Untersuchung der Chronometer zu Annapolis,
der des gewöhnlichen Thermometers ähnliche, inde(s oben offene, mit Theilung
versehene und unten spiralförmig gewundene dünne G]asröhre ist an einem verti-
kalen Holzgestell befestigt. Unten in das Quecksilber und oben in die Röhre ragt
je ein feiner Platindraht hinein. Der letztere von diesen wird ımit seinem
unteren Ende derart eingestellt, dafs er mit demjenigen Theilstrich der Skala
abschneidet, welcher der für den Raum gewünschten Temperatur entspricht,
Der Strom führt nun von einem Pol der Batterio zu dem oberen Platindraht,
durch die Quecksilbersäule, den unteren Platindraht, zu der Drahtspiralo eines
Elektromagneten und zurück zur Batterie. So lange die Temperatur die
normale ist, bleibt der Strom geschlossen, und der eine Arm des angezogenen
rechtwinkligen Ankers vom Elektromagneten drückt auf die Stange eines Ventils,
welches in die durch das Wärmzimmer geführte Gasrohrleitung eingeschaltet
ist; hiermit wird die Gaszufuhr zu den Breunern abgeschnitten. Fällt in der
Folge die Temperatur, so wird mit dem Sinken der Quecksilbersäule des Ther-
mostaten der Strom unterbrochen, der Anker des Elektromagneton losgelassen,
das Ventil durch eine Feder geöffnet, und Gas tritt zu den Brennern, bis bei
eingetretener normaler Temperatur im Wärmraume wiederum der Strom und
damit auch das Ventil geschlossen wird, Diese Einrichtung zur Regulirung der
Temperatur während der sechs kalten Monate des Jahres hat sich gut bewährt;
sie ermöglicht es, die Temperatur im Raum auf zwei Grad genau zu halten;
nicht selten differirt dieselbe innerhalb 48 Stunden nur einen Grad,
Die Chrönometer, welche in Bozug auf ihr Verhalten bei verschiedenen
Temperaturen geprüft werden sollen, befinden sich um den Thermostaten herum
an dem Rande eines in der Mitte des Prüfungsraumes aufgestellten runden
Tisches. Jedes der Instrumente hat seinen besonderen Behälter; zwischen den
Wänden der letzteren und denen der Chronometerkasten ist ein freier Raum
von ca 2,5m gelassen. Zur freien Lufteirculation sind die Boden der Behälter
mit Löchern versehen. Jeder Behälter hat seinen eigenen Deckel; während
des Vergleichs werden alle Deckel bis auf den des zu vergleichenden Chrono-
meters geschlossen, um so die Ausführung des Vergleichs mittelst des‘ Gehörs
zu erleichtern. Zu letzterem Zweck sowie zur erleichterten Annahme der
Zimmertemperatur Seitens der Chronometer sind ferner die Deckel der Instru-
mentkasten abgeschraubt, Die Ermittelung der mittleren Tagestemperatur
erfolgt mit Hülfe eines chronometrischen Thermometers (Chronometer ohne
Kompensation), sowie eines Maximum- und Minimum-Thermometers, welches
sich mit der Quecksilberspirale des Thermostaten und dem zu untersuchenden
Chronometer in gleicher Höhe befindet.
Durch ein für die Zeit der Beobachtung jedes Mal in den Raum ge-
brachtes Hygrometer wird der Feuchtigkeitsgehalt der Lufl täglich festgestellt,
Zur Regulirung des letzteren dient oin schornsteinförmiger Ventilator, unter
dem eine Gasflamme brenut.
Ein Vergleich der Chronometer mit der Normaluhr erfolgt täglich. Aus
den Beobachtungen von je sieben Tagen werden die täglichen Gänge und Stö-
rungen berechnet.
Alle neuen oder reparirten Chronometer werden vor der Abnahme, die
übrigen Instrumente vor ihrer Einechiffung einer sechsmonatlichen. Prüfung
unterworfen, welche ungefähr in der Mitte des Sommers oder des Winters be-
yinnt. In dem Prüfungsraumo bleiben die Chronometer ca 50 Tage lang.
Während dieser Zeit werden sie drei verschiedenen Temperaturen zwischen ca
7°—3832° 0, (etwa 13°, 21°, 29° C.) ausgesetzt, und zwar einmal bei steigender,
das andere Mal bei abnehmender Temperatur, oder umgekehrt. Es geschieht
dies in folgender Weise: Die Instrumente kommen bei einer Temperatur von
ea 11° C. in den Raum; nach einem bis zwei Tagen läfst man die Temperatur
big 13° zunehmen und dann sieben Tage lang konstant bleiben. Langsam
wird dann die Wärme im Zimmer auf 21° erhöht und nach einem oder zwei
Tagen wiederum eine Woche lang der Gang der Chronometer beobachtet; das-
selbe Verfahren wird angewandt, nachdem man langsam die Temperatur auf
29° hat steigen lassen. Demnächst wird die Temperatur auf ca 32° ©. erhöht,
einen oder zwei Tage gleichbleibend, hierauf auf. 29° wiederum fallen gelassen
und in umgekehrter Weise wie zuvor die Prüfung fortgesetzt. Erreicht man
bei dieser zweiten Prüfung nicht die gleiche Temperatur wie zuvor, 80 nimmt
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