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Gemeinsamer Ausgangs-Meridian und Universalzeit,
yegenwärtige Zustand, welchem man abzuhelfen bestrebt sei, dadurch kaum ver-
bessert werden, weil Frankreich an seinem nationalen Meridian festhalten würde.
Die Anschauung des Professor Janssen bekämpften die Delegirten Eng-
lands und der Vereinigten Staaten mit den bereits auf der Konferenz in Rom
gegen einen neutralen Meridian vorgebrachten Gründen. Sandford Fleming
(Canada) führte an, dafs der Einführung einer solchen idealen Neuerung voraus-
sichtlich alle übrigen Nationen gleichmäfßfsig abgeneigt sein würden, während
die Annahme des Meridians von Greenwich als eine nahezu einstimmige erwartet
werden dürfe; zur Zeit benutzen diesen Meridian bereits 65%, aller Schiffe mit
72 %% des Gesammttonnengehalts von den Fahrzeugen aller seefahrenden Nationen.
Wenn demnach auch Zweckmäfsigkeitsgründe für die Annahme des Meridians
von Greenwich sprächen, so schlage er doch in Uebereinstimmung mit dem
Direktor des Kaiserlichen Observatoriums zu Pulkowa, Herrn Otto Struwe,
(Bericht an die Akademie der Wissenschaften zu St, Petersburg vom 30. Sep-
tember 1880) vor, den 180. Meridian von Greenwich als Nullmeridian zu be-
nutzen und die Länge bis 360° zu zählen, um alle nationalen Bedenklichkeiten
aus dem Wege zu räumen. Hierdurch würden die Irrthümer und Gefahren ver-
mieden werden, welche durch Beibehaltung des Meridians von Paris durch die
aine oder andere Nation entstehen könnten. Der Meridian durchschneidet nur
einzelne schwach bevölkerte und wenig civilisirte Länder. Er fällt ferner mit
der Linie zusammen, auf welcher nach altem Brauch die Seeleute den Datum-
wechsel vornehmen; der Beginn des neuen Datums würde identisch mit dem
der Stunden der kosmopolitischen Zeit sein. Die bei den Seeleuten gebräuch-
Jlichsten Ephemeriden, der Englische nautische Almanach, wären nur dahin zu
ändern, dafs statt mid-day gesetzt würde mid-night, und umgekehrt. Infolge
des grofsen Längenunterschiedes fielen alle Zweifel über kosmopolitische und
lokale Zeit fort.
Kapitän Sir F. Evans (England) erklärte, dafs mit ganz geringen Aus-
nahmen zur Zeit alle Nationen namentlich in den letzten Jahren um Entwickelung
der Hydrographie bemüht seien und ein Austausch der Ergebnisse stattfinde.
An der Hand statistischer Notizen wies er nach, wie schon gegenwärtig der
Meridian von Greenwich ganz überwiegend benutzt werde. Die englischen
Admiralitätskarten umfassen die Küsten aller beschiffbaren Theile der Erdkugel.
Die Zahl der im beständigen Gebrauch befindlichen Kupferplatten beträgt
2850—2900; zu ihnen treten Jährlich ca 60 neue hinzu; etwa 2700 Platten
erhalten jährlich Korrekturen. Gedruckt werden jährlich 180 000—230 000
Karten. Der Verkauf durch hierzu autorisirte Agenten in London und an
anderen Handelsplätzen des Königreichs betrug 1883: 157325 Karten, ca !/s
hiervon kauften Deutschland (1883: 7882), Frankreich, Italien, Oesterreich,
Russland, die Türkei und Vereinigten Staaten. Aufserdem veröffentlichen drei
Privatüirmen in London auf Grund der Admiralitätskarten 640 Specialkarten
für die kleineren Schiffsklassen der Kauffahrteimarine. Zu den Admiralitäts-
karten werden ferner 51 Bände von Segelanweisungen, von denen einzelne über
500 Seiten umfassen, veröffentlicht; zu ihnen kommen noch die Anweisungen von
Privatfirmen hinzu. An Nautical Almanacs wurden 1883: 15535 verkauft.
Der Antrag der französischen Delegirten „der Kongrefs wolle beschliefsen,
dafs der internationale Meridian einen durchaus neutralen Charakter haben und
lediglich so gewählt werden solle, dafs er der Wissenschaft und dem inter-
nationalen Verkehr die gröfstmöglichen Vortheile sichere, und dafs derselbe
keinen grofsen Kontinent, weder Europa noch Amerika, durchschneide“ wurde
mit 21 Stimmen abgelehnt. Für denselben erklärten sich nur Brasilien, Frank-
reich und San Domingo.
Der Antrag der Vereinigten Staaten:
2. „That the Conference proposes to the Governments here represented
the adoption of the meridian passing through the centre of the transit
instrument at the Observatory of Greenwich as the initial meridian for
longitude“
gelangte mit 22 Stimmen zur Annahme; Frankreich und Brasilien enthielten
sich der Abstimmung; San Domingo allein gab ein direkt ablehnendes Votum.
Zur Diskussion kam demnächst die Frage, in welcher Weise und in
welcher Richtung die Längengrade gezählt werden sollten,