Eingänge von meteorologischen Journalen etc., September 1884,
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Nördlich. von diesem Punkte, wo der westliche Wind nur geringe Stärke besafs,
wiederholt selbst von leisem, östlichem Zuge unterbrochen wurde, konnte man
nur in langsamer Weise fortschreiten, Bei leichter südlicher Briese ging
„Melpomene“ am 25. Februar in 93° O-Lg von der südlichen zur nördlichen
Halbkugel über. Vorher war: 30° S-Br in 81,2° 0-Lg am 9. Februar, 20° S-Br
in 79,8° O-Lg am 12. Februar und 10° S-Br in 83° O-Lg am 17%. Februar
gekreuzt worden, Der Mitsegler „Wega“, welcher den SE-Passat noch an dem-
selben Tage erhalten hatte, an dem 80° O-Lg überschritten worden, war zur
Linie in 91° O-Lg am 17. Februar gelangt. Noch ein anderer Mitsegler, die
Hamburger, nach Rangoon bestimmte Bark „Indra“, welche sich bei Lizard am
13. November, in 0° Breite und 27,2° W-Lg am 11. Dezember, in 0° Länge
und 40,8° S-Br am 5. Januar und in 80° O-Lg und 38,6° S-Br am 25. Januar
befunden hatte, verliefs südliche Breite in 92,5° O-Lg am 19. Februar.
In nördlicher Breite rückte „Melpomene“ bei leichter, aus südöstlicher
oder östlicher Richtung vorherrschender Briese bis zum 27. Februar nach
5,5° N-Br in 94,5° O-Lg vor. In geringer Entfernung von diesem Punkte
stellte sich der mäfsige NE-Monsun ein, von dem das Schiff bis zum 1, März
nach 10° N-Br in 93° O-Lg geführt wurde. Die Ausführung des letzten Theils
der Reise nahm infolge lange anhaltender, ganz leichter, hoch nördlicher Winde
achliefslich noch eine verhältnifsmäfsig lange Zeit in Anspruch. Erst am 18, März
gelang es, einen Ankerplatz in der Nähe der Rangoon-Flulsmündung zu erreichen.
Es waren dann 122 Tage seit der Abreise von 50° N-Br verflossen. Im Busen
von Bengalen hatte „Melpomene“: 5° N-Br in 94,4° O-Lg am 27. Februar und
10° N-Br in 93,4° O-Lg am 6. März. gekreuzt. Der am weitesten westlich
gelegene berührte Punkt war 9° N-Br in 93° O-Lg am 29. Februar, Der Mit-
segler „Wega“ hatte einen bei China Buckeer gelegenen Ankerplatz am 7. März
erreicht; die Bark „Indra“ hatte sich am 16. März in Sicht des Feuers von
Alguada befunden.
Nachdem „Melpomene“ in Rangoon entlöscht und aufs Neue mit Reis
beladen worden war, trat das Schiff am 17, April die Rückreise nach einem
englischen Orderhafen an. Auf leichte nordwestliche Winde, die in See zunächst
angetroffen wurden, folgten, als das Schiff südlich von 12° N-Br gelangt war,
schwache NE-Winde. Man durchsegelte bei letzteren den Zehn Grad-Kanal
und rückte bis zum 28. April nach 4,5° N-Br in 89,6° O-Lg vor. Nicht weit
von diesem Punkte entfernt, veränderte sich der zum ganz leisen Zuge herab-
gesunkene Wind durch S nach SSW, worauf dann längere Zeit anhaltende,
wiederholt von Stillen unterbrochene, meist westliche Mallung folgte. Durch
diese Verhältnisse wurde eine derartige Verzögerung der Fahrt verursacht, dafs
nicht eher als am 6. Mai der Aequator in 91,5° O-Lg überschritten werden
konnte. Der 6. Mai war der 19. seit der Abreise verflossene Tag. In süd-
licher Breite nahm der westliche Zug an Stärke zu, so dafs sich für mehrere
Tage ein ganz günstiger Fortgang erzielen liefs. Südlich von 6° S-Br herrschte
wieder leiser, selbst bis zur Stille abnehmender südlicher Zug. Als derselbe
nach mehreren Tagen gröfsere Stärke gewann und sich nach links veränderte,
entstand aus ihm schliefslich der SE-Passat. ' Die Grenze desselben schien am
12. Mai in der Nähe von 7,5° S-Br und 93,5° O-Lg zu liegen. Der anfänglich
noch schwache Passat frischte südlich von 9° S-Br zum. kräftigen Winde auf
und gewährte dem Schiffe für mehrere Tage eine recht günstige Gelegenheit
zur Förderung der Reise... Unweit von 18,5° S-Br wurde der Passat für einen
Tag durch leichte Mallung gestört; doch fafste derselbe später noch wieder
kräftig durch und endete nicht eher, als bis „Melpomene“ von ihm bis zum
29. Mai nach 27° S-Br in 46° O-Lg geführt worden war, Das dort erfolgende
Umlaufen des schwach gewordenen Windes nach NE bezeichnete die polare
Passatgrenze. Indem der Wind sich südlich von derselben . rasch weiter nach
links veränderte, wurde er gleichzeitig auch wieder kräftiger, wehte aus süd-
westlicher Richtung sogar für einige Stunden stürmisch. Am 2. und 3. Juni
überstand „Melpomene“ in der Nähe von 28,5° S-Br und 38° O-Lg einen un-
gewöhnlich heftigen Sturm. Derselbe begann aus nördlicher Richtung, war von
Gewitter und einem auf 750,2 mm sinkenden Barometerstande begleitet und
wehte am heftigsten aus südlicher Richtung. Dieser Sturm wurde ebenfalls
von der auch nun wieder mitsegelnden Bark „Indra“ beobachtet. Dieses Schiff,
Ann. d. Hydr. etc., 1885, Heft L
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