Witterungs- und Eisverhältnisse an der Ostküste von Sibirien,
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hatte die gröfste, der E-Wind die kleinste mittlere Stärke. Von 8" a. m. bis
12% Mittags steigerte sich die mittlere Windstärke, worauf bis 8" p.w. wieder
eine Abnahme derselben sich vollzog. Von den Bergen fielen manchmal heftige
Stofswinde herunter. Stürme, d. h. Winde von Stärke 8 und darüber, wurden
3 Mal beobachtet, nämlich am 30. März WNW 8, am 13./14. April von SE 10
bis NW 10 und am 23. April SW 8 bis 9. Im ersten Falle änderte sich die
Windrichtung mit dem Zeiger der Uhr, von SW nach NW. Das Centrum des
Sturmes passirte also, in nordöstlicher Richtung fortschreitend, nordwestlich
vom Beobachter. Der zweite Sturm begann, wie schon bemerkt, von SE. Als
das Barometer seinen tiefsten Stand — 749,‚0mm -— erreicht hatte, wehte ein
leichter SW-Wind, worauf bei zunehmendem Luftdruck der Wind auf NW ging
und nochmals die Stärke 10 erreichte, um dann, allmählich zurückdrehend, ab-
zuflauen. Auch in diesem Falle schritt das Sturmfeld in nordöstlicher Richtung
fort, doch führte die Bahn seines Centrums nahezu über den Ort des Beob-
achters. Bei dem Sturm vom 23. April scheinen die Verhältnisse unregelmäfsiger
Art gewesen zu sein. Auf einen mäfsigen NW-Wind am Abend des 22. folgte
am Vormittag des 23. stürmischer SW-Wind, der bei langsam fallendem Baro-
meter gegen 8 p.m. auf SE2 abflaute.
Die zweite kleine Tabelle enthält die Mittelwerthe der Angaben über
den Druck und die Temperatur der Luft:
Beobachtungsstunde Anz. der Beobachtg. Mittl. Luftdruck Anz. der Beobachtg. Mittl, Temperatur
762,0 mm
761,4 „
671,3
7616 _
Die 3 Stunden zusammen 150
Der mittlere Luftdruck von 761,6mm für die drei Beobachtungstermine
Sh a. m., 12° Mittags und 8" p.m. scheint unverhältnilsmäfsig‘ hoch zu sein,
indem nach den „Annalen des Physikalischen Central - Observatoriums in
St. Petersburg“ der mittlere Luftdruck zu Wiadivostok in den Monaten März,
April und Mai der Jahre 1877, 78 und 82 nur eine Höhe von 758,6mm hatte.
Mit der fortschreitenden Jahreszeit erfolgte eine Abnahme des mittleren Luft-
drucks, nämlich von 764,2mm, für die Zeit vom 21. bis 31. März, auf 761,1 mm
für den Monat April und 760,3mm für die Zeit vom 1. bis 10. Mai. Diese
Abnahme des Luftdrucks dürfte ungefähr normal sein. Sie entspricht dem
mittleren Unterschiede des Luftdrucks der Monate März und April der Jahre
1877, 78 und 82, welcher 5,2mm beträgt. Die mittlere tägliche Schwankung
des Luftdrucks von 0,7mm ist entsprechend der geographischen Breite nur
gering. Indessen bieten die Zahlen der Tabelle keinen sicheren Anhalt für
die wirkliche Gröfse desselben, denn wahrscheinlich fallen sowohl das Maximum
als auch das Minimum des Luftdrucks auf andere Tagesstunden, als die der
Beobachtung. Der höchste während der ganzen Zeit beobachtete Luftdruck
war 773,3mm, der niedrigste 747,2mm, ‚so dafs also die absolute Schwankung
eine Höhe von 26,1mm erreichte. Der erwähnte höchste Luftdruck ereignete
sich am 23. März 8* a. m. bei schwachem W-Winde und schönem Wetter, der
este am 5. Mai 8% a. m. bei leichtem SW-Winde mit starkem Regen und
chnee.
Die mittleren Temperaturen der Luft für die einzelnen Beobachtungs-
stunden weichen, wie aus der Tabelle ersichtlich, nicht bedeutend von einander
ab; doch zeigt die Temperatur zuweilen grofse Sprünge. Dieses hat seinen
Grund in dem Umstand, daß der Küste von Wladivostok vom Meere warme,
vom Lande aber mitunter sehr kalte Luft zugeführt wird. Ein Umspringen des
Windes bewirkt deshalb sehr rasche Temperaturänderungen; so z. B. am 23. März,
als die Temperatur von —0,9° C, um 8 a. m. bei leichtem WNW-Winde auf
7,1° C. um 12 Mittags bei leichtem SE-Winde stieg. Das absolute Maximum
der Luftwärme wurde am 1. Mai um 12 Uhr Mittags bei leichtem W-Winde
mit 15,1° C. erreicht, während das Minimum derselben, —6,5° C., am 31. März
8h a. m. bei frischem NW-Winde eintrat. Die Zunahme der mittleren Temperatur
Ann. d, Hydr. etc., 1885, Heft VII.