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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Temperatur und Färbung des Wassers in der Humboldt-Strömung. 
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Temperatur und Färbung des Wassers in der Humboldt-Strömung. 
(Nach einem Bericht des Kommandanten S. M. S.. „Prinz Adalbert“, Kapt. z. See Mensing I.) 
Um den Versuch zu machen, etwas dazu beizutragen, die Angaben über 
die Breitenausdehnung des die Peruanisch-Chilenischen Küsten bespülenden 
Theiles der Humboldt-Strömung zu präcisiren, welche bis jetzt — sowohl in den 
darüber handelnden Büchern wie auf den diese darstellenden Karten — sehr 
von einander abweichende resp. verschiedenartige Darstellung findet, wurden auf 
der Reise S. M. S. „Prinz Adalbert“ von Callao nach Valparaiso vom 14, bis 
21. März d. J. die Wassertemperaturen stündlich gemessen. Dieselben sind 
nachfolgend zusammengestellt, 
Nach diesen Messungen und den damit Tags über verknüpften Beob- 
achtungen der Wasserfarben hat es nun den Anschein, als wenn sich die 
Humboldt-Strömung nicht in der Breite, in welcher sie in den Stromkarten 
dargestellt ist, bewegt, sondern sich nur in geringerer Entfernung von der 
Küste Süd-Amerika’s als kalter polarer Strom nordwärts hinbewegt. 
Die Wärmemessungen ergaben einen Anhalt dafür, dafs die Temperatur 
der Humboldt-Strömung überall am Lande die niedrigste ist.”) 
Das gleichzeitige, Beobachten der Wasserfarbe führte zu dem Schluls, 
dafs das Gebiet der Humboldt-Strömung, also des kalten Wassers, ostseegrüne 
Färbung zeigt, wogegen das sich hieran schliefsende, nicht strömende, höhere 
Temperaturen, jedoch gleichen Salzgehalt etc. besitzende Oceangebiet azurblau 
gefärbt erscheint, ; 
Der Uebergang dieser Färbungen in einander entspricht demjenigen der 
Wassertemperaturen. Wechseln diese schnell oder ganz schroff, so erscheinen 
die Färbungen der verschiedenen Gebiete scharf getrennt dicht neben einander 
liegend, während allmählich in einander übergehende Temperaturen sich äufser- 
lich durch eine in gleicher Weise in einander fliefsende Färbung kennzeichnen. 
Die Grenze für den Uebergang aus einer Farbe in die andere liegt 
scheinbar zwischen + 18° C. und + 21° C.; das Tiefersinken resp. Höhersteigen 
dieser Temperaturen hat immer ein Dunklerwerden des grünen resp. blauen 
Wassers zur Folge. - 
Hiernach urtheilend, konnte schliefslich schon vor dem Messen, allein an 
der Färbung des Wassers; ungefähr auf Grade genau die Temperatur desselben 
angegeben werden. 
Dieser markante Unterschied in den Farben und der Temperatur der 
an der Westküste Süd-Amerika’s laufenden Gewässer erscheint auch für die 
praktische Navigirung insofern beachtenswerth, als es z, B. Schiffen, welche 
nach längerer Reise mit ungenauer Länge die während der Wintermonate oft 
tagelang von Nebel verhüllte Westküste Süd-Amerika’s ansteuern oder an dieser 
entlang segeln und wegen der grofsen und unregelmäfsigen Wassertiefen zu- 
verlässige Lothungen nicht erhalten können, ein Mittel an die Hand giebt, sich 
bei Tage durch die von der Beleuchtung nur in sehr geringem Maße beeinflufste 
Farbe des Wassers und durch Messen der Wassertemperatur, Nachts durch 
letztere allein, über den ungefähren Abstand von der Küste zu informiren, 
Weiter erscheint das beobachtete Nebeneinanderliegen grün und blau ge- 
färbten Meerwassers bei völlig gleichbleibender Beleuchtung, gleichem Salzgehalt, 
gleichem Grund und gleicher Tiefe interessant, als dadurch die Ansichten, 
welche den Salzgehalt, die Wassertiefe oder den Reflex des Himmels als Ursache 
der blauen Färbung des Seewassers aufstellen, entkräftet werden. Vielmehr 
scheint nach den vorstehend zur Sprache gebrachten Thatsachen die Ursache 
für die Färbung des Oceanwassers in der durch die Temperatur bedingten 
°) Vgl. diese Annalen 1882, S. 196, 360, 362. N 
%5) Die Ursache dieser Temperaturabnahme mit der Annäherung an die Küste Negt wahr- 
scheinlich darin, dafs durch den Humboldt-Strom das kalte Tiefenwasser nach der Küste zu nach 
oben gedrängt wird. Vgl. E. Witte, „Meeresströmungen“, Pless 1878, diese Annalen 1880, S. 192, 
und 1882, S. 362, Anm. d. Red.
	        
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