Die Paracel-Inseln,
Die gröfste Länge der Insel ist, S0°40—NW*/«W, 1,3 Sm, die größte Breite,
NOzN—SWzS, 0,55 Sm. Nur der nordöstliche Vorsprung der Insel fällt steil
zum Meere ab und besteht aus einem 4,5 m hohen Plateau von Korallenkalk,
welches dieser Stelle von Weitem ein felsenartiges Aussehen verleiht; dasselbe
ist mit niedrigem Gestrüpp bewachsen. Der übrige Strand ist mit Korallensand
bedeckt und flacht allmählich ab, Während die Südwestseite viele Muschel-
arten aufweist, sind an der Nordostküste nur gröbere Geröllstücke zu finden.
Dieselbe Formation zeigen übrigens die meisten der Paracel-Inseln und ist den-
selben charakteristisch. Am Strande entlang läuft um Lincoln eine Art Düne,
die ca 50 m breit und 4m hoch, mit Buschwerk bewachsen ist. In der Mitte
der von derselben eingeschlossenen, fast 3m tiefer liegenden Ebene erheben
sich gröfßsere Baumkomplexe, welche der Insel aus einiger Entfernung ein
hügeliges Aussehen geben. Da dieselben den Vögeln als Brutstätten dienen,
sind sie fast immer besetzt und erscheinen von Weitem vollständig weiß. Eine
in der Mitte befindliche, auf der Karte bezeichnete Palme bildet ein gutes
Mark, da sich ihre dunkele Farbe schon auf fast 7 Sm deutlich von dem übrigen
Gebüsch abhebt. In der Nähe des Observationspunktes liegt ein Brunnen,
dessen Wasser aber nur durch Kochen für Europäer geniefsbar gemacht
werden kann.
Das die Insel umgebende und ziemlich parallel dem Strande laufende
Korallenriff erstreckt sich an der Südwestseite ca 1,2 Kblg, an den übrigen
ungefähr 3 Kblg von der Insel. Die Ränder desselben sind bei Niedrigwasser
Springzeit ganz, die übrige Partie theilweise trocken.
An der NW- und SO-Seite tritt das Riff etwas mehr unter die Wasser-
oberfläche zurück; es befinden sich jedoch hier keine tiefen in das Innere
hineinführenden. Fahrrinnen, wie bei der ersten Rekognosecirung im Nordwesten
vermuthet wurde, ebenso wenig ein Hafen innerhalb des Riffes in der durch
den Vorsprung der Insel gebildeten Bucht (Annalen 1881, Seite 485). Zwischen
den diese scheinbar offene Stelle einschliefsenden höheren Riffrändern ist das
Wasser nur 1m tief, innerhalb des Nordriffs nur 0,5m bis auf eine kleine
schmale Rinne von 0,65m, die von NW nach SO läuft und durch. viele bei
Niedrigwasser hervorstehende Steine an der Nordseite gekennzeichnet ist,
Die bezeichnete Bucht selbst hat überall 0,5m Wasser.
Die Südwestseite der Insel.gewährt bei nördlichen und östlichen Winden
einen guten Ankerplatz, ca 4 Kblg vom Strande entfernt, in 23m Wasser auf
Korallen- und Sandgrund; die Südspitze der Insel peilt von hier OzS, die
Nordwestspitze N°/40. Bei diesen Winden ist die Brandung hier so gering,
dafs mit kleinen Booten gelandet werden kann,
Auch die anderen Seiten der Insel, auf denen das Riff eine gröfsere
Breite hat, gewähren, wenn Lee, Schutz und Gelegenheit zum Ankern.
Während die Tiefen an der Nord- und Ostseite von Lincoln rasch zu-
nehmen und schon im Abstande von 1,3 Sm über 200m betragen, bleibt der
Meeresboden nach Süden und Südwesten zu noch beinahe 20 Sm weit gehoben,
selten über 60m unter das Meeresniveau sich senkend.
Auf diesem Plateau liegt der Pyramiden-Felsen, die Jehangire-Bank und
die Bremen- Bank,
Der Pyramiden-Felsen (Pyramid Rock) ist ein kleiner 5,3m über Hoch-
wasser hervorragender Felsenkegel, 7,3 Sm S 38° 30' W vom Observationspunkt
auf Lincoln liegend, bei klarem Wetter auf 7 Sm sichtbar. Auf weite Entfer-
nung kann er leicht mit einer Dschunke verwechselt werden.
Die Jehangire-Bank liegt auf 112° 40‘ O-Lg und zwischen 16° 19 und
16° 26’ N-Br. Ihre Tiefen sind sehr unregelmäfsig, die meisten liegen unter
40m, die geringste jst 13m, dazwischen kommen vereinzelte über 100m tiefe
Stellen vor.
Die auf den bisherigen Karten verzeichnete, zwischen 112° 44‘ und
112° 47‘ O-Lg liegende und sich von Lincoln südwärts bis 16° 27‘ erstreckende
mit „Torschiedehen Felsen besetzte Bank ist noch nicht genügend untersucht
worden.
DB
Die Bremen-Bank liegt zwischen 16° 15‘ und 16° 21‘ N-Br, 112° 23‘
und 112° 34‘O-Lg und hat ihre Hauptausdehnung in der Richtung ON0O—WSW,
Die Wassertiefen auf derselben betragen unter 40m, die flachste Stelle hat 13m,
Ann. d. Hydr. ete., 1855, Heft I,