Die Paracel-Inseln.
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dem Maximum der Mondsdeklination und dem Durchgange des Mondes durch
den Aequator zurück. Es hängen demnach hier sowohl als auch in den
übrigen Theilen der Paracels, wie weiter unten ersichtlich, die Epochen des
gröfsten Fluthwechsels nicht von den Phasen, sondern von der Deklination des
Mondes ab.
Die in den Jahren 1881—1884 auf verschiedenen Inseln der Paracel-
Gruppe vorgenommenen Pegelbeobachtungen geben folgende Resultate:
Ort Erstes Hochwasser nach Höchstes Hochwasser Niedrigstes Hochwasser
. Neu- und Vollmond
Woody-I. 14./4. 1881 10h Q@p.m. 19./4. 1,23m 8 Tage nach 12./4. 0,67m 1 Tag nach
Mondsdurch- Mondsdurch-
gang durch gang durch
d. Aequator d. Aequator
25./3. 110m 7 „ » 20./3. 0,75m 2 „
8./4. 106m 7 „ » 1./4. 0,45m Mond im
Aequator
Nord-I, 20./3. 1882 10h 25m a, m,
Lincoln-X, 4./4. 1882 10% 45% a. m.
Drummond-I, 24./3. 1883 11h Om a, m.
Money-I, 8./4. 1883 10h 5m a.m,
Aus der Natur der bei den Paracel-In. auftretenden Gezeitenerscheinungen
folgt, dafs eine Ableitung der Hafenzeiten aus einer Hochwasserbeobachtung
am Tage vor Voll- oder Neumond ganz unzuverlässig ist, die gegebenen Zahlen
können daher nur als allgemeiner Anhalt angesehen werden.
Nach den spanischen Beobachtungen schreitet die Fluthwelle an der Küste
von Luzon von Nord nach Süd, an der Küste von Annam nach französischen
Beobachtungen dagegen von Süd nach Nord fort.
Aus diesen in entgegengesetzten Richtungen stattfindenden Bewegungen
mögen bei den Paracel-In, zuweilen unregelmäfsige Gezeitenbewegungen resul-
tiren, wie z. B. bei Duncan-I, am 20./3. 1883 ein Steigen, unterbrochen durch
dreistündigen Stillstand, von 6* a. m. bis 6* p.m. beobachtet wurde.
Die Strömungen bei den Paracel-In. sind das Resultat der herrschenden
Winde, namentlich der Monsune, und der Gezeiten und erscheinen daher sehr
unregelmäfsig. Der vom NO-Monsun hervorgerufene südwestliche Strom der
südchinesischen See tritt Anfangs Oktober auf, hält bis April an und ist stärker
and stetiger, als der vom SW-Monsun erzeugte, welcher von Mai bis Oktober
in ziemlich entgegengesetzter Richtung läuft. Der erstere, der seine gröfste
Stärke von 1—1,5 Sm z. B. im Dezember und Januar erreicht, hat zwischen
den Paracel-In. und Hinterindien im Allgemeinen eine südliche Richtung und ist
hier kräftiger und stetiger als östlich der Inselgruppe; zwischen derselben und
Pulo Zapata wird zuweilen auch NW—NNW-Strömung angetroffen.!) Die bei
den Paracel-In. und innerhalb derselben beobachteten Strömungen weichen zum
Theil sehr von denjenigen ab, welche westlich und östlich von diesem Insel-
komplex gefunden wurden, Bei Woody und Rocky-I. wurde hauptsächlich eine
westliche bis nordwestliche Strömung von durchschnittlich */« Sm p. h, zuweilen
aber auch eine sehr schwache östliche Versetzung beobachtet. In der Nähe
des Riffes fand an den Tagen von nur einmaligem Gezeitenwechsel ein Um-
setzen des Stromes statt. Der Fluthstrom lief alsdann auf. der NW-Seite von
Woody SW bis NW und der Ebbestrom NNO mit einer Geschwindigkeit, die
zuweilen. 1 Sm p. h erreichte, während auf der SW-Seite der Insel der erstere
nach SSO und der letztere nach NNW setzte. An den Tagen von zweimaligem
Gezeitenwechsel war ein Gezeitenstrom nicht ausgeprägt, sondern erwies sich
der Strom mehr vom Winde abhängig. Im SW der Mittel- und Südinsel der
Amphitrite-Gruppe wurde eine stetige nordnordwestliche Strömung beob-
achtet, Im Zappe-Kanal lief bei fallendem Wasser ein starker Nord-Strom, der
sich am nördlichen Ausgange des Kanals nach NW wendete. Auf der Insel
zwischen der Amphitrite-Gruppe und Lincoln-I. wurde bei S- bis SSO-Wind eine
Stromversetzung von 0'%N 0,5Sm p. h konstatirt, während an anderen Tagen
nördlich oder westlich von Lincoln bei denselben Winden kein Strom bemerkt
wurde. In der Nähe von Lincoln ist eine nordwestliche Fluthströmung
von 0,7—1 Sm p. h. und eine östliche, jedoch sehr schwache. Ebbeströmung
beobachtet.
N Van Heerdt, Reizen door de Chinesche Zee.