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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Eingänge von imeteorologischen Journalen etc., März 1885, 415 
25, September und sichtete Lizard am 2, Oktober, Von hier aus steuerte es, 
hegünstigt vom beständigen Ostwinde, einen solchen Kurs, dafs 30° W-Lg in 
34,5° N-Br am 10. Oktober überschritten wurde. Als südlichster Punkt wurde 
am 15, Oktober 33,4° N-Br in 44,5° W-Lg berührt und schliefslich am 29. Ok- 
tober, nur 27 Tage später als der Kanal verlassen worden war, und ohne 
während dieser Zeit von Stürmen beunruhigt worden zu sein, der Hafen von 
New- York erreicht. Noch ein anderes Schiff, der von G7braltar nach Philadelphia 
segelnde „J. W. Wendt“, legte den gröfsten Theil des Weges über den Ocean 
zurück, indem es sich in der Nähe von 36° N-Br hielt. Dasselbe verliefs die 
Straßse von Gibraltar- am 26. September und erreichte 29 Tage später die 
Mündung des Delaware. Ein weiterer Mitsegler, das auf der Reise von Triest 
nach Philadelphia begriffene Bremer Vollschiff „Doris“, welches den Atlantischen 
Ocean am 17. Oktober erreicht hatte, suchte in demselben das Passatgebiet auf. 
Es überschritt dessen, in 32° N-Br und 20° W-Lg gelegene polare Grenze am 
24, Oktober, legte, indem es sich später zwischen 21° und 22° N-Br hielt, die 
erforderliche Länge zurück und gelangte zur Mündung des Delaware am 
22, November. Von diesem Schiffe war die Fahrt: über den Ocean in 36 Tagen 
vollendet worden. Endlich war zur selben Zeit mit „Hedwig“ auch noch das 
Bremer Vollschiff „Port Royal“ auf einer Reise nach Nord-Amerika begriffen. 
Dasselbe hatte, nach Baltimore bestimmt, die Weser am 21. September verlassen 
und in der Nordsee dann, ebenso wie „Caroline“, sehr ungünstige Verhältnisse 
angetroffen, Trotz derselben blieb es, belehrt durch die von anderen Schiffen 
im Spätherbst früherer Jahre auf der Route Nord um Schottland gemachten 
ungünstigen Lrfahrungen, dem Entschlusse, durch den Kanal zu segeln, treu, 
passirte Dover am 3. Oktober und gelangte in Sicht von Lizard am 5. Okteber, 
demselben Tage, an welchem „Hedwig“ Fair Island erblickte. Der von nun 
an ebenfalls für längere Zeit von Ostwind begünstigte „Port Royal“ richtete 
geinen Kurs dann direkt auf die Gruppe der Azoren und konnte bis zum 
13. Oktober bis in Sicht von Flores vorrücken. Zu derselben Zeit befand sich 
„Hedwig“ noch in 55,2° N-Br und 24,7° W-Lg. Der noch weiter vom östlichen 
Winde begünstigte „Port Royal“ blieb bei seinem südwestlichen Kurse, bis 
34° N-Br erreicht worden war, und steuerte dann West, Es blieben dann 
auch ferner, obgleich westliche Winde nicht selten angetroffen wurden, östliche 
Winde vorherrschend und die von keinem Sturm beunruhigte Reise nahm daher 
einen weiteren befriedigenden Verlauf. Am 1. November, nur 27 Tage später 
als der Kanal verlassen worden war, an demselben Tage, an welchem „Hedwig“ 
sich noch in 48° N-Br und 36,2° W-Lg befand, passirte „Port Royal“ das 
Kap Henry. 
Das anfänglich die hoch nördliche Route befolgende Schiff hatte also 
außer der durch Stürme erschwerten auch noch die bedeutend längere Reise 
als die südlichere Routen aufsuchenden Mitsegler. Wenn nun auch eine einzelne 
Vergleichung wie die vorstehende überall und vor Allem in der so wechsel- 
reichen, fast unberechenbar erscheinenden Nordamerika-Fahrt nicht ausschlag- 
gebend sein kann, für den Schiffsführer auch nicht allein die Reisedauer von 
Lizard resp. Fair Island, sondern die von Hafen zu Hafen mafsgebend ist, 
auch das freiere Fahrwasser und die geringere Gefahr vor Kollisionen auf der 
hoch nördlichen Route von keiner geringen Wichtigkeit ist, so scheint doch 
nach allen bisherigen Erfahrungen eine Empfehlung der Route Nord um Schott- 
Jand für die in den letzten drei Monaten des Jahres die deutschen Häfen ver- 
lassenden, nach Nord-Amerika bestimmten Schiffe durchaus nicht empfehlens- 
werth. Die häufigen Stürme und die durch sie hervorgerufene, sich: kaum je 
legende hohe See, wie die langen Nächte und die geringe Wärme erschweren 
dann die Führung eines Schiffes in jenen Gewässern derartig, dafs selbst wenn, 
was noch dazu gar nicht häufiger als auf südlicher gelegener Route der Fall 
zu sein scheint, günstige Winde wehen, dieselben meist erst, nachdem sie 
einige Zeit geweht haben, voll ausgenutzt werden können. Die überaus langen, 
im höchsten Grade beschwerlichen Reisen von Schiffen, die in jenen Monaten 
jene Route aufsuchten, lehrten dieses in wiederholten Fällen und verschiedenen 
Jahren. In neuerer Zeit haben Deutsche Schiffe vom Kanal aus verhältnißs- 
mäßig häufig einen zwischen der direkten und der Passatroute gelegenen Weg 
über‘ den Ocean gewählt und auf demselben recht gute Erfolge erzielt. Einige. 
Ann. A. Hydr. ete.. 1885. Heft YIL
	        
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