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Aus den Reiseberichten S. M. S. „Stosch“,
Schiffe mit 3,05m und mehr Tiefgang für jeden Fuß (0,35m) mehr Tiefgang
6 sh. Ausgehend ist die Hälfte des einkommenden Lotsengeldes zu zahlen.
Aufser dem Lotsen darf Niemand ein Schiff, einschl. der Kriegsschiffe,
betreten, bevor dasselbe geankert hat und es zum freien Verkehr zugelassen
ist. Der Hafenmeister oder dessen Vertreter besucht alle einkommenden
Schiffe,
Wenn mehrere Schiffe einsegeln wollen, hat der Lotse das ihm zunächst
befindliche, welches die Lotsenflagge wehen hat, zu besetzen; nur wenn ein
Schiff mit Nothsignalen in Sicht ist, hat dieses den Vorzug. Wenn ein Lotse
an Bord zurückbleiben mufs, so müssen demselben 12 sh. pro Tag gezahlt
werden.
Für ein Verholen oder Verlegen im Hafen ist die schriftliche Erlaubnifs
des Hafenmeisters nothwendig, und darf dasselbe nur unter dessen Leitung
geschehen. Es ist dafür jedes Mal 1 Lstrl. zu bezahlen.
Schiffe, welche Wasser einzunehmen wünschen, müssen davon dem Hafen -
meister Anzeige machon und erhalten solches dann aus dem Regierungs-Reservoir
für 2 sh. 6 d. per Tonne.
In den Hafen darf kein Kehricht, Ballast oder sonstiger Abgang ge-
worfen werden, Diejenigen Schiffe, welche Ballast löschen wollen, müssen dem
Hafenmeister Anzeige machen, welcher dann den Platz dazu bezeichnet. Ebenso
darf ohne Erlaubnifs des Hafenmeisters kein Ballast vom Strande geholt werden.
Handelsschiffe, welche mehr als 100 Pfund Schiefspulver an Bord haben,
müssen ostwärts der Spitze Navy ankern und ihr Pulver im Pulver-Magazin
deponiren. Kein Schiffsführer, mit Ausnahme der Kommandanten von Kriegs-
schiffen, darf im Hafen ein geladenes Geschütz an Bord haben oder solches
abfeuern,
Aus den Reiseberichten S. M. S. „Stosch‘“, Kommandant
Kapt. z. See von Nostitz.
Reise von Hongkong nach Cooktown,
S. M. S. „Stosch“ verliels am 1. März d. J. 9* a. m. unter Dampf den
Hafen von Hongkong. Um den in diesem Monat noch stehenden NE-Monsun
zur Fahrt nach dem Ballintang-Kanal benutzen zu können, wurde dicht unter
Land .bis zur Insel Mendoza gedampft. Wider Erwarten blieb der Wind schral,
und mufste daher mit Kurs auf die Südspitze von Formosa weiter gedampft
werden. Das Wetter blieb bei gleichmäfsigem Barometerstande und mäf(sigen
östlichen Winden klar und sichtig.
Gegen Mittag des 2. März raumte der Wind so weit, dafs bei SO-Kurs
unter Segel allein durchschnittlich 5 Sm gemacht werden konnten. Am 3. um
2b p. m. flaute der Wind so weit ab, dafs das Schiff nur noch 3 Sm pro Stunde
lief. Da das Schiff gleichzeitig einen bedeutenden Leeweg machte, der Strom
auch im letzten Etmal 25 Sm nach SE setzte, wurde in zwei Kesseln Dampf
yemacht und die Reise unter Dampf mit Kurs auf den Ballintang-Kanal fort-
gesetzt.
Bei gleichem gutem Wetter mit etwas diesigem Horizont kam am 4. März
um 1% 30” p.m. die Insel Batan 30 Sm ab in Sicht, ebenso im Laufe des
Nachmittags Babuyan und gleich darauf Ballintang-I. Kin starker, nach Westen
setzender Strom wurde durch häufige Peilungen in der Passage konstatirt; der-
selbe setzte zwischen den Inseln bis zu 3 Sm pro Stunde, verlangsamte sich
dagegen auf 1,7 Sm etwa 40 Sm östlich von Babuyan.
Der nunmehr auf die Insel Jap gesetzte Kurs erwies sich als ungünstig,
weil der Wind stetig konträr blieb und der Strom südwestlich setzte; es wurde
daher abgehalten und S!/2O gesteuert, um die Molluca-Passage zu erreichen.