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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Aus dem Reisebericht der Deutschen Bark „Melusine“. 
Raum vorhanden ist, so mufs das Schiff vor dem Untersegelgehen recht Schlags 
yelegt werden. In Port Wakefield ist kein Trinkwasser zu haben; dieses müssen 
die Schiffe auf der Rhede von Port Adelaide an Bord nehmen. Wir verliefsen 
Port Wakefield am 3. März, kreuzten im Laufe des Tages nach Port Adelaide 
and ankerten daselbst um 10 Uhr Abends, Nachdem wir hier den nöthigen 
Proviant und das erforderliche Trinkwasser eingenommen hatten, setzten wir 
am Abend des 5. März die Reise nach Falmouth für Order fort. Bei einem 
Tiefgange von 6,2m (20 Fufs 9 Zoll) auf ebenem Kiel war das Schiff mit 
12287 Säcken = 1384 Tonnen Weizen beladen. (Die Tara wird pro Sack zu 
2°/s Pfund berechnet.) 
Nach den Aussagen von Führern vieler Küstenfahrer, mit denen ich hier 
bekannt geworden bin, scheint März der geeignetste Monat zu sein, um für die 
Reise von‘ Port Adelaide nach Europa die Route um das Kap der guten Hoff- 
nung zu wählen, weil in diesem Monat die meiste Aussicht auf SE-Windo an 
der Südküste von Australien vorhanden ist, Dieses bestätigten mir auch zwei 
Kapitäne von der „Elder & Smith-Linie“, deren Schiffe immer zwischen London 
und Port Adelaide fahren. Für die Reise von Port Adelaide bis Mauritius 
rechnet man 20 bis 25 Tage. Wie man mir ferner mittheilte, gehen die west- 
wärts segelnden Schiffe gar nicht in den Passat hinein, sondern sie verfolgen 
von Kap Leeuwin mehr die direkte Route nach Port Natal und von dort um 
das Kap der guten Hoffnung wie gewöhnlich. Auf dieser Route soll man, wie 
mir ein Kapitän mittheilte, der über 40 Reisen von Australien nach Südafrika 
gemacht hat, vorherrschend hoch nördliche Winde antreffen, die einen west- 
lichen Kurs einzuhalten gestatten, 
Trotz allen Anrathens, meine Rückreise um das Kap der guten Hoffnung 
zu machen, bin ich jedoch der mir von der Seewarte vorgeschriebenen Route 
gefolgt und habe die Reise um das Kap Horn ausgeführt. Der Erfolg zeigt, 
wie aus Nachstehendein hervorgeht, dafs dieses auch wohl das Beste ge- 
wesen ist, 
Am 7. Juli 1884 kam „Melusine“ nach einer Reise von 124 Tagen in 
Falmouth an. Hier hatte ich Gelegenheit, die Journale einer Anzahl Schiffe, 
welche gleichzeitig mit uns die Reise gemacht hatten, einzusehen und fand die 
Reisedauer einiger derselben, wie folgt: 
Schiff 
Amerik, „Onaway“ 
® „Nelly Brett“ 
Engl. „Silene“ 
„ America“ 
„ „Weathersfield“ 
Amerik. „Empire“ 
Route 
Die mittlere Reisedauer der vier Schiffe, welche um das Kap der guten 
Hoffnung fahren, beträgt also 126,5, diejenige der beiden, welche den Weg um 
das Kap Horn nahmen, 113,5 Tage. Es scheint also hiernach, sowie auch nach 
den Journalen der Schiffe, deren Reisedauer ich nicht näher aufgeführt habe, 
dafs die Reise von der Südküste von Australien nach Europa, auch wenn sie 
im März angetreten wird, im Mittel am besten ausfällt, wenn sie um Kap Horn 
and nicht um das Kap der guten Hoffnung gemacht wird, 
Wie aus meinem Journal hervorgeht, haben wir es auf der Strecke bis 
zum Kap Horn ausnahmsweise schlecht getroffen; bei nur mittelmäfsigen Ver- 
hältnissen sollte diese doch wohl in 45 Tagen zurückzulegen sein, anstatt der 
57 Tage, welche wir dazu benöthigten.!) Dann würde unsere ganze Reisedauer 
112 Tage betragen haben, in ungefährer Uebereinstimmung mit der mittleren 
1) Nach Ausweis des Journals hatte „Melusine“ während der Zeit vom 7, bis zum 23. April 
1884, in etwa 50° S-Br und zwischen 140° und 106° W-Lg, 13 Tage lang den Wind aus dem 
östlichen Halbkreise, wodurch ihre Reise, ebenso wie die einer Reihe anderer Schiffe, welche sich 
am diese Zeit auf dem Wege von der Westküste Nordamerika’s oder von den Südsee-Insein befanden, 
sehr verzögert wurde.
	        
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