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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Eingänge von meteorologischen Journalen ete., April 1885, 
165 
3. Reise des Bremerhavener Vollschiffes „Friedrich“, Kapt. L. Brüggemann, 
Das auf einer seiner gewöhnlichen Fahrten nach New-Orleans begriffene 
Vollschiff „Friedrich“, welches am 12. September 1884 von der Weser aus in 
See gegangen war, befand sich am 16. September bei Lizard. Leichte östliche 
Winde führten dasselbe in den Ocean hinaus und in diesem nahm die Fahrt 
einen weiteren günstigen Verlauf. Unweit 40,5° N-Br in 165° W-Lg ver- 
änderte sich der seit zwei Tagen aus westlicher Richtung wehende Wind durch 
N nach NE und indem derselbe für längere Zeit frisch und beständig blieb, 
schien derselbe ohne vorhergehende Störung zum Passat werden zu wollen. 
Unweit von 26° N-Br in 30° W-Lg trat der Ostwind für mehrere Wachen nur 
als ganz leiser Zug auf, nach welchem jedoch wieder ein längerer, mäßiger 
und beständiger Östwind folgte. Man segelte nun in befriedigend rascher 
Fahrt bis zum 5. Oktober nach 19,5° N-Br in 43,3° W-Lg. In geringer Ent- 
fernung von diesem Punkte trat eine seit mehreren Tagen durch langsam 
abnebmenden Luftdruck, wie häufige gewitterhafte Erscheinungen angekündigte 
Passatstörung ein. Der frische Wind veränderte Sich bei auf 759,5 mm 
gesunkenem Barometerstande durch S nach W und später folgte lang anhaltende, 
von häufiger Stille unterbrochene und vielen gewitterhaften Erscheinungen 
begleitete leichte, meist westliche Mallung. Es vergingen bei diesen Verhält- 
nissen nicht weniger als acht Tage, in denen man bis nach 19,7° N-Br in 
50° W-Lg vorrückte, bevor es gelang, wieder Passat anzutreffen. Dieser 
mäfsige, von nun an meist aus südöstlicher Richtung wehende Wind führte das 
Schiff dann bis zum 19. Oktober in Sicht von den Inseln Antigua und Monserrat. 
Im Karaibischen Meere wurde die Fahrt zunächst für mehrere Tage von gutem 
Passate begünstigt. Nachdem man aber westlich von 70° W-Lg gelangt war, 
sank der ÖOstwind wieder zum flauen, von häufigen Stillen unterbrochenen Zuge 
herab. Man beobachtete dann auch wieder häufig gewitterhafte Erscheinungen, 
Am 26. Oktober befand sich „Friedrich“ in Sicht der Küste des südwestlichsten 
Theils von Haiti. In langsamer Fahrt wurde dann auch die zwischen dieser 
Insel und Jamaika liegende. Strafse durchsegelt. Am 31. Oktober war der 
Schiffsort 19° N-Br in 77,2° W-Lg. Unweit dieses Punktes stellte sich wieder 
frischerer Passat ein, bei dem das Schiff bis zum 3. November zur Westspitze 
von Cuba gelangte. Der Golf von Mexiko konnte infolge des auch dort 
herrschenden kräftigen Passats in befriedigend rascher Fahrt überschritten 
werden, bis endlich am 10. November die Mündung des Mississippi erreicht 
wurde. Um zu derselben vom Kanal aus zu gelangen, waren 55 Tage 
erforderlich gewesen. Während dieser Zeit hatte man: 40° N-Br in 17,5° W-Lg 
am 22, September, 30° N-Br in 23,6° W-Lg am 25. September, 20° N-Br in 
40,7° W-Lg am 4. Oktober, 30° W-Lg in 25,6° N-Br am 28. September, 
50° W-Lg in 19,7° N-Br am 13. Oktober und 60° W-Lg in 17° N-Br am 
18. Oktober gekreuzt. Kapt. Brüggemann frägt in seinem Journal an, durch 
welche Ursache wohl die von ihm mitten im Passatgebiet angetroffene Passat- 
störung verursacht worden sei, Zur sicheren Beantwortung dieser Frage 
müßten der Seewarte schon jetzt für die in Frage stehende Zeit tägliche synop- 
tische Karten vom Nord-Atlantischen Ocean, wie solche nach Verlauf einer 
gewissen Zeit angefertigt werden, zur Verfügung stehen. Aus den der Seewarte 
bisher eingelieferten Journalen anderer Schiffe geht aber deutlich die That- 
sache hervor, dafs damals in etwa 20° N-Br, also mitten im Passatgebiet, der 
Luftdruck verhältnifsmälsig niedrig war, und dafs dadurch wahrscheinlich die 
Störung hervorgerufen wurde. Als Beweise dafür theilen wir hier verschiedene 
Schiffsorte nebst den dort beobachteten Winden und Barometerständen für den 
11. Oktober Mittags mit. „Friedrich“ befand sich zu dieser Zeit in 20° N-Br 
und 47,8° W-Lg, wo Wind aus W (1) und Luftdruck gleich 760,8 mm herrschte. 
Nicht weit von ihm entfernt, in 22,4° N-Br und 47° W-Lg, wurde damals eben- 
falls durch Westwind von der Stärke 1 die nach Wilmington bestimmte 
Rostocker. Bark „Godefroy“ zurückgehalten. An Bord derselben beobachtete 
man zur Zeit einen Barometerstand von 760,7 mm. Die von Iquique nach Fal- 
mouth bestimmte Hamburger Bark „Dione“ stand in 14,8° N-Br und 31,5° W-Lg 
und hatte dort NE-Wind von der Stärke 2 und einen Barometerstand von 
7640 mm. Das auf derselben Reise begriffene Hamburger Vollschiff „Argo“
	        
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