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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Untersuchung der Chronometer zu Annapolis, 
der des gewöhnlichen Thermometers ähnliche, inde(s oben offene, mit Theilung 
versehene und unten spiralförmig gewundene dünne G]asröhre ist an einem verti- 
kalen Holzgestell befestigt. Unten in das Quecksilber und oben in die Röhre ragt 
je ein feiner Platindraht hinein. Der letztere von diesen wird ımit seinem 
unteren Ende derart eingestellt, dafs er mit demjenigen Theilstrich der Skala 
abschneidet, welcher der für den Raum gewünschten Temperatur entspricht, 
Der Strom führt nun von einem Pol der Batterio zu dem oberen Platindraht, 
durch die Quecksilbersäule, den unteren Platindraht, zu der Drahtspiralo eines 
Elektromagneten und zurück zur Batterie. So lange die Temperatur die 
normale ist, bleibt der Strom geschlossen, und der eine Arm des angezogenen 
rechtwinkligen Ankers vom Elektromagneten drückt auf die Stange eines Ventils, 
welches in die durch das Wärmzimmer geführte Gasrohrleitung eingeschaltet 
ist; hiermit wird die Gaszufuhr zu den Breunern abgeschnitten. Fällt in der 
Folge die Temperatur, so wird mit dem Sinken der Quecksilbersäule des Ther- 
mostaten der Strom unterbrochen, der Anker des Elektromagneton losgelassen, 
das Ventil durch eine Feder geöffnet, und Gas tritt zu den Brennern, bis bei 
eingetretener normaler Temperatur im Wärmraume wiederum der Strom und 
damit auch das Ventil geschlossen wird, Diese Einrichtung zur Regulirung der 
Temperatur während der sechs kalten Monate des Jahres hat sich gut bewährt; 
sie ermöglicht es, die Temperatur im Raum auf zwei Grad genau zu halten; 
nicht selten differirt dieselbe innerhalb 48 Stunden nur einen Grad, 
Die Chrönometer, welche in Bozug auf ihr Verhalten bei verschiedenen 
Temperaturen geprüft werden sollen, befinden sich um den Thermostaten herum 
an dem Rande eines in der Mitte des Prüfungsraumes aufgestellten runden 
Tisches. Jedes der Instrumente hat seinen besonderen Behälter; zwischen den 
Wänden der letzteren und denen der Chronometerkasten ist ein freier Raum 
von ca 2,5m gelassen. Zur freien Lufteirculation sind die Boden der Behälter 
mit Löchern versehen. Jeder Behälter hat seinen eigenen Deckel; während 
des Vergleichs werden alle Deckel bis auf den des zu vergleichenden Chrono- 
meters geschlossen, um so die Ausführung des Vergleichs mittelst des‘ Gehörs 
zu erleichtern. Zu letzterem Zweck sowie zur erleichterten Annahme der 
Zimmertemperatur Seitens der Chronometer sind ferner die Deckel der Instru- 
mentkasten abgeschraubt, Die Ermittelung der mittleren Tagestemperatur 
erfolgt mit Hülfe eines chronometrischen Thermometers (Chronometer ohne 
Kompensation), sowie eines Maximum- und Minimum-Thermometers, welches 
sich mit der Quecksilberspirale des Thermostaten und dem zu untersuchenden 
Chronometer in gleicher Höhe befindet. 
Durch ein für die Zeit der Beobachtung jedes Mal in den Raum ge- 
brachtes Hygrometer wird der Feuchtigkeitsgehalt der Lufl täglich festgestellt, 
Zur Regulirung des letzteren dient oin schornsteinförmiger Ventilator, unter 
dem eine Gasflamme brenut. 
Ein Vergleich der Chronometer mit der Normaluhr erfolgt täglich. Aus 
den Beobachtungen von je sieben Tagen werden die täglichen Gänge und Stö- 
rungen berechnet. 
Alle neuen oder reparirten Chronometer werden vor der Abnahme, die 
übrigen Instrumente vor ihrer Einechiffung einer sechsmonatlichen. Prüfung 
unterworfen, welche ungefähr in der Mitte des Sommers oder des Winters be- 
yinnt. In dem Prüfungsraumo bleiben die Chronometer ca 50 Tage lang. 
Während dieser Zeit werden sie drei verschiedenen Temperaturen zwischen ca 
7°—3832° 0, (etwa 13°, 21°, 29° C.) ausgesetzt, und zwar einmal bei steigender, 
das andere Mal bei abnehmender Temperatur, oder umgekehrt. Es geschieht 
dies in folgender Weise: Die Instrumente kommen bei einer Temperatur von 
ea 11° C. in den Raum; nach einem bis zwei Tagen läfst man die Temperatur 
big 13° zunehmen und dann sieben Tage lang konstant bleiben. Langsam 
wird dann die Wärme im Zimmer auf 21° erhöht und nach einem oder zwei 
Tagen wiederum eine Woche lang der Gang der Chronometer beobachtet; das- 
selbe Verfahren wird angewandt, nachdem man langsam die Temperatur auf 
29° hat steigen lassen. Demnächst wird die Temperatur auf ca 32° ©. erhöht, 
einen oder zwei Tage gleichbleibend, hierauf auf. 29° wiederum fallen gelassen 
und in umgekehrter Weise wie zuvor die Prüfung fortgesetzt. Erreicht man 
bei dieser zweiten Prüfung nicht die gleiche Temperatur wie zuvor, 80 nimmt 
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