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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Ueber Land- und Seewinde und deren Verlauf, 
ganze Nacht hindurch. Blieben immer unter 20 Meilen vom Lande, Etwas 
häsig über. Land, sonst ganz heiter. 
Jan. 12, 13° 23‘ N-Br, 74° 33‘ O-Lg. Seebriese sehr südlich, wie ge- 
wöhnlich nach 4 Uhr Landbriese aus ESE, doch flau, wie das ganze Etmal 
hindurch. 
Jan. 13, 14° 19‘ N-Br, 74° 9‘ O-Lg. Ein Verlauf wie gestern, doch 
Landbriese frischer und nördlicher. Himmel stets heiter, nur über Land häsig, 
verschwindet meistens mit der Seebriese, 
Jan. 14, 15° 22‘ N-Br, 73° 34‘ O-Lg. Seebriese von kurzer Dauer, nur 
bis 6* p.m. Wind holt bald nördlich und bald nordöstlich, nach 2* a. m. auf- 
frischend aus ESE. Frische stetige Briese bis nächsten Mittag. 
Jan. 15, 17° 3‘ N-Br, 73° 5‘ O-Lg. Nachmittags Briese nördlicher als 
sonst, wird gegen Abend nicht flauer, sondern frischt auf, nach NNW holend. 
(Während wir, auf die Landbriese wartend, unter dem Wall ab und zu kreuzten, 
glaubte ich zu bemerken, dafs unter Land dieser NNW-Wind längs der Küste 
bedeutend flauer war wie draufsen.) Gegen 2 Uhr Wind ‚nach NE und ab- 
nehmend, nach 6* a. m, flaue Landbriese aus ESE. , 
Jan. 16, 18° 4‘ N-Br, 72° 51‘ O-Lg. Sowohl See- als Landbriese nörd- 
lich; 2* p.m. NW, Dann nach und nach schralend, fast ohne Unterbrechung 
von Windstille bis 4* a.m., seit welcher Zeit bis 11* a, m. flau aus NE. 
Jan. 17. Seebriese seit 2 Uhr aus NW, segelten nach Bombay. hinein. 
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Die erwärmten Luftmoleküle steigen —- nach meinem Dafürhalten — aus 
ihrer gleich stark erwärmten Umgebung heraus nicht auf, um den oberen kälteren 
Platz zu machen, sondern sie bilden eine, mit größerer Spannung versehene, 
der Erde direkt anliegende Luftschicht. Sie werden stets versuchen, sich dieser 
ihrer Spannung gemäfs auszudehnen, sind aber dazu wegen des grofsen auf- 
Kegenden Gewichtes von 10333 kg auf den Quadratmeter — bei einem mittleren 
Luftdrucke von 760 mm — und bei schnell zunehmender Temperatur, wie wir 
sie in den Tropen des Morgens haben, nur sehr langsam im Stande. 
Von Schicht zu Schicht theilt sich bei weiterer Ausdehnung die gröfsere 
Spannung der höher liegenden Luft mit, und von hier aus flielst dann Luft 
seitwärts ab, und überall, wo sie hinströmt, nimmt dann natürlich der Druck 
zu. Durch diese Zunahme wird nun aber noch nicht sofort der. Seewind land- 
einwärts dringen, denn die über dem Lande sich befindende. mehr erwärmte 
Luft ist infolge gröfserer Spannung vollständig im Stande, jenem zunehmenden 
Gewicht auf dem Meere das Gleichgewicht zu halten, und vermag sie dieses 
so lange, als die Wärme hier schnell zunimmt, denn dann setzt das kolossale 
Gewicht der aufliegenden Luft, welches verdrängt werden soll, bei schnellem 
Ausdehnungsbestreben der unteren Schichten diesem Ausdehnen eine sehr starke 
Hemmung entgegen, und die hierdurch bewirkte Spannungszunahme ist gro(s 
genug, die Seebriese zurückzuhalten und sie bis 10 Uhr sogar noch mit Erfolg 
zurückzudrängen, weil bis dahin diese Spannungszunahme am Lande noch größer 
ist, als die Druckzunahme auf dem Meere durch oberen Zufluls vom Lande. 
Sobald nun aber von 10 oder 11 Uhr ab die Wärme langsamer zunimmt, dann 
ist der stetig vermehrte Druck auf dem Meere in der Lage, den Kampf mit 
Erfolg aufzunehmen: dann dringt die Seebriese landeinwärts. An ihrer Grenze, 
gegen die Windstille, geht nun das Aufsteigen der wärmeren Luft, welche vom 
Lande abgedrängt worden, vor sich. Warme Luft steigt stets an der kälteren 
auf, wenn sie damit in Berührung kommt, und ist dies wohl die hauptsächlichste 
Aufsteigung, mit der wir es in der freien Natur zu thun haben. . 
Um 10 Uhr liegt weit mehr Luft an Molekülen über dem Meere, als auf 
dem Lande, und von einer unbehinderten stetigen Cirkulation, so dafs dasselbe 
dem Bilde eines „Wagenrades in Bewegung“ gleicht, wie man sich vielfach die 
Sache gedacht, kann nicht die Rede sein. 
So lange die Wärme, wenn auch langsam, doch stetig zunimmt, so lange 
kann die Seebriese noch nicht zur vollen Geltung kommen, denn noch immer 
wirkt der Ausdehnungsfaktor durch die Wärmezunahme dem entgegen; erst 
wenn die Temperatur gegen 2 und 3 Uhr abnimmt, dann frischt sie auf und 
dringt nun unbehindert landeinwärts.
	        
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