Sydney- und Mary-Insel in der Phönix-Gruppe.
fertig war. Die Zeit wurde uns aber. zu knapp, heute noch zu ankern, weil
der „Rolf“ erst um 2* p. m. unter Segel ging.
Um 6r a. m. den 24. Dezember peilte die Insel S0zO mw. 8 Sm entfernt.
Es wehte ein leichter NE-Wind, und dabei setzte die Strömung stark nach SSW.
Um es zu ermöglichen, wenigstens heute zu Anker zu kommen, waren wir ge-
nöthigt, die entbehrlich gewordenen und daher abgeschlagenen Segel von Neuem
anzuschlagen. Um 9* 30” a.m. gelangten wir unter Sydney-Insel zu Anker,
Der St-B.-Anker lag auf einer Wassertiefe von 14,4 m (8 Fad.), der B-B.-Anker
auf 63m (35 Fad.).
Dieser Ankerplatz, an der NW-Spitze der Insel, auf 4° 28‘ S-Br und
171° 12‘ W-Lg, ist im Ganzen schlecht, weil der Boden sehr hart und daher
die Möglichkeit vorhanden ist, dafs bei auffrischenden östlichen Winden das
Schiff nach See treibt. Hakt der Anker oder die Kette hinter einem Stein,
oder hat ersterer ein Korallenbett gefunden, so liegt das Schiff ziemlich sicher.
Das der hiesigen Guano-Gesellschaft gehörende Dampfschiff „Zxplorer“ ver-
suchte nördlich von dem gewöhnlichen Ankerplatze zu ankern, trieb aber zwei
Mal, mit 108 m (60 Fad.) Kette aus, wieder seewärts. Später, am 15. Februar,
bis zu welchem Tage der Dampfer seit dem 1. Januar unausgesetzt vor Anker
lag — mit dem äufseren Anker auf einer Tiefe von 99m (55 Fad.) — verlor
derselbe seinen Anker mit 45 m (25 Fad.) Kette. Durch die andauernde Reibung
auf dem harten Korallengrund war die Kette an der Bruchstelle ganz dünn und
silberblank gescheuert. Nur mit genauer Noth entging der Dampfer einer
Strandung. An der Boje liegt ein Schiff von Mai bis Oktober sicher, später
aber nicht mehr,
Schiffe, die nach hier kommen, müssen vor allen Dingen mit gutem Anker-
geschirr versehen sein. Der Meeresboden fällt auf dem Ankerplatze bei Sydney-
Insel, wie schon bemerkt, steil ab, in einem höheren Grade, als dieses bei
Mary-Insel der Fall ist. Am 1. Januar lag das Schiff bei mäfsigem NW-Winde
und mit 108 m (60 Fad.) Kette aus nach dem Lande geschwait. In dieser Lage
betrug die Wassertiefe am Heck 17,1m (9,5 Fad.), am Bug 54m (30 Fad.),
während der Anker auf einer Tiefe von 63 m (35 Fad.) lag. (Die Länge meines
Schiffes beträgt 160 Fuls englisch.) Man liegt nur 2—3 Schiffslängen von der
hohen Brandung entfernt. Wenn daher bei Windstille oder einem Winde zwi-
schen NW — durch SW -— und SSE der Anker durchgehen sollte, würde das
Schiff rettungslos verloren sein. -
An der SW-Spitze der Insel habe ich einen Ankerplatz entdeckt, welcher
viel besser als derjenige an der NW-Spitze ist. In der guten Jahreszeit — von
Mai bis Dezember — ist ein Schiff hier freilich der östlichen See ausgesetzt;
allein in der schlechten Jahreszeit — Dezember bis Mai — bietet die Lage
eine bedeutend gröfsere Sicherheit, weil man bei den häufigen NW- und West-
Winden weniger Seegang hat, als auf dem Ankerplatz an der NW-Spitze.
Aufserdem ist man auf dem von mir gefundenen Ankerplatz nicht der Gefahr
ausgesetzt, bei etwaigen steifen westlichen Winden und schleppendem Anker so
leicht auf den Strand zu treiben; vielmehr hat man dann im Östen von sich den
freien Ocean. Der Ankergrund, den ich mit einem Glase untersucht habe, dessen
sich die Muschelsammler bedienen, hält besser als der an der NW-Spitze der
Insel. Vermittelst des erwähnten Glases kann man auf einer Tiefe von 25m
(14 Fad.) den Meeresboden deutlich erkennen. Bei ruhiger See sah ich auf
dem Ankerplatz im NW der Insel unseren Anker in einer Tiefe von 40m
(22 Fad.) klar liegen. Beabsichtigt man, unter der SW-Spitze von Sydney Island
zu ankern, so ist es gerathen, vorab den Platz durch eine Boje zu bezeichnen,
Mit dem einen Anker auf 14,4 bis 18,0m (8 bis 10 Fad.) und dem anderen auf
45 bis 54m (25 bis 30 Fad.) Tiefe liegt das Schiff auf. dem südwestlichen
Ankerplatz weiter vom Lande ab und daher sicherer, als auf dem nordwestlichen,
Schiffe, welche befrachtet sind, um eine Ladung Guano von einer Insel
der Phönix-Gruppe, von Baker- oder Malden Island, zu holen, sollten ja die
Jahreszeit in Betracht ziehen und sich gut mit Proviant, hauptsächlich Trink-
wasser, versehen. Das schon erwähnte Norwegische Schiff „Rolf“ hatte ver-
geblich sieben Monate gewartet, um in Malden Island eine Ladung Guano zu
erhalten. Während dieser Zeit segelte das Schiff zwei Mal nach Honolulu, um
Proviant zu nehmen, und ging schließlich, des Wartens müde, ohne Ladung
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