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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Der Ursprung der atmosphärischen Elektricität, 
Die meisten Blitze, welche nicht in der Wolke selbst überspringen, gehen 
dem Gewitter vorauf, ein Zeichen, dafs vorn der entgegengesetzt elektrische 
Zustand der Luft vorherrscht. Daraus läfst sich nun auch leicht erklären, 
warum das Gewitter den Blitzen nachfolgt. Wenn ein Gewitter sich nicht in 
einer Luftströmung befindet, so bewegt es sich vermöge seiner olektrischen 
Anziehung und Abstofsung selbst weiter. Die vor dem Gewitter befindliche 
feuchte Luft wird zunächst angezogen, bis durch Blitze und Kontakt das 
elektrische Gleichgewicht hergestellt ist, alsdann erfolgt Abstofsung, und die 
Luft hat, dem Gesetz der Trägheit folgend, das Bestreben, weiter zu fliegen, 
und theilt sich vor der Wolke in einen oberen und unteren Luftstrom. Der 
obere Luftstrom streicht über die Wolke hinweg und füllt die freiwerdenden 
Räume hinter derselben wieder aus und wirkt nun vermöge ihrer gleichnamigen 
Blektricität abstofsend. Die Anziehung auf der vorderen und Abstoflsung auf 
der hinteren Seite sind also die Kräfte, welche bei sonstiger Abwesenheit des 
Windes die Gewitter treiben. Der untere Luftstrom wird durch den elektrischen 
Regen ebenfalls abgestofsen und theilweise mit hinabgezogen, er kann den 
Regen nicht durchdringen, weil ihm dieser einen zu grofsen Widerstand ent- 
gegensetzt, und ist deshalb gezwungen, unten, in der Nähe der Erde, wieder 
umzukehren. Der Gewittersturm cirkulirt zwischen dem vorderen Theil der 
Wolke und der Erde, er ist ein Wirbel mit horizontaler Drehungsachse und trägt 
zur Entladung des Gewitters wesentlich bei. Das Gewitter vom 20. Februar 1879, 
welches Herr Dr. P. Andries in diesen Annalen 1884, S. 8, anführt, pafst auch 
zu der obigen Erklärung als Beispiel sehr gut. Man erkennt daraus die unab- 
hängige Bewegung eines Gewitters und die Fähigkeit, Wirbelstürme hervor- 
zurufen. 
Ueber die Fortbewegung der Gewitter in sonst ruhiger Luft ist Herr 
Dr. P. Andries anderer Ansicht und schreibt einer oberen Luftströmung diese 
Wirkung zu. Die Möglichkeit, dafs ein Gewitter theilweise oder ganz in einer 
Luftströmung schweben kann, ist allerdings nicht ausgeschlossen, doch sprechen 
auch andere Erscheinungen für die selbstständige relative Bewegung. Mehrere 
Gewitter, welche ich im vergangenen Jahre beobachtete, zeigten nach oben 
fetzenartige Erhöhungen, welche nicht auf das Vorhandensein einer oberen Luft- 
strömung in der Bewegungsrichtung schliefsen liefsen, sie hatten vielmehr Neigung 
nach rückwärts. Die Bewegung der Gewitter, sowie auch die der Zickzack- 
und Kugelblitze ist eine selbstständige und hängt gar nicht von der Bewegung 
der Luft ab; vorn Anziehung, hinten Abstofsung, sind die Kräfte, welche den 
im höchsten Grad elektrischen Massen die Bewegung verleihen. Gewitter und 
Blitze bewegen sich also, wie andere elektrische Körper, durch ihre eigene 
elektrische Kraft. 
Was ferner den Einflufs des Regens auf die Luft betrifft, so will ich nur 
anführen, dafs in der Technik die Wirkung einer Wasserbrause zum Betriebe 
von Ventilationsanlagen benutzt wird, und trägt auch der Gewitterregen viel 
bei zur Entstehung des Gewittersturmes. Wenn ein Gewitter sich in Luft be- 
findet, welche die gleichnamige Elektricität hat, so findet natürlich keine An- 
ziehung, also auch kein Gewittersturm statt. Die Luft, welche der Regen im 
arsten Moment mit hinabzieht, wird auf der Erde komprimirt und verhindert 
dann ein weiteres Nachströmen des Fallwindes. 
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