Ueber Land- und Seewinde und deren Verlauf,
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verschiedenen Stationen. z istdie Temperaturkonstante. und. y das arithmetische
Mitel er fünf größten ASMOEINSO dor mittferen Gänge, welche sich aus-der
nach Formel 5) abgeleiteten Kurve ergeben. Es soll 69° F —%t in keinem Falle
10° F überschreiten, abgesehen von Chronometern, welche für besondere Zwecke
kompensirt sind; auch darf der Werth 10* nur in dem Falle eines sehr kleinen
% nahe kommen; z soll niemals 0,006 überschreiten und sich diesem Betrag nur
bei sehr kleinen 69° F—t nähern. v darf nie 0,50° übersteigen.
Chronometer, welche die Bedingungen nicht erfüllen, werden den Fabri-
kanten zurückgegeben; waren sie Teparirt oder gereinigt, so sind sie unent-
geltlich neu zu kompensiren und von Neuem einer Prüfung zu unterwerfen,
Bei Ausrüstung der Schiffe ete, wird für die Wahl der Chronometer die
Temperatur in Rücksicht gezogen, welcher die Instrumente voraussichtlich aus-
gesetzt sein werden, so dals für heifse Klimas solche Instrumente verwandt
werden, deren Kompensationspunkt am höchsten liegt; umgekehrt bei Chrono-
metern für kalte Klimas. Schiffe, welche in kalten und warmen Regionen sich
aufhalten, erhalten Chronometer, deren Temperaturkonstante klein ist.
Ueber Land- und Seewinde und deren Verlauf.
Von Kapt. K, H. Seemann in Hamburg.1)
In dem Januar-Hefte 1884 der „Oesterreichischen Zeitschrift für Meteoro-
logie“ kritisirte Herr Dr. Köppen einige Stellen aus Prof. Hann’s „Handbuch
der Klimatologie“, wo auf Seite 106 die Entstehung der Seebriese auf die
Druckvermehrung in den oberen Theilen der erwärmten Luftsäule, als das
Primäre, zurückgeführt wird, welches erst später, sekundär, die Druckzunahme
am Boden der kälteren Säule bewirkt. Denn, sagt Prof. Hann, dafs nicht
nach der älteren Vorstellung das erwärmte Land direkt auf das Meer wirkt,
zeigt sich deutlich darin, dals die Seebriese nicht zunächst an der Küste,
sondern draußen auf dem Meere eintritt, wo der Luftdruck durch den oberen
Zuflufs am stärksten zugenommen hat,
Dr. Köppen bemerkt nun hierzu, daß aus dieson Darlegungen nicht
nothwendig hervorgeht, dafs die Seebriese von aufsen anfangen muls, und be-
gründet dieses mit den Worten: „Da dieser Zunahme des Luftdruckes über dem
Meere eine — bei Abwesenheit sonstiger Luftströmungen — genau gleiche Ab-
nahme derselben über dem Lande entspricht (es handelt sich um Verschiebung
einer bestimmten Menge Luft oben vom Lande) und da der entstehende Druck-
unterschied es ist, welcher den Wind bewirkt, 80 erscheint ein früheres Auf-
treten desselben auf dem Meero durch diese Umstände nicht erklärbar zu sein“,
Ferner sagt Dr. Köppen: „Dafs dennoch jene Darstellung von Dampier in
den meisten Fällen wohl zutrifft, namentlich aber in den tieferen Buchten und
Häfen die Seebriese erst später eindringt, dürfte nur an dem Widerstande der
vom rauhen Lande zurückgehaltenen Luft liegen, welcher Widerstand sich eine
Strecke weit in See fortpflanzt und erst überwunden wird, wenn die Druck-
differenzen bis zu einer gewissen Größe angewachsen sind. Die durch den
Lufttransport in der Höhe bewirkte Druckdifferenz vertheilt sich nothwendig
über eine Zone von gewisser Breite, und innerhalb dieser Zone kommen die-
jenigen Partien zuerst in Bewegung, bei welchen das Verhältnifs der Gradient-
größe zu dem Widerstande das günstigste ist; den Kontinuitätsbedingungen
wird dabei durch schwach vertikale Komponenten in den Bewegungen Genüge
yetihan werden,“
% Der von dem Herrn Verfasser zur Aufnahme in die Annalen übersandte Artikel ist unter
demselben Titel und mit geringen Aenderungen in der meteorologischen Manatsschrift „Das Wetter“,
No. 4—6, 1884, veröffentlicht.