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Eingänge von meteorologischen Journalen etc., September 1884.
3. Reise des eisernen Hamburger Vollschiffes „Melpomene‘“, Kapt. M. Meyer.
Am 17. November 1883 überschritt das von Cardiff nach Rangoon be-
stimmte Vollschiff „Melpomene“ den Parallel von 50° Nord. Dasselbe segelte
ron dort bis zum Mittag des 19. November nach 45,8° N-Br in 8,8° W-Lg,
ainem Punkte, in dem es sich damals nicht weit entfernt von dem eisernen,
Bremer, auf einer Reise von Bremen nach Rangoon begriffenen Vollschiff „ Wega“*
befand. Der Schiffsort von „Wega“, die sich am 15. November bei Lizard
befunden hatte, war am 19, November Mittags 45,2° N-Br in 10,1° W-Lg.
Nach dieser Zeit trafen die Mitsegler für längere Zeit ähnliche, schon an
anderer Stelle erwähnte Verhältnisse an. Am 8. Dezember stellte sich bei den
Schiffen der Passat ein, bei „Melpomene“ in 26,2° N-Br und 27,8° W.Lg, etwa
zwei Wachen früher, als bei „Wega“ in 26,3° N-Br und 24,8° W-Lg. Der
NE-Passat endete bei dem ersteren Schiffe in 7,4° N-Br und 25,7° W-Lg am
14. Dezember und bei dem letzteren in 5,8° N-Br und 25,6° W-Lg am 15. De-
zember. Nachdem „Melpomene“ dann kaum 1'/2 Tage im Stillengürtel zugebracht
hatte, wurde wieder in 4,6° N-Br und 26,3° W-Lg der SE-Passat angetroffen,
pei welchem man bis zum 20. Dezember zu der in 29,2° W-Lg überschrittenen
Linie segelte. Um zu derselben von 50° N-Br her zu gelangen, waren 33 Tage
erforderlich gewesen. 40° N-Br hatte man in 13° W-Lg dm 24. November,
30° N-Br in 26,8° W-Lg am 4. Dezember, 20° N-Br in 28,1° W-Lg am 10, De-
zember und 10° N-Br in 27° W-Lg am 13. Dezember gekreuzt. Der Mitsegler
„Wega“, welcher den SE-Passat in 4° N.Br und 26° W-Lg am 18. Dezember
angetroffen, hatte nördliche Breite in 28,5° W-Lg am 19. Dezember verlassen.
Im Südatlantischen Ocean wurde „Melpomene“ bis nach 25° S-Br in
31° W-Lg vom Passate begleitet. Nicht weit von diesem Punkte entfernt ver-
änderte sich am 30. Dezember der frische Wind nach NE und während der
folgenden Tage weiter in langsamer Drehung nach links durch N, W und S
zurück nach SE. Im südöstlichen Viertel hielt sich der inzwischen ganz schwach
gewordene Wind mehrere Tage. Nach dieser Zeit kehrte er, durch S drehend,
pach SSW zurück, und indem der Wind sich nun für längere Zeit in südwest-
licher Richtung hielt, vollendete man bei demselben den noch übrigen Theil
des Weges bis zum ersten Meridian. Am 13. Januar 1884, dem 24. bis dahin
in eüdlicher Breite zugebrachten Tage, ging „Melpomene“ in 40,1° S-Br von
westlicher in östliche Länge über. Vorher war: 10°, S-Br in 34,4° W-Lg am
24. Dezember, 20° S-Br in 32,7° W-Lg am 28. Dezember und 30° S-Br in
27,5° W-Lg am 1. Januar 1884 geschnitten worden. Der Mitsegler „ Wega“
verließ westliche Länge in 40,6° S-Br ebenfalls am 13. Januar.
Während der Zeit, in welcher die erforderliche Länge zurückgelegt
wurde, hielt „Melpomene“ sich für längere Zeit zwischen 45° und 46° S-Br.
Die dort vorherrschenden Winde waren westliche, doch beobachtete man auch
wiederholt nördliche Winde, und an mehreren Tagen wurde der Fortgang des
Schiffes auch durch ganz leichte östliche Briese und selbst Windstille gestört.
Durch Stürme wurde die Fahrt nicht erschwert. Nachdem „Melpomene“ sich
am 1. Februar in Sicht von der Insel Amsterdam befunden hatte, wurde am
3. Februar, 21 Tage später als westliche Länge verlassen worden war, 80° O-Lg
in 36° S-Br überschritten. „Wega“, welche am 19. Januar als südlichsten
Punkt 45,4° S-Br in 33° O-Lg berührt hatte, kreuzte 80° O-Lg in 32,8° S-Br
am 1. Februar.
Sehr ungünstige Verhältnisse wurden von „Melpomene“ östlich von
80° O-Lg angetroffen. Auf den in der Nähe dieses Meridians für mehrere Tage
herrschenden leisen östlichen Zug folgte später ein mäfsiger NNE-Wind. Nach-
dem auch dieser wieder zum leisen Zuge herabgesunken war, stellte sich am
8. Februar in geringer Entfernung von 32° S-Br und 82° O-Lg ein langsam
auffrischender Östwind ein, der zum Passat wurde. Dieser bis nach 11,5° S-Br
recht kräftige Wind dehnte sein Gebiet aus bis nach 10,3° S-Br in 83° O-Lg.
Derselbe endete, indem er in der Nähe dieses Punktes in leisen Zug überging,
and während dieser sich durch N nach NW veränderte und auffrischte, entstand
aus ibm nach kurzer Zeit der kräftige NW-Monsun. Begünstigt von diesem,
liefs sich nun wieder für mehrere Tage ein recht günstiger Fortgang erzielen.
„Melnomene“ rückte bis zum 21. Februar nach 3,5° S-Br in 90° Ö-Lg vor.