, kam endlich ein durchstehender Westwind
durch, bei dem der letzte Reiseabschnitt in rascher Fahrt vollendet werden
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