Chronometerprüfung bei der Französischen Marine.
einer besonderen Probe unterworfen, zu deren Begründung der Bericht Folgendes
ausführt: ;
Die Kompensation eines Chronometers läfst sich dadurch erleichtern,‘)
dafs man die Schwingungen kleiner Amplituden durch Aenderung des Iso-
chronismus der Spirale etwas schneller macht. Das Chronometer bekommt
jedoch hierdurch eine Neigung zum Acceleriren, welche allerdings bei der
Prüfung nicht zu Tage treten wird, welche sich aber sehr unangenehm fühlbar
macht, wenn mit der Zeit die Verdickung des Oels eine Verkleinerung der
Schwingungsamplitude herbeiführt oder wenn die Bewegungen des Schiffes, das
Zittern der Schraube etc. auf die Amplitude der Schwingungen der Unruhe ein-
wirken. Aus diesem Umstande erklärt sich daher die Erscheinung, dafs solche
Chronometer an Bord andere Gänge zeigen als an Land, unter Segel andere
als unter Dampf, und es erscheint daher unerläfslich, den Isochronismus der
Spirale bei kleinen Schwingungsamplituden, d. h. den Einflufs der Aenderung
der Amplitude auf den Gang, mit in die Prüfung hineinzuziehen. Nach Urtheil
der besten Chronometermacher läfest sich nun die Spirale derartig reguliren,
dafs, wenn man die Amplitude der Schwingungen dadurch verkleinert, dafs man
die Triebkraft auf die Hälfte herabsetzt, das Chronometer nicht mehr als 1°
in 24 Stunden accelerirt. Es würde dies etwa der Aenderung entsprechen, die
die Schwingungsamplitude durch Dickerwerden des Oels in drei Jahren erleidet.
Hieraus ist nun die Bedingung ad 5 entstanden. Der Koefficient !/a wird da-
durch motivirt, dafs es sehr schwierig ist, eine völlig isochrone Spirale herzu-
stellen. Ein kleinerer Koöfficient würde der Wichtigkeit des Gegenstandes
nicht genügend Rechnung tragen,
Zu dieser Prüfung des Isochronismus bemerkt der Bericht noch: „Früher
haben Chronometer, bei denen die hier auf 1° normirte Acceleration 10 und 12°
betrug, noch mit Erfolg die Prüfung bestanden. Später war man erstaunt, dals
diese Instrumente auf See mittelmäfsige oder sogar schlechte Resultate ergaben.
Es ist unerläfslich, möglichst bald Abhülfe zu schaffen für diesen Zustand,
welcher zur Folge hat, .dafs für die Marine Instrumente beschafft werden, deren
Werth mehr scheinbar als wirklich ist.“
Der Bericht geht sodann über zur Festsetzung der zulässigen Grenzen
des Werthes N. Zum Bestehen der Prüfung wird es für nothwendig erachtet,
Grenzwerthe für jeden Theilbetrag zu normiren, welche dann, zu dem Gesammt-
betrage N zusammengefafst, dem Chronometer seine Klasse anweisen.
Die Grenzwerthe sind erhalten durch Beobachtung von 94 Chronometern
und werden, wie folgt, in Vorschlag gebracht:
A=—25 B=>V C=2 F=35 IJ=3
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Der Grenzwerth für J ist so hoch bemessen, weil die Prüfung des Iso-
chronismus neu hinzutritt und den Chronometermachern Zeit gegeben werden
soll, derselben Rechnung zu tragen. Kine Herabsetzung der Grenze für später
bleibt vorbehalten,
Die Gänge, welche zur Berechnung der einzelnen Werthe dienen sollen,
sind fünftägige Mittel. Sprünge der Chronometer werden hierdurch verdeckt
und kommen nur abgeschwächt in dem Resultat zum Ausdruck, Um jedoch
Chronometer mit zu unregelmäfsigen Gängen auszuschliefsen, wird vorgeschlagen,
solche Instrumente, bei denen zwei aufeinander folgende Gänge mehr als 2°
Differenz zeigen, ausscheiden zu lassen, ;
Als Grenzen der Klassen wird vorgeschlagen, für die erste Klasse (an-
zukaufen für 2000 Fres.) ein Maximalwerth von N = 5°, für die‘ zweite Klasse
(1800 Fres.) N =— 6°. Die Prämie von en für das im Laufe eines
Jahres als bestes zur Prüfung gelangte Chronometer soll beibehalten werden,
falls N unter 4° bleibt. Die Vorschläge dieses Berichtes sind nun in dem
neuen Prüfungsreglement vom 6. Juni 1882 zur Annahme gelangt. Aus diesem
Reglement selbst sei noch Folgendes hervorgehoben:
Verfertiger muß Franzose, das Chronometer in Frankreich gefertigt
und regulirt sein. Prüfungen finden statt vom 1. September bis Ende Januar
and vom 1. Januar bis Ende Mai. Die Chronometer‘ werden alle Tage, mit
1) Siehe „Handbuch der Navigation“, 2, Aufl., S. 182 unten. & MY 6
Ann. d. Hydr. ete.. 1885. Heft YID.