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Navigirung an der Ostküste von Afrika etc,
der Welt ist es hier geboten, mit äufserster Vorsicht und Aufmerksamkeit zu
fahren und alle schwierigen Passagen nur bei Tage zu unternehmen, denn bei
dem geringem Handelsverkehr und der grofsen Küstenstrecke, für welche von
den eigentlichen Besitzern absolut nichts gethan wird, ist es wohl erklärlich,
dafs die Vermessungen einzelner Theile noch viel zu wünschen übrig lassen.
2. Lamu.‘')
Von Ozy Point bis Shella bietet die Küste den Anblick eines mit niedrigem
Gestrüpp bewachsenen Hügellandes von ca 50m Höhe mit weißem sandigem
Vorstrand.
Als gute Marke zum Ansegeln von Lamwu, wenn man von SW bis SO
kommt, dienen die South West Rocks und die Kanyika-Insel. Beide erscheinen
dunkel, aus schwarzem Gestein bestehend und vielfach von der See aus-
gewaschen. Sie heben sich gegen den weifsen dahinter liegenden Strand sehr
gut erkennbar ab.
S.M. S. „Gneisenau“ steuerte auf NzW !/2W-Kurs so lange, bis Kanyika-
Insel und South West Rocks an B-B. in Eins peilten, ungefähr 1,5 Sm nordöstlich
von Kanyika entfernt. Diese Deckpeilung giebt Sicherheit, den Bänken von
Dongo Kundo nicht zu nahe zu kommen, Von hier wurde NOzN gesteuert,
d. h. Kanyika-Insel recht achteraus, Shella-Spitze recht voraus gehalten und in
folgenden Peilungen geankert:
Lamu-SW-Spitze . . .
Shella-Bake . . . .
Kanyika-Insel .
Es ist überhaupt empfehlenswerth, sich mehr an die letzte Marke zu
halten, als einen festen Kurs zu steuern, da man dadurch der Wirkung des
unbestimmt in Richtung und Stärke setzenden Stromes begegnen kann.
Ras Kitao markirt sich gar nicht, es ist ganz nicdrig und flach. So
lange man sich in der Peilungslinie Kanyika und Shella befindet, hat man die
Kitao Knoll ca 1,5 Sm frei an St-B. und würde die weiter in der Bucht liegende
3 Fad.- (5,5m-) Stelle ca 0,5 Sm an B-B. passiren. Ein Schiff von über 5m
Tiefgang dürfte indessen ankern, sowie Lamw-SW-Spitze in NW%/aW Ceiren
m zum Kurse) peilt, und so noch seewärts der 3 Fad.- (5,5m-) Stelle
bleiben.
Die Lothungen ergaben vom Passiren Kanyika’s bis zum Ankerplatz
allmählich abnehmende Wassertiefen von 24—18 m.
Die auf Shella aufgestellte Bake ist sehr schlecht auszumachen,
Beim Verlassen von Lamu-Rhede steuerte S. M. S. „Gneisenau“ SO, bis
es von Kitao Knoll frei war.
Im SW-Monsun dürfte ein Liegen an dieser Stelle kaum möglich sein;
im NE-Monsun, der selten in der Nähe der Küste sehr stark weht, und gegen
den auch die Bänke einigen Schutz gewähren, ist der Ankerplatz ein guter.
Die Boote haben von hier aus einen Weg von 6—8 Sm nach der Stadt
Lamu zurückzulegen, und wird die Verbindung durch Strom und Seegang
erschwert.
Lamw ist ein schmutziger zerfallener Ort von ca 10000 Einwohnern,
Aufser einem Englischen Vice-Konsul wohnt kein Europäer dort. Der Ort ist
als Handelsplatz wichtig, weil sich von alter Zeit her die Stämme des Innern
gewöhnt haben, ihre Produkte hierher zu bringen und dafür andere Produkte
einzutauschen. Der Sultan von Zanzıbar unterhält hier eine Anzahl von Soldaten,
den Vali und die Zollbäuser. Einige alte Geschütze stehen theils frei am Ufer
des Flusses, theils in alten verfallenen gemauerten Werken. Die Soldaten
waren der Mehrzahl nach mit Luntenflinten bewaffnet. Unsere Flagge war in
Lamu völlig unbekannt, und erregte das Erscheinen unserer Boote sichtbare
Unruhe, wie denn auch während des Aufenthalts S. M. S. „Gneisenau“ einige
Kanonen und die alten Flinten geladen wurden. Die Bevölkerung ist sehr
gemischt und besteht nur zu einem sehr geringen Theil aus Arabern. Die
Postdampfer laufen Lamu an.
1) „Africa Pilot“, Part IH, 1873, S. 873.