Kleine hydrographische Notizen.
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während der übrige Himmel klar war. Das Schiff steuerte bei einer mäfsigen
SW-Briese nach NNW. Plötzlich wurde nahebei in der Richtung WNW eine
Erscheinung wahrgenommen, welche man zuerst für ein Schiff hielt, sich jedoch
als Wasserhose erwies. Das Schiff wurde nach St-B. gelegt, so dafs die
Nocken der Unterraaen beinahe das Wasser berührten,, der Bug wurde von
NNW nach SSO herumgeworfen und die Segel in Fetzen zerrissen. Als der
Wind sodann von St-B. einkam, richtete sich das Schiff auf, um sich nach der
anderen Seite so weit überzulegen, dafs die Regeling unter Wasser war, Grofe-
and Kreuzmast wurden im Moment weggerissen; dann wurde es mit einem Male
yanz still, und das Schiff kam wieder in die Höhe. Nach Schätzung des
Kapitäns dauerte das Ganze nur 2 oder 3 Minuten. Während das Schiff unter
dem Einflufs der Wasserhose stand, zeigten sich auf allen Eisentheilen des
Schiffes St. Elmsfeuer.
3. Flaschenpost. a) Von S. M. S. „Nymphe“ ist am 12. Dezember 1878
um 1% p. m, durch den Kapt.-Lieut. Rittmeier auf der Reise von Bahia nach
Barbados in 4° 15’ 14“ N-Br und 48° 19‘ 26“ W-Lg eine Flasche über Bord
geworfen worden; diese Flasche hat ein Eingeborener von Grand Cayman am
9. Mai. 1884 an der SW-Küste der Insel, in der sogenannten West Bay, auf-
gefunden, Der in der Flasche enthaltene Zettel wurde durch Vermittelung des
Herrn A, W, Brenner in Grand Cayman und des Kaiserlich Deutschen Kon-
sulats zu New-Orleans eingesandt. Die Flasche hat nach den Angaben des
Zettels und nach den bekannten Voraussetzungen, die aber hier wohl schwerlich
zutreffen, in 1975 Tagen (5'/s Jahr) einen Weg von 2067 Sm in der Richtung
rw. N65°4‘W zurückgelegt.
b) Von S.M.S. „Nymphe“ ist am 12. Dezember 1884 um 12" Mittags
durch den Korv.-Kapt. von Reiche auf der Reise von Demerara nach Dominica
in 11° 19’ 11“ N-Br und 58° 1‘ 42“ W-Lg eine mit Sand beschwerte Flasche
über Bord geworfen worden; diese Flasche ist, an der Küste in tiefem Wasser
schwimmend, von dem Lotsen Me. Geil aus Belize am 6. April d. J. ’um
2 25° p.m. in 17° 16‘ N-Br und 87° 40‘ W-Lg aufgefischt und der darin
befindliche Zettel durch Vermittelung des Führers des im Hafen von Belize
liegenden deutschen Schiffes „/nverallen“, Kapt. Joh. Schultz, eingesandt
worden. Die Flasche hat hiernach in 112,1 Tagen einen Weg von ca 1769 Sm
in der Richtung rw. N 78° 22‘ W zurückgelegt, mithin ca 15%4 Sm den Tag,
ec) (D. S.) Durch Vermittelung des Deutschen Konsulats in Rio Grande
do Sul (Brasilien) .und des Lotsenkommandeurs der Station bei der dortigen
Barre ist der Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von dem
deutschen Schoner „Adler“, Kapt. C. Schoemaker, auf der Reise von Genua
nach Amapala (Westküste von Central-Amerika) am 25. Januar 1885 auf
32° 0‘ S-Br und 46° 5’ W-Lg über Bord geworfen und am 13, April 1885 an
der Küste von Brasilien bei der Barre von Rio Grande do Sul in ungefähr
32° 7‘ S-Br und 52° 4‘ W-Lg durch einen Lotsen aufgefunden wurde. .
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 78 Tagen etwa
300 Sm nach W!/sS zurückgelegt.
d) (D.S.) Der Seewarte ist ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher
son dem deutschen Dampfer „Kronprinz Friedrich Wilhelm“, Kapt. D. Köhlen-
beck, auf der Reise von Montevideo nach Bremen am 23, März 1885 auf
9° 34’ S-Br und 33° 18‘ W-Lg über Bord geworfen und am 4, April 1885 an
der Küste von Brasilien bei Praia Ponta de Campina, 9 Sm nördlich von dem
Kap Branco und eben südlich der Mündung des Parahyba-Flusses, auf etwa
7° 0‘ S-Br und 34° 49‘ W-Lg, durch den Fischer Thomaz aufgefunden wurde,
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 12 Tagen
178 Sm nach NNW*%/4W zurückgelegt.
e) (D.S.) Durch Vermittelung des Deutschen Konsulats in Maceio (Brasilien)
ist der Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von dem deutschen
Dampfer „Argentina“, Kapitän Chr. Boie, auf der Reise von Lissabon nach
Bahia am 7. April 1885 auf 10° 24‘ S-Br und 35° 832‘ W-Lg über Bord ge-
worfen und am 14. April 1885 an.der Küste von Brasilien; auf der Barre vor
der Mündung des Flusses San Miguel, in etwa 9° 50' S-Br und 35° 49‘ W-Lg
durch den Fischer Cupertino aufgefunden wurde.