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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Ueber Land- und Seewinde und deren Verlauf. 
Dr. Köppen führt dann die Reibung gegen das rauhe Land als Ursache 
für das spätere Einsetzen der Seebriese am Lande, als auf dem Meere an. Ich 
kann dieser Reibung nicht einen Werth beilegen, der zu Erscheinungen Ver- 
anlassung geben kann, wie wir sie in Folgendem aus eigenen Wahrnehmungen 
anführen wollen. Nichts hat für den Seemann beim An- und Absegeln der 
Küsten und Häfen in den Tropen einen größeren Werth, als das Vorhandensein 
von Land- und Seewinden, und ist es daher selbstverständlich, wenn wir unsere 
ganze Aufmerksamkeit diesen widmen, und ist wohl infolge dessen keiner mehr 
berechtigt, ein Urtheil hierüber zu haben, als eben der Seemann, dem überhaupt 
die Kenntnifs der Wind- und Wetterverhältnisse ein hauptsächliches Hülfsmittel 
zur guten Ausübung seines Berufes, des Seefahrens, ausmacht, daher er sie 
Nacht und Tag, in allem Wetter, in allen Verhältnissen und ohne Unterlaßs zu 
arweitern sucht. 
Wenn die Sonne sich südlich vom Aequator befindet, so liegt im Stillen 
Ocean das Maximum des Lufidrucks an der Grenze des SE-Passats in etwa 
30° S-Br querab von Valparaiso, mit seinem höchsten Luftdruck von 770mm 
ungefähr auf 110° W-Lg. Die Winde umkreisen die Luftdruckmaxima bekannt- 
lich in anticyklonaler Weise; in südlicher Breite derart, dafs sie den höchsten 
Luftdruck links und etwas nach hinten von sich lassen; so kommt es, daf(s 
dio Winde — und zwar neun Monate lang unausgesetzt — aus südwestlicher 
Richtung die Küsten von Chile und Peru treffen. Dieser SW-Wind ist es, der 
Nachmittags durch den Einfluls der Temperatur und die dadurch bedingten 
Luftdruckdifferenzen als Seebriese auftritt. 
In einer Entfernung bis zu 20 Meilen (engl.) von der Küste geht des 
Abends zwischen 8 und 10 Uhr die Seebriese in Windstille über. 
Der Landwind kommt an diesen Küsten die ganze Nacht selten nennens- 
werth zum Ausdruck, und dient wohl nur hauptsächlich dazu, den Seewind zu 
tödten; erst gegen Morgen tritt dieser Landwind dicht unter der Küste etwas 
auf, dringt jedoch selten weit ins Meer hinaus vor. 
Gegen 9 oder 10 Uhr des Morgens fängt dann draufsen der SW-Wind 
an, sich wieder dem Lande zu nähern. Um 11 Uhr dringt derselbe langsam in 
die Valparaiso-Bucht hinein. Die 
Grenze zwischen der frischen 
Seebriese und der Windstille ist 
deutlich ausgeprägt, so dafs, 
wenn man gegen 8 Uhr von SW 
her sich der Küste mit frischem 
Winde nähert, dieser urplötzlich 
in der Nähe derselben in Wind- 
stille übergeht, welche anhält, 
bis man von der Seebriese wieder 
überholt wird. 
Längs der ganzen Küste von 
Chile und Perw ist es ähnlich 80. 
Spätnachmittags weht der Wind 
dicht unter der Küste und in den 
Buchten überall am frischesten 
und hört dann zwischen 7 und 
8 Uhr für gewöhnlich auf; zu- 
weilen aber auch erst um 10 oder 
11 Uhr, und weht derselbe dann 
um 9 Uhr noch sehr stürmisch, 
wie ich dieses oftmals im Januar 
in Valparatso selbst erlebt habe, 
Ich war Zeuge, wie um 9 Uhr 
Abends die Kette eines chileni- 
schen Schiffes bei einem solchen stürmischen Seewind brach. Dieses Schiff 
lag noch vor den hier weit mehr gefürchteten „Norders“ verankert und hatte 
gegen den Südwind nur eine Kette aus, und diese war es, welche brach. 
Wenn unser Schiff in Valparaiso nun fertig ist, um den Hafen zu ver- 
lassen, so lichtet man mit Tagwerden seine drei Anker, wovon zwei gegen 
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