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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Ueber Land- und Seewinde and deren Verlauf. 
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Süden und einer gegen Norden liegt. In den Wintermonaten ist dieses um- 
gekehrt, weil dann NW-Winde in die Bucht hinein stehen und der „Stille Ocean“ 
nun zeitweilig heftige Winde und gewaltige Wogen in dieselbe hineinwälzt, wo 
es dann schon vorgekommen ist, dafs die grofsen Granitblöcke der kaum fertigen 
Quaimauer wie Nulsschalen aus ihrer Verbindung heraus landeinwärts geschleudert 
worden sind; dann liegen die Schiffe mit ihren beiden besten Ankern nach NW 
aus vertäut. 
Sind die Anker gelichtet, so wird, wenn der richtige Augenblick ge- 
kommen ist, die letzte Verbindung mit dem Lande losgeworfen und der Schlepp- 
dampfer spannt sich vor, um das Schiff in die Briese hinein zu schleppen. (So 
nämlich lautete früher und vielleicht auch jetzt noch die Verabredung mit dem 
Schleppdampfer.) Nun werden so schnell wie möglich die Segel gesetzt, welche 
allerdings noch schlaff an den Masten herunter hängen, denn kein Lüftchen 
kühlt die drückende Luft in der völlig windstillen Bucht und dem angrenzenden 
Meeresstrich unter der Küste, Die Sonne scheint olıne Hindernisse durch den 
klaren Himmel herunter und macht dem Seemann sein Handwerk — und zu 
dem schwersten gehört so wie so schon das Setzen der gesammten Segelfläche 
recht sauer. 
Doch wir rücken der dunklen Grenzlinie, dort wo ein frischer Wind 
Kühlung verspricht, schnell näher; diese Linie ist eine scharf markirte und liegt 
z. B. um 10 Uhr noch eine Meile aufserhalb der Bucht von Valparaiso, jedoch 
beinahe stets zur selben Zeit auf derselben Stelle. In der Scheidelinie der 
Briese mit der Windstille liegt nun ein deutlicher Beweis, dafs Dr. Köppen’s 
oben ausgesprochene Ansicht: dafs die Reibung gegen das rauhe Festland die 
Ursache der Stillen an den Küsten ist, wenn draufsen schon Seebriese herrscht, 
wohl auszuschliefsen ist. 
Es ist, als wenn die Luft durch eine unsichtbare Scheidewand von der 
totalen Windstille getrennt wird. Das Land kann durch Reflex, wie Dr. Köppen 
glaubt, dieses unmöglich bewirken, denn eine Stunde später ist bei derselben 
Windrichtung und Stärke diese Grenze weiter nach innen verlegt, ohne dafs 
das Land dieses hat verhindern können, oder dafs in der Nähe desselben eine 
durch gröfsere Reibung verursachte Windstille verspürt wird. Im Gegentheil, 
ganz dicht unter Land weht der Wind dann am stärksten; was dann an der 
Küste nicht entlang will, das geht an dieselbe hinauf und über dieselbe hinweg; 
so ist es hier vor Valparaiso, wie zu Luv von St. Helena und sonst an steilen 
Küsten in den Nachmittagsstunden. 
Betrachten wir jetzt die Grenzlinie zwischen der Seebriese und der Wind- 
stille etwas genauer. Wir finden, dafs, wenn wir in dieselbe hineingeschleppt 
werden, unsere Vordersegel sich zuerst füllen und so urplötzlich und unter 
einem solchen Andrange, dafs die Segelfläche oftmals diesem Druck kaum ge- 
wachsen ist. Die Mittelsegel hängen dann noch machtlos und ohne einen Luft- 
zug zu verspüren, schlaff an den Masten auf und nieder; darauf füllen auch 
diese sich ebenso urplötzlich, und zuletzt die Hintersegel. Dafs dieser Vorgang 
schneller sich abwickelt, als ich es hier niederschreiben kann, brauche ich wohl 
nicht erst zu versichern. — Dann hat man alle Hände voll zu thun, um den 
Dampfer los zu werden, da derselbe nun nicht mehr vor dem schnell vor- 
dringenden Schiffe weg zu laufen vermag. 
Auf meinen verschiedenen Reisen nach Valparaiso habe ich oft Gelegen- 
heit gehabt, die geschilderten Verhältnisse zu beobachten. Liegt man ferner 
im Hafen von Iquique, so kann man die Seebriese sich langsam dem Hafen 
nähern sehen. Die Weifsköpfe zwischen der vom frischen Winde aufgewühlten 
Oberfläche des Meeres und der noch in Windstille liegenden spiegelglatten 
Wasseroberfläche in der Nähe der Küste sind so charakteristisch, dafs sie 
jedem Seemann aufgefallen sein müssen, 
Verläßt man diesen Hafen, um einen nördlichen Salpeterhafen, Mexillones 
oder Pisagua, anzulaufen, so lichtet man gegen Abend seine Anker und segelt 
mit frischem Süd- bis SW-Winde so weit vom Lande ab, dafs man in der Nacht 
gut frei liegt, und läfst das Schiff dann treiben. Zwischen 8 und 10 Uhr setzt 
dann für gewöhnlich Windstille ein, die meistens die ganze Nacht anhält und 
erst gegen Morgen von einem leichten Landwinde abgelöst wird, der in den 
Buchten und Häfen schon Nachts um 1 oder 2 Uhr einsetzt. Da der Strom
	        
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