accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Ueber Land- und Seewinde und deren Verlanf, 
hier nördlich längs der Küste läuft, so treibt das Schiff von selbst seinem 
Bestimmungshafen zu. 
Des Morgens gegen 9 Uhr setzt draufsen auch hier die Seebriese ein, 
womit man dann in den Hafen einlaufen kann; nur mufs man sich Zeit lassen, 
weil man bis 10 oder 11 Uhr noch leicht in der Nähe des Landes aus der 
Briese heraus und in Stille laufen kann, 
An der Westküste von Mexiko, in Marzanilla sowohl als in San Blas, 
sah ich verschiedentlich vor Eintritt der Seebriese, dafs die kleinen Fahrzeuge, 
Kanoes und dergleichen, die hier die Küsten besegeln, mit derselben sich von 
außen näherten. Flott blähten sich ihre Segel, und urplötzlich liefen sie in 
der Nähe des Landes in Windstille. Auch an der Küste von Brasilien habe 
ich den plötzlichen Uebergang von der frischen Seebriese in Windstille oft 
Gelegenheit gehabt zu beobachten, und überall, selbst an den ganz niedrigen 
Küsten, wie in Siam (Bangkok), kam dieselbe von aufsen herein und drang 
dann nach innen vor. 
Fragen wir uns jetzt, wie diese Thatsache, an deren Existenz nicht zu 
zweifeln und die der alten Anschauung von der Aspiration des stärker erwärmten 
Landes schnurstracks zuwiderläuft, zu deuten ist, so wollen wir zunächst, bevor 
wir diese Frage zu beantworten suchen, uns diese alte Anschauung noch einmal 
vergegenwärtigen und wählen zu diesem Zwecke die Darstellung des Herrn 
A. Mühry, eines der Hauptvertreter derselben. 
In seinem Werke: „Allgemeine Geographische Meteorologie“, Leipzig 
1860, auf Seite 83 sagt Mühry: „Die Winde entstehen zunächst und in eigent- 
licher Bedeutung des Wortes dadurch, dafs in einem Theile der Atmosphäre 
eine Verdünnung und Ausdehnung durch höhere Erwärmung stattfindet und 
infolge davon die benachbarten dichten Luftmassen angezogen werden; also 
entstehen die Winde im Allgemeinen durch Aspiration. Aber nothwendig mus 
auch an der Stelle, wo kältere Luft weggezogen ist, andere wieder eintreten, 
and häufig wird die erwärmte und aufgestiegene Luft eben in dieselbe Stelle 
zurückfliefsen mit senkrechter Rotation, woher der Aspirationswind gekommen 
ist. Eine solche rückfliofsende Luft kann man bezeichnen als Kompensations- 
wind, dieser ist demnach nur sekundär, Folge der Aspiration.“ 
Bei dieser Anschauung wird gänzlich von den Druckverhältnissen ab- 
gesehen und einfach die erwärmte Luft als ein aufgelockertes Aspirationsgebiet 
angesehen, Dafs dem nicht so ist, geht zur Genüge aus den oben angeführten 
Thatsachen hervor. In den Tropen hebt sich die Temperatur von 7 bis 9 Uhr 
sehr schnell und liegt um 8 Uhr am Lande schon weit über derjenigen auf dem 
Meere, und doch beginnt die Secbriese erst um 9 oder 10 Uhr. Mithin ist es 
jedenfalls nicht ganz richtig, wenn man bei einer stark erwärmten Luftmasse 
von vornherein als von einer aufgelockerten spricht. 
Wenn Mühry, nachdem er kältere Luft in dies sogenannte aufgelockerte 
Gebiet der erwärmten Luft hat einströmen lassen, das zweite theilweise Vacuum, 
welches die kältere Luft am Abflufsorte hinterlassen muls, wieder durch er- 
wärmte und aufgestiegene Luft ersetzen will, so begreift man nicht, wo zuerst 
diese aufgestiegene Luft sich hat aufhalten sollen, während sie doch sofort 
seitlich abfliefsen mufß, sowie die Niveaus gleicher Dichte geneigte Ebenen 
bilden. 
Hier hat die jetzt fast allgemein angenommene Vorstellung der Entstehung 
der Land- und Seewinde dieses voraus, dafs sie das Natürlichste und Nächste 
voransetzt, nämlich das Ausdehnen und Aufsteigen der erwärmten Luft, dann 
oberes Abfliefsen und nun durch die dadurch bedingte seitliche Druckzunahme, 
während unter dem abfließsenden Luftstrom Druckabnahme sich ausbildet, Druck- 
anterschied und Wind. Meine Ansicht über den Verlauf des Land- und See- 
windes ist nun folgende: Wenn die Temperatur am Morgen zu steigen beginnt, 
30 erwärmt sich das Land schneller, als das Meer und ebenfalls die aufliegenden 
Luftschichten. Die Wärme dehnt jedes einzelne Luftpartikelchen aus. Ueber dem 
Lande ruht nun eine ganze Schicht von durch die Wärme stark ausgedehnten 
Luftmolekülen nebeneinander, worüber die obere kühblere Luft sich wie ein Schirm 
ausbreitet, ohne jedoch schwerer zu sein, wie die untere Schicht, denn dazu 
gehört eine gröfsere Temperaturabnahme mit der Höhe, als für gewöhnlich vor- 
handen ist. . 
47?
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.