Chronometer-Prüfung zu Wilhelmshaven im Winter 1884—85, 343
Bei allen Klassificirungsmethoden hat die Gröfse A die Bedeutung, dafs
sie, wenigstens der Hauptsache nach, den Einflufs eines etwaigen Kompensations-
fehlers darstellt. In dem gewöhnlichen, der Tabelle X zu Grunde liegenden
Verfahren wird diese Gröfse noch durch den Betrag der Acceleration zwischen
den beiden, die Gröfse !/,0A. bildenden Gängen entstellt, während bei den andern
Klassifieirungsvorschlägen der Temperatureinflufs fast rein zur Anwendung
kommt. Wenn wir daher einen Vergleich mit den aus den Temperatur-
Koö&ffeienten folgenden Grenzen anstellen wollen, so haben wir diesen Vergleich
mit den zuletzt angewendeten Methoden auszuführen. Da aber diese Methoden
willkürliche Nebenbedingungen (über die Gröfse von B und C) enthalten, so ist
die Vergleichung in der Weise anzustellen, dafs wir die oberen Grenzen der
Nebenbedingungen für die betreffende Klasse als etwas Konstantes ansehen,
dann mit Hülfe der mittleren Temperatur-Ko&fficienten der Klasse die bezüglich
des Kompensationsfehlers mittleren Werthe der Gröfsen A-+2B-C und
A-+2B‘-+-C bestimmen, darauf die Amplitude der Klasse bezüglich des
Temperatureinflusses feststellen und die Hälfte davon zu dem mittleren Werth
der Klasse addiren, dies giebt dann die obere Grenze für die Klasse.
Die mittleren Temperatur-Koeffcienten für die beiden Klassen wurden
auf folgende Weise gefunden: Weil bei den den Tabellen II und III zu Grunde
liegenden Klassificirungsmethoden die. Nebenbedingungen oft in höherem Grade
über die Klasse des Chronometers entscheiden, als die Gröfse A, so wurden
bei Ermittelung der Mittelwerthe für die Temperatur-Koeffecienten die Klassen
zu Grunde gelegt, welche die Chronometer nach der gewöhnlichen Art (A + 2B)
erhalten haben. Benutzt wurden die Chronometer, welche bei fünf Prüfungen
in den Jahren 1879—84 zu Wilhelmshaven die Klassen I und II erhalten haben,
und zwar wurden die berechneten Temperatur-Koefficienten .in der Weise zu
Mittelwerthen vereinigt, dafs ihre Vorzeichen so verändert wurden, dafs der
mit der Temperatur selbst multiplicirte Faktor a überall das positive Vorzeichen
erhiel6, Auf diese Weise ergab sich:
Klasse I: a = +0,0459 b = —0,0019 aus 20 Chr.
„mM: a = +00909 b= —00056 „ 25
Die Gröfse A soll nun, nach der Auffassung, die den Klassificirungs-
vorschlägen zu Grunde liegt, das Zehnfache der innerhalb einer gewissen
Temperatur-Amplitude (5° bis 30° C.) vorkommenden gröfsten Gangänderung
infolge der Temperatur sein. Ist t die Temperatur, t—15° = © und g und g,
der Gang des Chronometers bei t und bei 15°, so ist:
g = & + a0 + bO?.
Wenn a und b, wie in unserm Falle,‘. verschiedenes Vorzeichen haben,
so findet für Temperaturen über 15° oder für ein positives © bei einer Tem-
peratur t.„ ein Maximum der - positiven Temperatur-Korrektion statt; tm oder
On = tn — 15° ergiebt sich aus:
a
Op — >;
Mit obigen Werthen von a und b ergiebt sich für Klasse I: ©. = 121°
(tm = 27,1°) und für Klasse II: On = 8,1° (tn = 23,1°). Die diesen Tempe-
raturen. entsprechende Temperatur-Korrektion giebt.den einen der extremen
Werthe, aus welchen die Größe A gebildet wird. .
Wenn t<<15° oder © negativ ist, so haben die beiden Glieder a©
und b@* dasselbe Vorzeichen, es findet demnach ein stetiges Wachsen der
negativen Temperatur-Korrektion statt, und wir haben als den andern extremen
Werth zur Bildung von A den der niedrigsten Temperatur entsprechenden
Werth von a© + b@®* zu benutzen... Nennen wir diese ©, so ist also:
A = 10 {a(02 — 0) + b (On? — 05}
Mit obigen Werthen von @ und b und © = 12,1° resp. 8,1° und
9 — — 10° erhalten wir für: .
Klasse I: A = 10 Ge 0150 = 9,39
„ II: A = 10 (1,645 + 0,190) = 18,4°.
Ann, d. Hydr. eto., 1885, Hort YL