Navigirung an der Ostküste von Afrika ete,
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3. Durnford-Mündung.!)
Die Küste zwischen Lamu und dem Durnford-Flusse ist von mäfsigen
Bergrücken ohne hervorragende Erhöhungen eingefafst, mit einer fortlaufenden
Kette von davorliegenden Klippen und Inseln, Da keine künstlichen Land-
marken vorhanden sind, ist es schwer, sich zu orientiren. Erst nachdem durch
das Mittagsbesteck die Position des Schiffes genau festgelegt war, wurde Kurs
auf die Mündung des Flusses genommen und dieselbe mit den vorliegenden
Klippen Hoodliedges gefunden,
Von Süden kommend, können folgende Marken zur Auffindung des
Flusses dienen:
Etwa 10 Sm südlich von der Mündung steht eine Gruppe von dunkel-
gefärbten Basalt- oder Korallengesteinen ziemlich hoch am Ufer; dieselbe sieht
aus wie die Ruine eines alten Schlosses. Ehe man die Mündung ausmachen
kann, wird man westlich von Kap Kiembo (Foot-Spitze) zwei grofse dunkele
Felsmassen gewahr, welche den Eindruck von zwei verfallenen Thürmen machen.
Diese Gegenstände präsentiren sich aber vermuthlich nur, wenn man von SW
oder Süd ansteuert, während dieselben von anderer Richtung her sich vielleicht
gar nicht markiren.
S.M.S. „Gneisenau“ ankerte in den Peilungen:
Kiembo . 2.000, NSW
Hoodledge-Südinsel . . W248
auf 26m, grauem Sand mit Thon.
Die Auslothung der Barre ist in der auf Tafel 13 enthaltenen Skizze
niedergelegt.
Bei sorgfältiger Vermessung und Auslegung einiger Bojen kann die
Durnford-Mündung ein ausgezeichneter Hafen werden,
Die Ufer des Flusses sind hoch und bewaldet; Anlagen in unmittelbarer
Nähe des Ufers, bis zu welchem ausreichende Wassertiefe vorhanden ist, würden
keine Schwierigkeiten verursachen.
4. Juba.?)
Der Fluß Juba, der nur durch fruchtbares Land fliefst, ist für leichte
Boote weit ins Innere hinein schiffbar, Der Dampfer „ Welf“, welcher im Jahre
1865 die verunglückte Expedition des Barons von der Decken führte, gelangte
bis in die Nähe der Stadt Barder, wo er auf einem Felsen scheiterte, also
ca 140 Sm von der Küste. Es wurder ein Versuch gemacht, mit den Kuttern
S.M.S. „Gneisenau“ in den Flufs einzulaufen. Die Boote sollten zu Anker
gehen und sich nacheinander, wenn angängig, rückwärts mit einer schweren
500m Jangen Lothleine durch die Brandung führen, mit dem Bug die Brecher
arirend.
P Nach Verlauf von ca 2 Stunden kamen die Boote, welche, da au Land
eine Parlamentär-Flagge gezeigt worden war, ebenfalls cine solche führten,
zurück. Kin Passiren der Brandung war, selbst in der befohlenen Art, nicht
ausführbar. Als die Boote vor der Barre zu Anker lagen, kamen mehrere
Eingeborene auf mit Luft gefüllten Thierfellen durch die Brandung längsseit
der Boote. Der Dolmetscher erfuhr von ihnen, dafs die Barre gegenwärtig
nicht zu passiren sei und bis jetzt jedes Boot; welches dies bei Tage versucht
hätte, gekentert wäre. Am frühen Morgen aber könne man stets gut über die
Barre kommen. Ueber die bei Niedrigwasser befindliche Wassertiefe konnte
keine übereinstimmende Angabe erreicht werden, — die Angaben schwankten
zwischen 1 und 3m. Es ist aber zweifellos, dafs während der Monate März,
April und September, Oktober — zur Zeit des Monsunwechsels — die Schwierig-
keiten sich verringern. Die Brandung hat keine grofse Ausdehnung; man sieht
von See aus das ganz ruhige Wasser des Flusses. Es ist zunächst nur bei
günstiger Zeit die Richtung der tiefen Rinne zu konstatiren und durch an Land
aufgestellte Marken zu bezeichnen, sowie vor Beginn der Brecher eine oder
mehrere grofse Bojen zum Festmachen zu legen, um alle Schwierigkeiten sofort
erheblich zu vermindern.
‘) „Africa Pilot“, Part III, 1873, S. 382
5 x S. 388,
Ann. d. Hydr. etc, 1885, Heft VII.
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