Ueber Land- und Seewinde und deren Verlauf,
ganze Nacht hindurch. Blieben immer unter 20 Meilen vom Lande, Etwas
häsig über. Land, sonst ganz heiter.
Jan. 12, 13° 23‘ N-Br, 74° 33‘ O-Lg. Seebriese sehr südlich, wie ge-
wöhnlich nach 4 Uhr Landbriese aus ESE, doch flau, wie das ganze Etmal
hindurch.
Jan. 13, 14° 19‘ N-Br, 74° 9‘ O-Lg. Ein Verlauf wie gestern, doch
Landbriese frischer und nördlicher. Himmel stets heiter, nur über Land häsig,
verschwindet meistens mit der Seebriese,
Jan. 14, 15° 22‘ N-Br, 73° 34‘ O-Lg. Seebriese von kurzer Dauer, nur
bis 6* p.m. Wind holt bald nördlich und bald nordöstlich, nach 2* a. m. auf-
frischend aus ESE. Frische stetige Briese bis nächsten Mittag.
Jan. 15, 17° 3‘ N-Br, 73° 5‘ O-Lg. Nachmittags Briese nördlicher als
sonst, wird gegen Abend nicht flauer, sondern frischt auf, nach NNW holend.
(Während wir, auf die Landbriese wartend, unter dem Wall ab und zu kreuzten,
glaubte ich zu bemerken, dafs unter Land dieser NNW-Wind längs der Küste
bedeutend flauer war wie draufsen.) Gegen 2 Uhr Wind ‚nach NE und ab-
nehmend, nach 6* a. m, flaue Landbriese aus ESE. ,
Jan. 16, 18° 4‘ N-Br, 72° 51‘ O-Lg. Sowohl See- als Landbriese nörd-
lich; 2* p.m. NW, Dann nach und nach schralend, fast ohne Unterbrechung
von Windstille bis 4* a.m., seit welcher Zeit bis 11* a, m. flau aus NE.
Jan. 17. Seebriese seit 2 Uhr aus NW, segelten nach Bombay. hinein.
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Die erwärmten Luftmoleküle steigen —- nach meinem Dafürhalten — aus
ihrer gleich stark erwärmten Umgebung heraus nicht auf, um den oberen kälteren
Platz zu machen, sondern sie bilden eine, mit größerer Spannung versehene,
der Erde direkt anliegende Luftschicht. Sie werden stets versuchen, sich dieser
ihrer Spannung gemäfs auszudehnen, sind aber dazu wegen des grofsen auf-
Kegenden Gewichtes von 10333 kg auf den Quadratmeter — bei einem mittleren
Luftdrucke von 760 mm — und bei schnell zunehmender Temperatur, wie wir
sie in den Tropen des Morgens haben, nur sehr langsam im Stande.
Von Schicht zu Schicht theilt sich bei weiterer Ausdehnung die gröfsere
Spannung der höher liegenden Luft mit, und von hier aus flielst dann Luft
seitwärts ab, und überall, wo sie hinströmt, nimmt dann natürlich der Druck
zu. Durch diese Zunahme wird nun aber noch nicht sofort der. Seewind land-
einwärts dringen, denn die über dem Lande sich befindende. mehr erwärmte
Luft ist infolge gröfserer Spannung vollständig im Stande, jenem zunehmenden
Gewicht auf dem Meere das Gleichgewicht zu halten, und vermag sie dieses
so lange, als die Wärme hier schnell zunimmt, denn dann setzt das kolossale
Gewicht der aufliegenden Luft, welches verdrängt werden soll, bei schnellem
Ausdehnungsbestreben der unteren Schichten diesem Ausdehnen eine sehr starke
Hemmung entgegen, und die hierdurch bewirkte Spannungszunahme ist gro(s
genug, die Seebriese zurückzuhalten und sie bis 10 Uhr sogar noch mit Erfolg
zurückzudrängen, weil bis dahin diese Spannungszunahme am Lande noch größer
ist, als die Druckzunahme auf dem Meere durch oberen Zufluls vom Lande.
Sobald nun aber von 10 oder 11 Uhr ab die Wärme langsamer zunimmt, dann
ist der stetig vermehrte Druck auf dem Meere in der Lage, den Kampf mit
Erfolg aufzunehmen: dann dringt die Seebriese landeinwärts. An ihrer Grenze,
gegen die Windstille, geht nun das Aufsteigen der wärmeren Luft, welche vom
Lande abgedrängt worden, vor sich. Warme Luft steigt stets an der kälteren
auf, wenn sie damit in Berührung kommt, und ist dies wohl die hauptsächlichste
Aufsteigung, mit der wir es in der freien Natur zu thun haben. .
Um 10 Uhr liegt weit mehr Luft an Molekülen über dem Meere, als auf
dem Lande, und von einer unbehinderten stetigen Cirkulation, so dafs dasselbe
dem Bilde eines „Wagenrades in Bewegung“ gleicht, wie man sich vielfach die
Sache gedacht, kann nicht die Rede sein.
So lange die Wärme, wenn auch langsam, doch stetig zunimmt, so lange
kann die Seebriese noch nicht zur vollen Geltung kommen, denn noch immer
wirkt der Ausdehnungsfaktor durch die Wärmezunahme dem entgegen; erst
wenn die Temperatur gegen 2 und 3 Uhr abnimmt, dann frischt sie auf und
dringt nun unbehindert landeinwärts.