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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Navigirung an der Östküste von Afrika etc. 
*31 
Bemerkungen über die Navigirung an der Ostküste von Afrika 
sowie einzelne daselbst gelegene Plätze, 
"Zusammengestellt nach den Berichten S, M.S. „Gneisenau“, Kommandant Kapt. z. See Valois,) 
(Hierzu. die Tafel 13.) 
1. Navigirung an der Küste. 
In den Segelanweisungen sind viele Unklarheiten und Widersprüche in 
Bezug auf die Navigirung an der Ostküste Afrika’s enthalten. Es ist schwierig, 
sich aus der grofsen Menge von Angaben, welche sich an verschiedenen Stellen 
zerstreut finden, eine richtige Anschauung zu bilden. Nach den. von S. M. S. 
„Gneisenau“ bisher gemachten Erfahrungen wird Folgendes hervorgehoben: 
Im nördlichen Theile des Kanals von Mozambique und bei der Passage 
durch die Comoren bis nach Zanzıbar sind nicht leichte nordöstliche Winde 
gefunden, wie dies der Fall sein sollte, sondern kräftige NW-Winde von an- 
haltender Regelmäfsigkeit bis in die nächste Nähe von Zanzibar; dann wurde 
der Wind nördlich und nordöstlich. - 
Das Passiren der Comoren bei Nacht, ohne vorher ein ganz genaues 
Besteck gehabt zu haben, ist gefährlich, da die Strömung dort in Richtung und 
Stärke völlig unberechenbar ist und von Ursachen abhängt, welche bereits vor 
Tagen Einfluls gehabt haben, also von den passirenden Schiffen nicht in Rück- 
sicht gezogen werden können. . 
Infolge der unverhältnifsmäfsigen Höhe dieser Inseln — Grofß-Comoro ist 
über 2440m hoch — sind sehr schnelle Windänderungen zu erwarten, und 
setzen mitunter Böen von orkanartiger Stärke ein, welche S. M. S. „Gneisenau“ 
zwangen, die Untersegel zu geien und die schon doppelt gerefften Marssegel 
laufen zu lassen. 
Es ist wiederholt betont und auch besonders in: der Karte markirt, dafs 
sich nördlich von Kap Delgado der nach Norden sich abzweigende Arm des 
Aequatorial-Stromes selbst gegen den NE-Monsun stets bemerklich macht. Da- 
gegen wird an anderer Stelle erwähnt, dafs die Strömung sich nach dem Winde 
richtet. Letzteres wurde bestätigt gefunden. Der NE-Monsun machte den nach 
Norden gehenden Aequatorial-Strom nicht nur häufig vollkommen todt, sondern 
verwandelte ihn in einen Gegenstrom bis zur Stärke von 2 Sm pro Stunde, 
wie folgende Beispiele zeigen mögen. 
Datum 
26. Januar 
7. Februar 
10.0 
il. 
13. 
14. 
15. ? 
Stromversetzung 
N35°W 12,1 Sm in 24 Stunden 
N27°E 140 „ 2 5 
S31°W 320 „ » 7 
S54° W 345 „ 7!” 
S61°W 265 „ » 95 
S42°W 545 „ » 5 
822°W 375 „ » 24 
NI4°E 744 a 24 
a 
Kommen nun Inseln, Sandbänke und Flufsrinnen mit Ebbe und Fluth 
noch in Betracht, so ist die äufserste Vorsicht geboten und jedes Fahren dicht 
an der Küste — es sei denn bei ganz klarem hellem Wetter — absolut ab- 
zurathen. ; 
Mit Ausnahme eines mangelhaft und unregelmäfsig brennenden Feuers 
an der Nordspitze von Zanzibar giebt es nördlich von Mozambique bis nach 
der Strafse von Bab el Mandeb an der ganzen Afrikanischen Küste kein 
einziges Feuer. 
Als Regel ist anzunehmen, dafs Lothungen keinen Anhalt gewähren; an 
den meisten Küstenstrecken ist die Tiefe bis dicht an Land so grofs, daß man 
selbst mit dem Tiefloth keinen Grund erhält, an anderen, bei vorliegenden 
Sandbänken oder Inseln, kann man, wenn man Grund bekommt, schon - im 
nächsten Augenblicke festlaufen. Mehr wie in irgend. einem . anderen Theile
	        
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