Eingänge von meteorologischen Journalen etc, Februar 1885,
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14. Reise der Bremer Bark „Marie Louise“, Kapt. N. J. Behring,
Die auf einer Reise von Liverpool nach Hongkong begriffene Bark „Marie
Louise“ stand am 27. August 1883 in 50° N-Br und 7,5° W-Lg. Dieselbe
segelte von dort bei westlichen Winden, deren Richtung meistens. eine raume
und deren Stärke nicht selten eine unerwünscht grofse war, südwärts, Als sie
sich am 5. September in geringer Entfernung von 39° N-Br in 14° W-Lg be-
fand,.. veräuderte sich dort der mäfsige Wind durch N nach NE, um sich von
nun an ungestört im letzteren Quadranten zu halten. Aus diesem Winde ent-
stand der Passat, ohne dafs vorher eine Störung beobachtet wurde. In der
Nähe von 31° N-Br in 19,7° W-Lg, wo der Ostwind für mehrere Wachen bis
zum leisen Zuge abgenommen hatte, schien am 10. September die polare Passat-
yrenze zu liegen. Der Passat begleitete die Bark bis nach 11,2° N-Br in 26,3°
W-Lg. Als sie sich am 20. September in der Nähe dieses Punktes befand,
aprang der ganz schwach gewordene Wind plötzlich um nach SW, und es folgte
nun der, später jedoch nur unbeständig auftretende, von starker‘ östlicher
Strömung begleitete SW-Monsun. Man rückte bei demselben, mit St-B-Halsen
segelnd, bis zum 1. Oktober nach 3,6° N-Br in 19,8° W-Lg vor, wendete
dort zum letzten Male und legte darauf. bis zum 4. Oktober die Strecke bis zu
dem in 24° W-Lg überschrittenen Aequator zurück. Um zu demselben von
50° N-Br her zu gelangen, waren 38 "lage erforderlich gewesen. Während
dieser Zeit hatte man: 40° N-Br in 13° W-Lg am 4. September, 30° N-Br
in 20,2 W-Lg am 10. September, 20° N-Br in 24,6° W-Lg am 15. September
and 10° N-Br in 25° W-Lg am 21. September gekreuzt. Am 4. Oktober ging
in 21,4° W-Lg auch die von Cardiff nach Singapore bestimmte Bark „Richard
Rickmers“ von nördlicher in südliche Breite über. Dieselbe hatte sich am
3. September ‚in Sicht von. den Scilliy-Inseln befunden. Am Mittage des 20, Sep-
tember,.‘ an. welchem Tage der NE-Passat bei beiden Schiffen gleichzeitig
endete, stand „Marie Louise“ in 11,3° N-Br und 26;3° W-Lg und. „Richard
Rickmers“ in 13,4° N-Br und 25° W-Lg.
Im Südatlantischen Ocean wurde „Marie Louise“ nur bis nach 16,8° S-Br
in 29,5° W-Lg‘ vom Passate begleitet. In geringer Entfernung von diesem
Punkte endete derselbe am 11. Oktober in Stille. Auf diese folgte später
wieder ein sehr lange Zeit anhaltender, sich langsam nach links verändernder
Ostwind, bei dem man den ganzen noch vorliegenden Theil des Weges zum
ersten Meridian zurücklegte. Bei leichtem, nordwestlichem Winde ging „Marie
Louise“ am 30. Oktober in 42,2° S-Br von westlicher in östliche Länge- über,
Der 30. Oktober war der 26, bis dahin in südlicher Breite zugebrachte Tag.
Während dieser Zeit hatte man: 10° S-Br in 28,9° W-Lg am 8. Oktober,
20° S-Br in 29,3° W-Lg am 13. Oktober und 30° S-Br in 33,1° W-Lg am
20. Oktober geschnitten. Der Mitsegler „Marie Louise“ war am 28. Oktober
in 39,6° S-Br von westlicher in östliche Länge übergegangen. ;
Während der Zeit, in ‚welcher die erforderliche Länge zurückgelegt
wurde, hielt „Marie Louise“ sich am längsten in der Nähe von 43° S-Br.. Die
dort angetroffenen Winde waren vorherrschend westliche und nördliche, doch
wurden auch wiederholt östliche Winde beobachtet. Durch nennenswerthe
Stürme wurde die Fahrt nicht beunruhigt. Am 27, November, 28 Tage später
als westliche Länge verlassen worden war, . erreichte „Marie Lowise“ den in
38,2° S-Br überschrittenen Meridian von 80° O. Der Mitsegler „Richard
Rickmers“ kreuzte dieselbe Länge in 34° S-Br am 23. November. Noch ein
anderer Mitsegler, das Bremer, von Cardiff nach Manila bestimmte Vollschiff
„Elise“, welches 50° N-Br am 10, September, den Aequator in 28,2° W-Lg am
19. Oktober und den.ersten Meridian in 41,5° S-Br am 9. November verlassen
hatte, gelangte nach 80° O-Lg in 42° S-Br am 28. November.
Auf dem Wege zum Gebiete des SE-Passats wurde „Marie Lowise“ zu-
nächst für längere Zeit von westlichen Winden begünstigt. Unweit ‚von 30°
S-Br wurde die Fahrt an einem Tage. durch leisen Zug und Stille unterbrochen,
doch folgten auf diese später noch wieder längere Zeit anhaltende Westwinde.
Ein eigentlicher SE-Passat wurde gar nicht angetroffen. Nachdem die Richtung
des sich gänz langsam nach links veränderten Windes‘ unweit von 22° S-Br
Süd geworden war, blieb. sie‘ so. für etwa zwei Tage, war- für kurze Zeit sogar