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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

A094 
Kartographie und Hydrographie der Küste von Ober-Guinea. 
Das Land bei Kap St. Paul kurvt so regelmäfsig und ist so gleichmäfsig 
mit Bäumen bestanden, dafs ein bestimmter Punkt oder irgend eins der in den 
Segelanweisungen angegebenen Merkzeichen nicht auszumachen war, ebenso 
wenig wurden zwischen Jellah-Kofi und der Volta-Mündung, als das Schiff 3 Sm 
von der Küste ab war, irgend welche Ortschaften gesehen mit Ausnahme einer 
Faktorei (zwei weiße Häuser), die in der Gegend von Atakoo liegen mufste. 
Nach Aussagen des Kommandanten und Navigations-Offiziers des Britischen 
Avisos „Alecto“ ist die Küste in der Nähe von Kap St. Paul und an der Volta- 
Mündung nach Süden um mehr als 1 Sm vorgeschritten und haben die Wasser- 
tiefen in der Nähe der Küsten abgenommen. Dies konnte nicht konstatirt 
werden, da man es erst später in Erfahrung brachte und S. M. S. „Olga“ das 
Kap in zu weitem Bogen umfuhr. 
Die über die Rhede von Accra in den Segelanweisungen gemachten 
Angaben sind im Allgemeinen richtig. 
Der in dem „Africa Pilot“, Part I, 1880, Seite 269 angegebene Anker- 
platz (Fort James in N'/z0 mw. ca 25 Sm ab) wurde von S. M. S. „Olga“ 
benutzt und als gut befunden, 
Handelsschiffe dagegen ankern stets östlich von dieser Linie und näher 
der Stadt, obwohl die Segeldirektionen diesen Platz als „Foul“ bezeichnen. 
Ueber die Güte desselben Erkundigungen einzuziehen, war in Accra nicht 
möglich. 
5 An den übrigen Plätzen, die S. M. S. „Olga“ anlief: Little Popo, Bagida, 
Lome, Quitta, kann ein grofses Kriegsschiff überall mit Sicherheit in 12 bis 
16m Wasser und !/ bis %/4 Sm von der Küste ankern. Es empfiehlt sich, 
nicht zu dicht heran zu gehen, weil das Schiff, je weiter es von der Küste 
abbleibt, um so weniger rollt. 
Die Lothungen in allen während der Reise benutzten Karten sind, soweit 
dies 8. M. S. „Olga“ ermitteln konnte, richtig, ebenso die Angaben über Strom- 
richtung und mittlere Stromstärke. 
Die in letzterer Hinsicht während der Reise an Bord gemachten Beob- 
achtungen sind in der folgenden "Tabelle nach dem Datum geordnet zu- 
sammengestellt, 
Diese Angaben werden durch den Bericht S. M. S. „Bismarck“ wie 
folgt ergänzt: 
An der Küste östlich von Lagos konnte mit Sicherheit keine der dort 
liegenden Ortschaften ausgemacht werden; insbesondere fehlten Quoin Clump 
und der westlich daneben verzeichnete First Clump, ebenso der 2'/2 Sm östlich 
von Lagos angegebene Lagunen-Ausflufs;!) die westlich davon gezeichnete 
Single Palm konnte aus vielen anderen nicht herausgefunden werden, und es 
yelang auch später nicht, von Lagos-Bewohnern die Lage derselben zu erfahren. 
Lagos selbst ist indessen, auch wenn die Rhede nicht durch Schiffe 
markirt ist, jetzt unmöglich zu verkennen. Bei der Ansteuerung von Osten 
fällt zunächst der hohe Flaggenmast der Signalstation?), der zwischen dem 
zusammenhängenden Lande und den scheinbar einzeln im Wasser stehenden 
Bäumen der Küste westlich davon sichtbar wird, ins Auge; gleich darauf sieht 
man rechts davon den weifsen Thurm der alten und zwei dunkle Thürme einer 
im Bau begriffenen Kirche, ungefähr gleichzeitig auch den durch die Mündung 
des Lagos-Flusses gebildeten Stromeinschnitt, dann über letzteren hinweg die 
Häuser der Stadt. Die Barre ist jetzt zwischen 3,3 und 4,6 m (11—15‘ Engl.) 
tief®) und der Kurs über dieselbe durch zwei schwarze "Tonnen, die unter sich 
und mit einem als „Mark-tree“ bezeichneten Baumwollenbaum von eigenthüm- 
licher Form in Eins zu halten sind, angegeben; die Tonnen, von denen die 
innere, kleinere ein gewöhnliches Fafs ist, sollen häufig vertreiben, eine dritte 
im „Africa Pilot“ 1880, Part I, S. 284 angegebene fehlt, ebenso eine der 
beiden auf der Spitze Beecroft stehenden Baken, die übrigens zur Ansteuerung 
nach Aussage eines dort verkehrenden Schiffsführers nicht benutzt werden.*) 
I) In der Segelkarte Tit, VI, No. 129 nicht gezeichnet. 
?) Siehe Skizze auf Tafel 5, Heft III, 1885. 
3) Vergl. Ann. 1884, S. 62, 
%) Vergl. Ann, 1884, S. 196.
	        
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