Segelanweisungen für die Sulu-, Celebes- und Java-See,
Beiträge zu den Segelanweisungen für die Sulu-, Celebes- und
Java-See.
(„Hydrographie Notice“ No. 19, London 1884)
Die folgenden Anweisungen sind hauptsächlich den Vermessungsarbeiten
und Berichten des Commander F. C. P. Vereker von dem Br. Vermessungs-
schiff „Magpie“ aus dem Jahre 1883 entnommen.
f. Nordostküste von Borneo.')
1. Labuk-Bai liegt ungefähr 20 Sm nordwestwärts von Sandakan, ist
zwischen Tanjong Pundaras und Pulo Pura-pura ca 19 Sm breit und bis zum
Labuk-Flufs in der Südwest-Ecke der Bucht ca 16 Sm lang. Der nordwestliche
Theil der Bucht ist flach und von zahlreichen Sandbänken besetzt, welche die
Navigation hier selbst für Boote gefährlich machen; die SO-Seite ist tiefer und
gewährt eine Durchfahrt nach dem Flusse Labuk. Von Tanjong Niogg, einer
gut markirten Spitze, die ca 45m hoch und mit Bäumen bedeckt gerade südlich
von Pulo Pura-pura an der NW-Seite der Bucht liegt, erstreckt sich die Küste
ca 12 Sm nordwärts bis Tanjong Siasid. Sie ist mit Keulenbäumen (Kasuarinen)
bewaldet, die an manchen Stellen besondere Gruppen bilden. Die Westseite
der Bucht ist dicht bewaldet und hat sehr viele Einschnitte; die SO-Seite ist
von kleinen Inseln und Felsen in einigem Abstande von der Küste umgeben.
Ungefähr 8 Sm nordwestlich von Tanjong Niogg liegen die 198m resp. 192 m
hohen Hügel Quoin und Flat. In dem südwestlichen Theil der Bucht liegt eine
Insel-Kette, von welcher TZorongohok die nördlichste ist. Der nördliche Theil
dieser Insel ist mit ca 43m hohen Bäumen bewaldet und bildet so ein in die
Augen fallendes Objekt, wenn man sich von NO nähert, Pulo Gusong, eine
kleine nur ca 0,6 m hohe Sandinsel auf dem östlichen Saum einer in der Mitte
der Bucht sich befindenden Sandbank, ist schwer auszumachen. Gegenüber von
Tanjong Pundaras sind auch einige niedrige Inseln, und ca 4 Sm nordostwärts
liegt die 48 m hohe Insel ZLibarran und etwas westlich davon noch eine kleine
runde Insel.
Die Mündung des Flusses Labuk liegt 20 Sm südwestlich von Tanjong
Pundaras und ist 5'/2 Kabllg. breit und 9m tief, In den nordwestlichen Theil
der Bucht münden der Bongaya und noch verschiedene andere Flüsse, die aber
für den Handel ohne Bedeutung sind. Die beste Passage nach dem Flusse
Labuk führt zwischen Libarran und den niedrigen Inseln bei Tanjong Pundaras
hindurch; der nicdrigste Wasserstand ist auf der Barre zwischen Gusong-Insel
und Sungei Gum-gum an der SO-Seite der Bucht und beträgt hier bei Niedrig-
wasser Springzeit 2,7 m.
Von Osten kommend mufßs man, nachdem Gubbins-Felsen passirt ist,
Kurs ändern, um zwischen Libarran und den niedrigen Inseln bei Tanjong
Pundaras zu passiren und dabei die Felsen vermeiden, die bei dem sich
ca !/2 Sm südlich von Libarran erstreckenden Riff liegen; wenn die oben
erwähnte westlich von Libarran liegende runde Insel in Linie mit Gulisaan,
NOzO, ist, steuere man SWzW; dieser Kurs führt, indem man die beiden
Inseln sich deckend achteraus in Kiellinie hält, westlich frei von den Inseln
und Felsen bei Tanjong Pundaras und weiter über die bei Niedrigwasser 2,7 m
flachen Stellen. Wenn die Wassertiefen zunehmen, ändere man Kurs, so dafs
man Semawang-Spitze '/» Sm westlich passirt; von hier bis zu mLabuk sind
6.4 bis 9m Wasser,
Gezeiten. Die Hafenzeit ist 9" 30” während des SW-Monsuns in der
Chinesischen See; Springlluthhöhe beträgt 2,4 m, die Nippfluthhöhe 1,5m (siehe
Karte X, 123). Die beobachtete gröfste Stärke des Ebbstromes in dem Fluß
betrug 3 Ko. Frisch Wasser und Ausrüstungsgegenstände sind nicht zu
bekommen.
2. Die Küste östlich der Labuk-Bai. Von Tanjong Pundaras ver-
läuft die Küste 16 Sm SOzS bis Sandakan, und von Trusan Dooyon, der
östlichen Spitze der Einfahrt in letzteren Hafen, 0OSO ca 60 Sm bis Tanjong
Unsang; hier biegt sie allmählich nach Süden ungefähr 11 Sm bis Dent Haven.
0 Findlay’s Indian Archipelago 1878, S. 917.