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Tiefseeforschungen im Karaibischen Meere,
Die früheren Temperaturmessungen in dem Golf von Mexico hatten in
einer Tiefe unter 1460m (800 Fad.) überall eine Temperatur von 4,2° C., der
normalen Temperatur des Aequatorialstromes in dieser Gegend, ergeben. Dies
mufste nach dem Erfahrungssatz, dafs in Binnenmeeren, welche durch eine unter-
sceische Wasserscheide von der Verbindung mit dem offenen Ocean abgeschlossen
sind, die Temperatur von dieser Tiefe abwärts bis zum Grunde gleichförmig
und gleich der des Oceans in der Tiefe der Wasserscheide ist, zu dem Schlufs
führen, dafs das Karatbische Meer, aus dem der Golf von Mexico sein Wasser
empfängt, von einer solchen Wasserscheide, deren tiefste Stelle 1460m betrüge,
eingeschlossen sei. Um dies zu konstatiren, wurden alle Passagen zwischen
den Inseln von Trinidad bis Cuba untersucht. Nur in der Windward-Passage
fand sich eine genügend tiefe Wasserscheide.
Aufserdem wurde aber eine schmale 2000m tiefe Rinne mit einer Boden-
temperatur von 3,3° entdeckt, welche in ein 4400m tiefes Bassin zwischen
Santa Cruz and St. Thomas führte, in welchem das Wasser am Grunde dieselbe
Temperatur zeigte. Da westlich davon, südlich von der Mona-Passage, die
Temperatur 4,2° betrug, so lag die Vermuthung einer ferneren Wasserscheide
zwischen Santa Cruz und Puerto Rico nahe. Dies zu untersuchen, war dem
„Albatrofs“ zur Aufgabe gemacht, und, wie erwartet, fand er einen Rücken,
dessen gröfste Tiefe 1645m (900 Fad.) und auf dem die geringste Temperatur
4,2° betrug.
Nach den Ergebnissen der bisherigen Forschungen hat das Hydro-
graphische Amt zu Washington ein die Bodengestaltung des Karaibischen Meeres
darstellendes Modell herstellen lassen und auf die Ausstellung in New-Orleans
geschickt, desgleichen ist hiernach eine Kartenskizze gofertigt und von dem
jetzigen Vorstande des Hydrographischen Amtes, Commander J. R. Bartlott,
mit einigen kurzen Notizen in Science, Cambridge Mass. Band V, veröffentlicht,
Nach der letzteren ist auch die diesem Hefte der Annalen auf Tafel 14 bei-
gefügte Skizze hergestellt.
Durch ein submarines Höhenplateau, welches sich in Verlängerung der
Windward-Passage bis zur Halbinsel Honduras erstreckt und gegen die letztere
hin sich verbreitert, wird das Karaibische Meer, dieses Plateau als besonderen
Theil mitgerechnet, in drei Haupttheile zerlegt. Der nordwestliche Theil wird
von diesem Plateau, Cuba, Yucatan und der Nordküste von Honduras ein-
geschlossen, der östliche Theil wird im Norden durch Hattı und Puerto Rico
begrenzt, im Osten durch die Kleinen Antillen und im Süden durch das
Amerikanische Festland.
Das erstere Bassin wird durch eine Bank, von welcher die Cayman-In.
and Misteriosa-Bank Theile sind und die als submarine Fortsetzung des Gebirgs-
rückens an der SO-Seite Cuba’s zu betrachten ist, wieder getheilt; das nördliche
Becken hat eine ziemlich gleichmäfsige Tiefe von 4550m; südlich liegt ein
schmales, aber theilweise sehr tiefes Thal, die sogen. Bartlett-Tiefo; es erstreckt
sich von der Windward-Passage bis in den Golf von Honduras, ist 700 Sm lang
und durchschnittlich 80 Sm breit; seine gröfste Tiefe beträgt 6269m (3428 Fad.),
zwischen dem Westende von Jamaica und Kap Cruz erweitert es sich, und er-
gaben die Lothungen hier 5500m (3000 Fad.) bis 15 Sm von Cuba und 5100 ın
(2800 Fad.) bis 25 Sm von Jamaica,
Der mittlere flache Theil des Karaibischen Meeres ist durchweg unter
1800m (1000 Fad.) tief, und auf ihm bilden die Insel Jamaica, sowie die vielen
zwischen dieser und Honduras liegenden Bänke, wie Pedro-, Rosalind-, Serra-
nilla-, Serrana-, Musquito-Bank etc., einen fortlaufenden Höhenrücken. Nach
Osten zu nehmen die "Tiefen allmählich zu, bis zwischen Haiti und Puerto Rico
im Norden und dem Festlande im Süden, beiderseits an den Küsten durch einen
flachen Gürtel eingesäumt, ein grofses Bassin von ca 200000 Quadr.-Sm mit
ziemlich gleichmäfsiger Tiefe, durchschnittlich 4750m (2600 Fad.), gebildet wird.
Die Tiefen nehmen von Westen nach Osten hin etwas zu, von 4000m (2200 Fad.)
bis 5100m (2800 Fad.), um dann östlich von der Linie St. Thomas— Margarita
bedeutend abzuflachen. Die vom „Blake“ gewonnenen Lothungslinien von
Dominica nach Bird-FI. und zurück nach Monserrat, sowie die Lothungen des
„Albatrofs“ von Puerto Rico nach Bird-I., von dort nach Trinidad und zurück
nach der Mona-Passage eryaben eine submarine Erhebung, welche in nord-