Der Ursprung der atmosphärischen Elektricität.
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nach der Seite blasen kann, ersetzt man die Lichtflamme durch eine Drahtbürste,
welche mit einer Leidener Flasche in Kontakt steht, so wird die Elektricität
wieder aufgefangen. Die Uebertragung der Elektricität durch die Luft ist eine
der allgemeinsten Erscheinungen und kommt überall da vor, wo elektrische
Körper und Luft einander berühren.
Es fragt sich nun noch, ob die Luft, namentlich wenn sie feucht ist,
auch durch Influenz elektrisirt werden kann. Daran wird aber Niemand zweifeln,
denn man hat ja den deutlichsten Beweis dafür an dem elektrischen Zustande
des Erdbodens und der darüber befindlichen Atmosphäre. Wird nun in einem
Quantum Luft die Elektrieität vertheilt, und werden nachher die mit entgegen-
gesetzter Elektricität geladenen Luftmassen getrennt, sei es, dafs dieses durch
Luftströmungen oder auf andere Weise geschieht, so hat dadurch die Entwickelung
neuer Elektricität stattgefunden,
Wenn die Luft trocken ist, so nimmt die Erde, wie die Versuche von
Saussure, Arago, Schübler und Anderen gezeigt haben, stets negative, die
Luft positive Elektricität an. Bis zu einer Höhe von 3 bis 4 Fufs kann bei
ruhiger Luft der elektrische Zustand mit dem der Erde übereinstimmen,
Saussure fand, dafs die Stärke der entgegengesetzien Elektricität mit gröfserer
Höhe zunimmt, was auch durch Buquerel bestätigt wurde. Diese Zunahme
findet indessen nicht bis in die höchsten Höhen statt, denn mitunter haben
übereinanderliegende Luftschichten wechselnde Vorzeichen, auch ist zuweilen
die Luft negativ und die Erde positiv elektrisch, letztere Erscheinung ist aber
nur lokaler Natur und rührt von negativ elektrischen Wolken her. Was auch
der Luftelektrieität für ein Vorzeichen zukommen mag, die Erde hat stets die
entgegengesetzte Elektricität, und diese Erscheinung beruht auf Influenz.
Nach Schübler ist die Luft bei trübem Wetter stets positiv elektrisch
und im Winter mehr als im Sommer. Dieses stimmt mit den Beobachtungen
Dellmann’s überein, wonach die Luftelektricität im Mai am schwächsten ist,
von da an bis in den Dezember wächst und dann wieder bis in den Mai ab-
nimmt. Die fast permanente Ableitung positiver Elektricität aus der Luft zur
Erde berechtigt zu dem Schlusse, dafs die oberen leitenden Schichten der Erd-
atmosphäre. eine unerschöpfliche Quelle positiver Elektricität sind und dafs die
Erde in gleicher Weise eine Quelle negativer Elektricität sein mufs, denn sonst
würde die Erde einen positiv elektrischen Zustand annehmen. Ferner findet in
denjenigen Zonen, in welchen Sommer ist, durch die Wirkung der Sonnenwärme
die Entwickelung der Elektricität vorzugsweise statt, während in denjenigen
Zonen, in welchen Winter ist, die meiste Elektricität durch die feuchte Luft
wieder zurückströmt. Demnach dürfte es als wahrscheinlich zu erachten sein,
daß die aufwärts gerichteten Luftströme eine Menge Elektricität mit hinauf-
nehmen und an die Schicht der besten Leitungsfähigkeit abgeben. In dieser
Schicht kann sich die Elektricität über die ganze Erdatmosphäre ausbreiten
und da wieder herabströmen, wo die Gelegenheit am günstigsten ist. Die Erde
and die höhere leitende Schicht ihrer Atmosphäre bilden also gewissermafsen
zwei ineinander befindliche Konduktoren mit entgegengesetzter Elektrieität, und
kann zwischen beiden sowohl Influenz als auch Ueberströmung stattfinden.
Die Trennung der positiven und negativen Elektricität findet vorzugs-
weise in der Nähe der Erdoberfläche statt. Um die Erscheinung zu erklären,
nehme man an, die Luft habe gar keine Elektricität, nur möge auf der Ober-
fläche der Erde zwischen dem Sauerstoff der Luft und den Metallen des Erd-
bodens eine kleine elektromotorische Spannungsverschiedenheit existiren. Ferner
denke man sich einen steilen Bergabhang den Wirkungen der Sonnenstrahlen
ausgesetzt, so werden durch Erwärmung die untersten Luftschichten in die Höhe
getrieben und durch nachströmende Luft ersetzt. Es wird also eine Luft-
cirkulation in Thätigkeit gesetzt. Die Luft, welche in warmen Jahreszeiten
stets Wasserdämpfe mit sich führt, nimmt, nachdem sie einige Zeit an der Erd-
oberfläche entlang geströmt ist, infolge ihrer elektromotorischen Spannung
positive Elektriecität an, und diese wird für die Dauer der Cirkulation ununter-
brochen in höhere Luftschichten befördert. Wesentlich stärker wird erst die
Wirkung, wenn die positive Elektrieität sich in einer Wolkenschicht ansammelt
and durch Influenz die Spannung der negativen Elektricität auf der Erde ver-
mehrt wird, dadurch findet. die Elektrisirung der Luft nicht. nur durch die
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