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Witterungs- und Eisverhältnisse an der Ostküste von Sibirien,
Gegen 10 a. m. den 8. April trieb ein frischer südlicher Wind das Eis
aus der Paris-Bucht heraus. Am nächsten Vormittage war es windstill bei
dichtem Nebel. Nachmittags, als es aufklarte, sah man einen von Nagasaki
kommenden Dampfer, der das Eis zu durchbrechen versuchte. Dies gelang ihm
indessen nicht, und ging er deshalb in der Diomede-Bucht zu Anker. Am
17. April versegelte auch „Saturnus“ bei leichter südöstlicher Briese nach der
Diomede-Bucht, wo wieder für mehrere Tage Aufenthalt genommen wurde.
Am Nachmittage des 23. April erreichte „Saturnus“ den Hafen von
Wladivostok, Derselbe war jetzt ziemlich eisfrei, doch setzte am folgenden
Tage bei steifem westlichem Winde wieder viel Treibeis hinein. Die dänische
Bark „Michelle Selchau“, welche als drittes Schiff den Hafen erreichte, hatte in
der Bai sehr viel Eis vorgefunden, das durch die stürmischen westlichen Winde
von der Amur-Bai herüber getrieben worden war. Das Schiff war durch das
Eis leicht am Vorsteven beschädigt worden.
„Saturnus“ lag in Wliadivostok bis zum 10, Mai, an welchem Tage eine
Reise nach Nagasakı angetreten wurde. Während des 50tägigen Aufenthalts
an der Küste von Ostsibirien wurden von Kapt. Schade täglich — regelmäßig
um 8 a, m., 12° Mittags und 8% p, m. —- meteorologische Beobachtungen an-
gestellt, welche sich auf die Richtung und Stärke des Windes, den Luftdruck
und die Temperatur der Luft beziehen. Aufserdem sind allgemeine Bemerkungen
über den Zustand des Wetters gegeben. Die Beobachtungen wurden zwar nicht
an einem und demselben Orte gemacht, da aber die gröfste Entfernung zweier
dieser Orte nur 120 Sm beträgt, so darf man wohl annehmen, dafs die mittleren
Witterungsverhältnisse der verschiedenen Orte nahezu dieselben sind, weshalb
denn auch alle Beobachtungen im Zusammenhang behandelt wurden. Vom
21. März bis zum 3. April lag „Saturnus“ in Novgorodskoi, vom 3. bis 5. April
auf Pallada-Rhede, vom 5. bis 7. April befand man sich auf der Fahrt nahe
der Küste, vom 7. bis 17. April in der Paris-Bai (Oestlicher Bosporus), vom
17. bis 23. April in der Diomede-Bai und vom 23. April bis 10. Mai in
Wladivostok.
Die Korrektionen der von Kapt. Schade benutzten Instrumente sind vor
und nach der Reise auf der Seewarte ermittelt worden, In der nachstehenden
Zusammenstellung der Beobachtungsresultate ist der Luftdruck auf 0° Temperatur
reducirt. Da die Windrichtung anscheinend in den meisten Fällen nur nach
8 Strichen gegeben ist, so sind die wenigen zwischenliegenden Angaben in
dieser Aufmachung auf die Hauptstriche zurückgeführt.
Die zunächstfolgende Tabelle veranschaulicht die Windverhältnisse, indem
sie die Häufigkeit der verschiedenen Windrichtungen, der veränderlichen Winde
und der Windstillen in Procenten und die mittlere Stärke des Windes nach der
Skala von Beaufort ausdrückt:
Beobachtungs- Anzahl der
stunde 5 Beobachtg. X ie B
0
8 am Sf 2 6
% 6
12h Mittags 50 { Stärke 3
L
A
“
>
24
3
AU
a
8
3
1
2
D
% 9.4 uU 2 MM 10 7
8b p.m. 49 { Stälke 3 4 3 3 2 2 dd
; Zei 1 5
Die drei Zeiten 9/9 9 5 7 22 9 8 11 23
zusammen \ 150 4 Stärke 28 31. 19 30 20 36 29 34 10 ©
Während der Zeit vom 21. März bis zum 10. Mai 1883 waren demnach
SE- und NW-Winde die bei Weitem vorherrschendsten, und zwar traten beide
mit fast derselben Häufigkeit auf. Nahezu die Hälfte aller Winde war aus
diesen Richtungen. NE-Wind wurde am seltensten beobachtet. Die anderen
Winde vertheilen sich ziemlich gleichmäfsig auf die übrigen Striche des Kom-
passes. Windstillen kamen nicht selten und besonders in den Morgenstunden
vor, Ebenso wurden veränderliche Winde nur um 8$* a. m. beobachtet. Die
mittlere Stärke aller Winde erreichte nur 2,4 der Beaufort-Skala. Der SW-Wind