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Kartographie und Hydrographie der Küste von Ober-Guinea.
Das Land bei Kap St. Paul kurvt so regelmäfsig und ist so gleichmäfsig
mit Bäumen bestanden, dafs ein bestimmter Punkt oder irgend eins der in den
Segelanweisungen angegebenen Merkzeichen nicht auszumachen war, ebenso
wenig wurden zwischen Jellah-Kofi und der Volta-Mündung, als das Schiff 3 Sm
von der Küste ab war, irgend welche Ortschaften gesehen mit Ausnahme einer
Faktorei (zwei weiße Häuser), die in der Gegend von Atakoo liegen mufste.
Nach Aussagen des Kommandanten und Navigations-Offiziers des Britischen
Avisos „Alecto“ ist die Küste in der Nähe von Kap St. Paul und an der Volta-
Mündung nach Süden um mehr als 1 Sm vorgeschritten und haben die Wasser-
tiefen in der Nähe der Küsten abgenommen. Dies konnte nicht konstatirt
werden, da man es erst später in Erfahrung brachte und S. M. S. „Olga“ das
Kap in zu weitem Bogen umfuhr.
Die über die Rhede von Accra in den Segelanweisungen gemachten
Angaben sind im Allgemeinen richtig.
Der in dem „Africa Pilot“, Part I, 1880, Seite 269 angegebene Anker-
platz (Fort James in N'/z0 mw. ca 25 Sm ab) wurde von S. M. S. „Olga“
benutzt und als gut befunden,
Handelsschiffe dagegen ankern stets östlich von dieser Linie und näher
der Stadt, obwohl die Segeldirektionen diesen Platz als „Foul“ bezeichnen.
Ueber die Güte desselben Erkundigungen einzuziehen, war in Accra nicht
möglich.
5 An den übrigen Plätzen, die S. M. S. „Olga“ anlief: Little Popo, Bagida,
Lome, Quitta, kann ein grofses Kriegsschiff überall mit Sicherheit in 12 bis
16m Wasser und !/ bis %/4 Sm von der Küste ankern. Es empfiehlt sich,
nicht zu dicht heran zu gehen, weil das Schiff, je weiter es von der Küste
abbleibt, um so weniger rollt.
Die Lothungen in allen während der Reise benutzten Karten sind, soweit
dies 8. M. S. „Olga“ ermitteln konnte, richtig, ebenso die Angaben über Strom-
richtung und mittlere Stromstärke.
Die in letzterer Hinsicht während der Reise an Bord gemachten Beob-
achtungen sind in der folgenden "Tabelle nach dem Datum geordnet zu-
sammengestellt,
Diese Angaben werden durch den Bericht S. M. S. „Bismarck“ wie
folgt ergänzt:
An der Küste östlich von Lagos konnte mit Sicherheit keine der dort
liegenden Ortschaften ausgemacht werden; insbesondere fehlten Quoin Clump
und der westlich daneben verzeichnete First Clump, ebenso der 2'/2 Sm östlich
von Lagos angegebene Lagunen-Ausflufs;!) die westlich davon gezeichnete
Single Palm konnte aus vielen anderen nicht herausgefunden werden, und es
yelang auch später nicht, von Lagos-Bewohnern die Lage derselben zu erfahren.
Lagos selbst ist indessen, auch wenn die Rhede nicht durch Schiffe
markirt ist, jetzt unmöglich zu verkennen. Bei der Ansteuerung von Osten
fällt zunächst der hohe Flaggenmast der Signalstation?), der zwischen dem
zusammenhängenden Lande und den scheinbar einzeln im Wasser stehenden
Bäumen der Küste westlich davon sichtbar wird, ins Auge; gleich darauf sieht
man rechts davon den weifsen Thurm der alten und zwei dunkle Thürme einer
im Bau begriffenen Kirche, ungefähr gleichzeitig auch den durch die Mündung
des Lagos-Flusses gebildeten Stromeinschnitt, dann über letzteren hinweg die
Häuser der Stadt. Die Barre ist jetzt zwischen 3,3 und 4,6 m (11—15‘ Engl.)
tief®) und der Kurs über dieselbe durch zwei schwarze "Tonnen, die unter sich
und mit einem als „Mark-tree“ bezeichneten Baumwollenbaum von eigenthüm-
licher Form in Eins zu halten sind, angegeben; die Tonnen, von denen die
innere, kleinere ein gewöhnliches Fafs ist, sollen häufig vertreiben, eine dritte
im „Africa Pilot“ 1880, Part I, S. 284 angegebene fehlt, ebenso eine der
beiden auf der Spitze Beecroft stehenden Baken, die übrigens zur Ansteuerung
nach Aussage eines dort verkehrenden Schiffsführers nicht benutzt werden.*)
I) In der Segelkarte Tit, VI, No. 129 nicht gezeichnet.
?) Siehe Skizze auf Tafel 5, Heft III, 1885.
3) Vergl. Ann. 1884, S. 62,
%) Vergl. Ann, 1884, S. 196.