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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

RR 
Ansegelung und Verhältnisse in Albany. 
Regierungslotsen kommen in Ruderbooten vor dem KEingange des Hafens 
an Bord; obgleich die Einfahrt gut mit Tonnen und Pricken markirt, ist es 
des Stromes und des beschränkten Ankerraumes wegen zu empfehlen, einen 
Lotsen zu nehmen. 
Der Ankerraum für Schiffe über 6m (20 Fufßs engl.) Tiefgang ist zwar 
beschränkt, kann jedoch durch Baggerung beliebig vergröfsert werden, da keine 
Flüsse in den Hafen münden, welche diese Arbeit vereiteln oder immer wieder 
von Neuem nothwendig machen würden. 
Die Stadt, im Jahre 1826 gegründet, zählte 1876 ca 350 Einwohner und 
hat deren gegenwärtig über 1000. Bekannt wegen ihres guten gesunden Klimas, 
im Besitz eines völlig sicheren Hafens mit grofser schöner Aufsenrhede, zwischen 
Perth und Adelaide der einzige Platz von Bedeutung an der Süd- und West- 
küste Australiens, wird die Stadt eine grofse Zukunft haben, trotzdem das 
nächste Hinterland sich nicht durch besondere Fruchtbarkeit auszeichnet. 
Die vollständige Ausrüstung mit allen Schiffsbedürfnissen würde Schwierig- 
keiten begegnen. Die nothwendigsten Artikel sowie auch kleine Reparaturen 
lassen sich indessen beschaffen bezw. ausführen, aber wegen hoher Arbeitslöhne 
aur zu sehr grofsen Preisen. Befremdend ist der hohe Preis der Kohlen, welche 
37 sh. pro Tonne kosten, während der Preis in Sydney ca 13 sh. beträgt. 
Dabei sind zwei Konkurrenten am Platze (5 Kohlenschiffe liegen im Hafen). 
Die Beschaffung von Maschinenöl dürfte, wenn irgend möglich, an einem anderen 
Orte vorzunehmen sein, da hier nur Auswahl ist zwischen Whale- und Castor- 
Del, welche aufserdem nur in geringen Mengen und nicht gut gereinigt vor- 
handen sind. Von frischem Proviant darf nur auf Fleisch gerechnet werden. 
Es ist Rindfleisch zu ziemlich billigen Preisen zu haben (5'/a d. pro Pfund). 
Schweine- und Hammelfleisch dagegen sind bedeutend theurer, weil diese Thiere 
hier nicht gezüchtet, sondern regelmäfsig eingeführt werden. Frisches Gemüse, 
wie Kohl und Sellerie, sind sehr spärlich vorhanden. Kartoffeln sind in gröfseren 
Mengen vorräthig, stehen aber hoch im Preise, weil sie ebenfalls eingeführt 
werden. Die Tonne kostete 9 Lstrl. 
Die Regierung wird durch einen Minister-Residenten, Mr. Loftie, ver- 
treten und ist der Centralgewalt von West-Australien zu Perth unterstellt. Eine 
Garnison ist nicht am Platze; zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind einige 
Polizisten vorhanden. Der Hafen und die Stadt sind unbefestigt. Der Eingang 
zum Princess Royal-Hafen aber könnte durch ein oder zwei versenkte Schiffe 
vollkommen gesperrt werden. 
Aus den Reiseberichten des Kapt. J. Zimdars, Führer der 
Deutschen Bark „Agustina“. 
Ueber Sydney-!) und Mary-Insel in der Phönix-Gruppe. 
Südlicher Stiller Ocean. 
‘Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
I. Allgemeine Verhältnisse. 
Von Port Adelaide kommend, erblickten wir um 2° 30” p. m. den 
17. Oktober 1883 unseren Bestimmungsort, Sydney-Insel; da wir aber um 4* p. m, 
die Ordre erhielten, nicht zu ankern, blieben wir in Sicht der Insel kreuzend. 
Am folgenden Tage kam Kapt. Hann, der Vorsteher des Guano-Depots, an 
Bord und brachte mir die Nachricht, dafs nur ein Ankerplatz vorhanden sei, 
den zur Zeit das Norwegische Schiff „Rolf“ einnähme, und wir nicht eher 
Ladung erhalten könnten, bis dieses Schiff seine ganze Ladung eingenommen 
hätte. Am 20. Oktober versuchten wir unter der Sydney-Insel in 14,4 bis 18,8m 
(8 bis 10 Fad.) Tiefe zu ankern, allein der Anker hielt nicht, und wir trieben, 
mit 90m (50 Fad,) Kette aus, seewärts. Nachdem das Schiff eine halbe Schiffs- 
1) Siehe diese Annalen, Jahrgang 1884, Seite 209—211, 568—571, sowie den Jahrgang 1883, 
Seite 443 und 444. und „Nachrichten für Seefahrer“, 1884, Monat Februar, No. 817.
	        
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