Gemeinsamer Ausgangs-Meridian und Universalzeit..
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Der Delegirte Russlands, Herr von Struve, war der Ansicht, dafs der
auf der Konferenz in Rom gefafste Beschlufs, die Länge von 0°—360° von W
nach O zu zählen, leicht zu Mifsverständnissen in der Lokal- und Universalzeit-
rechnung für die Länder jenseits von 180° führen könne; er schlug deshalb
die Beibehaltung des jetzt gebräuchlichen Systems der Längenrechnung von
0°—180° nach O0 und W und die Annahme des Zeichens „+4“ für Ost-Länge
und „—“ für West-Länge vor, so dafs für die Berechnung der Lokalzeit aus
der Universalzeit die allgemeine Formel gelten würde: Universalzeit = Lokal-
zeit — Länge. Für die Praxis würde es das Beste sein, die Mitternacht zu
Greenwich als Beginn des Universaltages und nicht, wie auf der Konferenz in
Rom beschlossen, den Mittag zu wählen. Hierdurch würde ein doppeltes Datum
für Lokal- und Universalzeit während der hauptsächlichsten Geschäftsstunden
des Tages vermieden werden und eine grofse Erleichterung beim Uebergang
aus der Lokal- in die Universalzeit sich biefen. Der Delegirte empfahl ferner
die Annahme der Universalzeit neben der Lokalzeit für die telegraphische
Korrespondenz und durchgehende internationale Linien der Eisenbahnen und
Dampfschiffe. Die Stunden des Universal- wie des bürgerlichen Tages sollten
von 0 bis 24 gezählt werden,
„Professor Adams (England) wies darauf hin, dafs durch eine Zählung
der Länge bis zu 180° nach O und W das Rechnen mit grofsen Zahlen ver-
mieden und das Verhältnifs der Lokalzeit zur Universalzeit das denkbar ein-
fachste sein würde, nämlich: Lokalzeit = Universalzeit 4 Länge).
Sir F. Evans befürwortete den vorstehenden Vorschlag zu Gunsten des
seofahrenden Publikums, welches an die Zählung der Länge nach Ost und West
von 0° aus gewöhnt sei.
Der Antrag des Delegirten Rutherfurd von den Vereinigten Staaten:
3. „That from this meridian longitude shall be counted in two directions
up to 180 degrees, east longitude being plus and west longitude
minus“
wurde mit 14 gegen 5 Stimmen angenommen; 6 Staaten, darunter Deutschland,
enthielten sich der Abstimmung.
Hierauf wurde die Annahme einer Universalzeit in Berathung gezogen.
W. F. Allen (Vereinigte Staaten) sprach sich zu Gunsten der Eintheilung
der Erde in 12 Stundenzonen aus, ein Prineip, welches sich in den Vereinigten
Staaten und Canada bewährt habe; im ersteren Lande ist dasselbe von nahezu
85 %o aller Städte über 10000 Einwohner für alle Zwecke angenommen und
auf 97,5 % aller von Eisenbahnen befahrenen Meilen in Gebrauch. Für Deutsch-
land käme hiernach die Zeit des 15. Meridians zur Verwendung, welcher von
Berlin ungefähr ebenso viel östlich, als westlich von Wien passirt und nicht
weiter von Rom als von Stockholm abliegt, jetzt in Schweden bereits benutzt
wird und ebenso vortheilhaft in Dänemark, Deutschland, Oesterreich, Schweiz,
Italien und Serbien Verwendung finden könnte.
Der Antrag des italienischen Delegirten, Graf Albert de Foresta,
den bezüglichen Beschlufs der römischen Konferenz anzunehmen, wurde mit
18 Stimmen verworfen, dagegen der von Rutherfurd und Professor Adams
gestellte Antrag:
4. „That the Conference proposes the adoption of a universal day for
all purposes for which it may be found convenient, and which shall
not interfere whit the use of local or other standard time where
desirable“
mit 23 Stimmen angenommen; Deutschland. enthielt, sich bei dieser, wie bei
allen folgenden Resolutionen der Abstimmung.
Für den Beginn des Universaltages empfahl der Vertreter Schwedens
und Norwegens die Annahme des in Rom gefafsten Beschlusses, die Mittags-
stunde von Greenwich hierfür zu wählen.
Professor Adams stimmte dem von Rutherfurd eingebrachten Vor-
schlage zu, als Anfang des Universaltages die Mitternacht des Nullmeridians
zu wählen und die Stunden bis 24 zu zählen. Der in Rom gefafste Beschluls
biete lediglich den Astronomen Vortheile, welche nach dem astronomischen
Tage zu rechnen gewöhnt sind, um nicht zum Datumwechsel im Verlaufe einer
Nacht, der Zeit ihrer gröfsten Thätigkeit, gezwungen zu sein. Dem ist indessen