accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gemeinsamer Ausgangs-Meridian und Universalzeit.. 
37 
Der Delegirte Russlands, Herr von Struve, war der Ansicht, dafs der 
auf der Konferenz in Rom gefafste Beschlufs, die Länge von 0°—360° von W 
nach O zu zählen, leicht zu Mifsverständnissen in der Lokal- und Universalzeit- 
rechnung für die Länder jenseits von 180° führen könne; er schlug deshalb 
die Beibehaltung des jetzt gebräuchlichen Systems der Längenrechnung von 
0°—180° nach O0 und W und die Annahme des Zeichens „+4“ für Ost-Länge 
und „—“ für West-Länge vor, so dafs für die Berechnung der Lokalzeit aus 
der Universalzeit die allgemeine Formel gelten würde: Universalzeit = Lokal- 
zeit — Länge. Für die Praxis würde es das Beste sein, die Mitternacht zu 
Greenwich als Beginn des Universaltages und nicht, wie auf der Konferenz in 
Rom beschlossen, den Mittag zu wählen. Hierdurch würde ein doppeltes Datum 
für Lokal- und Universalzeit während der hauptsächlichsten Geschäftsstunden 
des Tages vermieden werden und eine grofse Erleichterung beim Uebergang 
aus der Lokal- in die Universalzeit sich biefen. Der Delegirte empfahl ferner 
die Annahme der Universalzeit neben der Lokalzeit für die telegraphische 
Korrespondenz und durchgehende internationale Linien der Eisenbahnen und 
Dampfschiffe. Die Stunden des Universal- wie des bürgerlichen Tages sollten 
von 0 bis 24 gezählt werden, 
„Professor Adams (England) wies darauf hin, dafs durch eine Zählung 
der Länge bis zu 180° nach O und W das Rechnen mit grofsen Zahlen ver- 
mieden und das Verhältnifs der Lokalzeit zur Universalzeit das denkbar ein- 
fachste sein würde, nämlich: Lokalzeit = Universalzeit 4 Länge). 
Sir F. Evans befürwortete den vorstehenden Vorschlag zu Gunsten des 
seofahrenden Publikums, welches an die Zählung der Länge nach Ost und West 
von 0° aus gewöhnt sei. 
Der Antrag des Delegirten Rutherfurd von den Vereinigten Staaten: 
3. „That from this meridian longitude shall be counted in two directions 
up to 180 degrees, east longitude being plus and west longitude 
minus“ 
wurde mit 14 gegen 5 Stimmen angenommen; 6 Staaten, darunter Deutschland, 
enthielten sich der Abstimmung. 
Hierauf wurde die Annahme einer Universalzeit in Berathung gezogen. 
W. F. Allen (Vereinigte Staaten) sprach sich zu Gunsten der Eintheilung 
der Erde in 12 Stundenzonen aus, ein Prineip, welches sich in den Vereinigten 
Staaten und Canada bewährt habe; im ersteren Lande ist dasselbe von nahezu 
85 %o aller Städte über 10000 Einwohner für alle Zwecke angenommen und 
auf 97,5 % aller von Eisenbahnen befahrenen Meilen in Gebrauch. Für Deutsch- 
land käme hiernach die Zeit des 15. Meridians zur Verwendung, welcher von 
Berlin ungefähr ebenso viel östlich, als westlich von Wien passirt und nicht 
weiter von Rom als von Stockholm abliegt, jetzt in Schweden bereits benutzt 
wird und ebenso vortheilhaft in Dänemark, Deutschland, Oesterreich, Schweiz, 
Italien und Serbien Verwendung finden könnte. 
Der Antrag des italienischen Delegirten, Graf Albert de Foresta, 
den bezüglichen Beschlufs der römischen Konferenz anzunehmen, wurde mit 
18 Stimmen verworfen, dagegen der von Rutherfurd und Professor Adams 
gestellte Antrag: 
4. „That the Conference proposes the adoption of a universal day for 
all purposes for which it may be found convenient, and which shall 
not interfere whit the use of local or other standard time where 
desirable“ 
mit 23 Stimmen angenommen; Deutschland. enthielt, sich bei dieser, wie bei 
allen folgenden Resolutionen der Abstimmung. 
Für den Beginn des Universaltages empfahl der Vertreter Schwedens 
und Norwegens die Annahme des in Rom gefafsten Beschlusses, die Mittags- 
stunde von Greenwich hierfür zu wählen. 
Professor Adams stimmte dem von Rutherfurd eingebrachten Vor- 
schlage zu, als Anfang des Universaltages die Mitternacht des Nullmeridians 
zu wählen und die Stunden bis 24 zu zählen. Der in Rom gefafste Beschluls 
biete lediglich den Astronomen Vortheile, welche nach dem astronomischen 
Tage zu rechnen gewöhnt sind, um nicht zum Datumwechsel im Verlaufe einer 
Nacht, der Zeit ihrer gröfsten Thätigkeit, gezwungen zu sein. Dem ist indessen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.